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Fragen der Zeit      Zukunft JETZT


POLITIK-LABOR – Ein Thema, drei Schwerpunkte: Aufmacher, Interviews, Europa-Artikel, Glosse und Lokaltexte aus Köln, Wuppertal und dem Ruhrgebiet

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Composing: Robert Michalak
 

Mündig/Die Jugend und die anderen
Intro (Link zur Langfassung)

Ziemlich genau 45 Jahre alt sind die Menschen in Deutschland im Durchschnitt. Ein reifes Land, könnte man meinen. Oder ein überaltertes Land? Nun ist ein Land nicht überaltert, weil es eine ordentliche medizinische Versorgung bietet und die Geburtenrate zurückgeht – eher ist das Ausdruck von Wohlstand. Aufschlussreich dagegen ist es, zu fragen, ob die jeweiligen Gesellschaften die Bedürfnisse und Interessen der Jugend berücksichtigen. Denn es sind üblicherweise die Älteren, die die Politik eines Landes bestimmen. Sich selbst und die eigene(n) Rolle(n) in der Gesellschaft finden, Grenzen austesten, Körper, Gefühle und Denken im Wandel. Das bleibt lebenslang eine Herausforderung, passiert in der Jugend aber wie im Zeitraffer. Welche Potentiale gehen Gesellschaften verloren, wenn Jugendliche ins System ‚eingepasst‘ werden. Wie dringend ist es, Jugendliche ‚einzupassen‘, wenn eine gewisse gesellschaftliche Stabilität als notwendig erachtet wird? Welche Rolle spielt die Jugend in Gesellschaften, wo kann sie mitbestimmen und was bedeutet es, Jugendliche zu bestrafen?

Mündig/Die Jugend und die anderen
Teil 1: Pubertät und Adoleszenz

(Soziale) Medien verändern Eigen- und Fremdwahrnehmung und entsprechend auch das Erwachsenwerden. Erziehung und Bildung bleiben oft ratlos, wenn es darum geht, der veränderten Umwelt gerecht zu werden – und natürlich ist es mehr als zweifelhaft, ob besonders Schule jemals an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen orientiert war und nicht vielmehr an der Arbeitswelt. Stillsitzen, getaktete Aufmerksamkeits- und Leistungszwänge, vorgeschriebene Themen und starre Bewertungen – passt das in eine Lebensphase, in der sich Bewegungsdrang, Neugier, Trotz und Provokationslust spontan Bahn brechen? Wird das Bildungssystem diesem Konflikt gerecht – oder verschlimmert es ihn? Gibt es ausreichend offene (schulische) Räume, Projektarbeiten, freie Zeiteinteilung u.ä., in denen Jugendliche ohne Vorgabe selbstverantwortlich und kreativ eigenen Interessen nachgehen können? Tut der Staat sein Möglichstes, um familiäre und soziale Umfelder zu fördern, in denen Jugendliche Nähe, Verständnis, Freiheit und Sicherheit finden? Oder verschärft die sozioökonomische Zerrüttung vielmehr eine „Krise der Jugend“?

Mündig/Die Jugend und die anderen
Teil 2: Erziehen und Strafen

„Wenn immer mehr junge Menschen straffällig werden, müssen wir unser Sanktionssystem anpassen. Denkverbote sind da fehl am Platz", so Herbert Reul, denn, ergänzte er: „Wenn wir ehrlich sind, sind Zwölfjährige heute nicht mehr so, wie sie vor 20 Jahren waren.“ So wirbt der NRW-Innenminister für eine Absenkung der Strafmündigkeit auf ein Alter von zwölf Jahren. Einlassungen wie diese blenden aus, dass die Bedingungen, unter denen sich das Verhalten junger Menschen ändert, nicht naturgewachsen sind, sondern maßgeblich politisch vorbereitet und verstärkt. Anstrengungen in Pädagogik, Therapie, Sozialstaat u.ä. wären geeignet, solchen Entwicklungen entgegenzuwirken. Was bedeutet es, „die Jugend“ durch eine verstärkte Strafmündigkeit/Strafbarkeit in einen Gegensatz zur restlichen Gesellschaft zu bringen, im Sinne von: „Junge Menschen sind tendenziell gefährlicher als früher“? Wie ernst nimmt der (Rechts-)Staat seine Aufgabe, Jugendlichen ein ‚gesundes‘ Umfeld zu bereiten? Können höhere bzw. frühere Strafen eine Antwort auf Vernachlässigung, Perspektivenlosigkeit und schlechte Vorbilder sein?

