Es gibt 274 Beiträge von Matt513
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24.02.2026
Auf die Gefahr des Vorwurfs hin, der Bezug auf den amerikanischen Präsidenten sei in diesen Zeiten, wo seine Tiraden beständig die Schlagzeilen füllen, ja wohl ein wenig wohlfeil – Anderson ist es gelungen, einen Film über Trumps Amerika zu machen, ohne daß Trump darin vorkommt.
Daß seine Regiearbeit stets Distanz zum Thema wahrt, wodurch sein Werk cineastisch sehenswert bleibt und nicht zum platten politischen Statement gerät (zu Beginn drohte dies kurz), kann als Verdienst gelten – oder, siehe oben erwähnte Zeiten, als Akt der Vorsicht.
In Nahperspektive setzt er die Entwicklungen, die man aus der Ferne bzw. obigen Schlagzeilen mitbekommt, in Bilder um. Nach dem Kinogang letzten Herbst war nicht absehbar, welche tragische Aktualität sie -leider- noch gewinnen würden. Abschiebelager, Einsatz bewaffneter Kräfte im Inneren, die sich mehr wie schießwütige Milizen denn wie Beamte aufführen, kurzum wie ein (hier im Film gestaltloser) Machtprimat das Aufbegehren der Opposition mit blanker Repression beantwortet. Sowie beispielhaft für die Brutstätten des neuen Denkens, ein Hinterzimmer-Zirkel netter, einflußreicher Senioren mit Herrenmenschen-Anspruch. Schließlich, was in nicht allzu ferner Zukunft noch hinzukommen mag, der bewaffnete Widerstand gegen das System.
In diesem also wirklich gut gemachten Film, idiotischerweise mal als schwarze Komödie bezeichnet, ist dann ein Di Caprio zu besichtigen, wie der von ihm gespielte “Ghetto” Pat kaum Adhäsion zur Handlung aufweist. Nicht zum ersten Mal, siehe Once Upon a Time in Hollywood, muß man sagen. Ein bekiffter Altjunkie und das ausgerechnet im Bademantel, ach, déjà-vu mindestens seit Pulp Fiction; Di Caprio wirkt wie seine eigene Karikatur.
Viel eindringlicher ist der von Penn gespielte Colonel Lockjaw. Er ist gewissermaßen das menschliche Destillat, ja die Quintessenz eben jenes obigen Amerikas. In der klassischen Lesart erwartete man von einem Offizier eigentlich einen integeren Charakter. Hier jedoch gewissenlos, korrumpierbar, mit Leiche im Keller. Ein universal soldier wie aus Donovans Song; das willige Werkzeug, das seine Nation in ihre nicht immer sauberen Kriege entsandte. Meisterlich nicht nur die sparsame Mimik, mit der Penn diese komplexe Figur erstehen läßt. Gewissermaßen um all das Vorgenannte zusätzlich auf den Punkt zu bringen, verleiht er seinem Lockjaw eine Gehbehinderung, wohl von einer Kriegsverletzung, die dessen schiefes, zerrissenes Wesen auch gestisch unterstreicht.
Warum Di Caprios und nicht Penns Konterfei das Kinoplakat prominent ausfüllt, weiß keiner. Penns große Kunst besteht darin, daß er überzeugend zu einem ganz anderen auf der Leinwand zu werden vermag, während Di Caprio, es tut mir leid das zu schreiben, von wenigen Ausnahmen abgesehen oft ähnlich spielt, deshalb ein Stück weit sich selbst? Auch die Oscar-Nominierungen muß man nicht verstehen. Die von Penn ist zwingend. Neben der für Di Caprio irritiert dann auch jene für Del Toro, einfach weil sein St. Carlos kaum für Nachhall sorgt. Die letzten Jahre gewinne ich eh den Eindruck, es reiche schon, im richtigen Film dabei gewesen zu sein, dazu das richtige Marketing und ja, auch schon die Strecke an erfolgsträchtigen Filmen im Resümee stehen zu haben und schon flutscht die Oscar-Nominierung wie von selbst. Beim britischen Filmpreis hat Andersons Film bereits überzeugt. Es bleibt dann abzuwarten, wie die Academy ihn gegen den großen Favoriten des Abends wägen wird.
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15.02.2026
Nachdem der Film bisher weitgehend unter dem Radar flog, ist er spätestens seit Verkündigung seiner 16(!) Oscar-Nominierungen in aller Kinomunde. Nach neulicher Ansicht bin ich ob seiner widerstreitenden Aspekte gespalten.
Handwerklich ist große Kunst zu besichtigen. Coogler läßt seinen Film perfekt so wirken, als sei er vor Jahrzehnten entstanden. Nicht nur das Korn im Bild, wo letzteres zudem durch sparsames Licht stets viel Schatten birgt, auch die Kameraführung, wie Szenen in der Halbtotalen oder Charaktere mit viel Hintergrund gefilmt sind, ergeben diesen Effekt. Seine Handlung spielt um 1930. Die Sklaverei ist überwunden, aber der afroamerikanische Teil der Landbevölkerung fristet ein Leben in Abhängigkeit auf den Plantagen sowie in Bedrohung durch den KKK. Hartes Leben, durch harte Bilder in Szene gesetzt. Weitere lokale Authenzität gewinnt der Film durch den sehr gemessenen Gitarren-Soundtrack. Cooglers einfühlsame Regiearbeit schafft sehenswerte Einzelleistungen seines Ensembles.
Bis dahin ein herausragendes Historienstück Unpathetisch, trefflich, geradezu entspannt erzählt, trotz des ja deprimierenden Rahmens. Dann tauchen Aspekte wie Störfeuer auf und man fragt sich, warum.
Das gesamte, nennen wir's mal Horrorelement ist für die Erzählung entbehrlich. Die Botschaft seines Films hätte Coogler zunächst mal auch gut ohne 'rüber bekommen. Dann dazu selbst; ach wie erwähnt ist alles so gelungen und sehenswert und dann kann er das, was er ausdrücken will, nicht besser transportieren, als daß es in zwei Szenen direkt und aus dem Vollen gedrechselt ausgesprochen wird? Ein bißchen mehr cineastische Raffinesse, eine Prise Subtilität nicht möglich gewesen? Der Film verlor maßlos für mich dabei. Die Magie der zeitgenössischen Erzählung ist weg. Abrupt hängt der Eindruck des gestreckten Zeigefingers vor der Nase des Zuschauers im Hier und Jetzt. Schon wieder. Schade.
Gut, wie die Dinge sich bei der Academy die letzten Jahre entwickelt haben, ist bekannt und dann 16 Nominierungen auch erklärbar. Ob es im besonderen den Anleihen des Horrorgenres bedurfte, Coogler diese einfügte, damit sein Film für die Juroren aus der Masse an neuen Filmen irgendwie herausstach, sei dahingestellt. Es bleibt der Trost, daß dieser trotz allem als hochwertig gelten darf und falls er groß abräumt, dieses Prädikat ihn von den teils schauerlichen Machwerken abheben würde, die die Academy in den letzten Jahren hochjubelte.
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08.02.2026
Fangen wir mal mit dem Nicht-ganz-so-Optimalen