Mündig/Die Jugend und die anderen
Teil 3: Mitbestimmen und Wählen

Mit Floskeln für Demokratie begeistern? Es gehe darum, „junge Menschen an demokratische Prozesse heranzuführen“, um eine „Schule der Demokratie“, wirbt ein parteiübergreifender Gesetzesentwurf für das Wahlalter 16 für die kommenden NRW-Landtagswahlen. Ein bedeutender Fortschritt, um der Jugend mehr Mitsprache einzuräumen, da „die Alten“ qua Mehrheit über die politische Ausrichtung des Landes entscheiden, da die Pandemie offengelegt hat, welche gesellschaftlichen Gruppen sich des politischen Beistandes sicher sein dürfen (es war nicht die Jugend)? Oder ein Alibi, das an den Mehrheitsverhältnissen mangels Masse letztlich wenig ändern würde, die Jugend aber für alles Kommende mit in die Pflicht nehmen würde? Schließt ein gesenktes Wahlalter auch Maßnahmen zur politischen Bildung ein, die die jüngsten Wähler zu einer Urteilsfindung qualifiziert? Welche politische Macht kommt mit einem um zwei Jahre verringerten Wahlalter der Jugend tatsächlich zu? Wie steht es um eine Reform auf Bundesebene? Wie progressiv oder aber reaktionär ist „die Jugend“ mutmaßlich?

Mündig/Die Jugend und die anderen
Teil 4: Machtinteresse – Europa-Vorbild Österreich

Ein niedrigeres Wahlalter kann mehr sein als nur Gerede über Demokratieerziehung. Der Fall Österreich veranschaulicht diesen Punkt, allerdings nur, wenn echte Investitionen in politische Bildung und verantwortungsbewusstes Verhalten darauf folgen. 2007 war Österreich das erste EU-Land, das das Wahlrecht ab 16 Jahren für alles einführte. „Wählen ab 16“ funktioniert nicht ohne Bildung, wie Österreich zeigt. Fast 70 Prozent der jungen Menschen sagen, dass ihre Schulen sie informiert und politisch gebildet haben. Die meisten beklagen jedoch trotzdem ein unzureichendes Bildungsangebot. Kampagnen des Bundeskanzleramts oder Demokratiezentren boten Unterstützung mit Workshops, Ständen und Apps. Die Quintessenz: Wählen ab 16 stärkt das, was bereits existiert, aber nur, wenn Schulen und andere es proaktiv unterstützen. Mit zwei bis drei Prozent der Wählerschaft sind die 16- und 17-Jährigen zahlenmäßig eine sehr kleine Gruppe, sodass sich die Machtstruktur nicht verschiebt. Dennoch kann es zur politischen Legitimation beitragen und im besten Fall zur Identifikation mit einem demokratischen System.

Mündig/Die Jugend und die anderen
Teil 5: Erst zornig, dann stur. Das Leben des Homo politicus – Glosse

„Der Präfrontale Kortex ist erst mit 25 Jahren voll ausgebildet“, sagt die Neurowissenschaft. „Das ist ein Teil des Gehirns, der unter anderem unsere Gefühle und Impulse reguliert“, sagt der Wissenschaftsjournalismus. „Kurz: Die Jugend ist unvernünftig!“, fasst das Betagte Bildungsbürgertum zusammen. „Noch kürzer: Die Jugend ist dumm!“, poltert der Populismus. „Darum: Härtere Strafen! Wahlalter rauf! „Nein, das Wahlalter muss runter!“, sagt die Politisch Interessierte Jugend. „Mit zunehmendem Alter“, sagt die Neurowissenschaft, „verhärten sich kognitive Muster. Menschen neigen stärker zu Bestätigungsfehlern.“ „Kurz, man wird mit dem Alter manchmal sturer.“ „Wenn die Jugend zu emotional und unreif ist, sollten sie natürlich keine wichtigen Entscheidungen treffen. Und wenn Ältere Menschen stur die Vergangenheit verklären, sollten sie das auch nicht tun.“ „Wer bleibt dann übrig?“, fragt die Untere Mittelschicht.

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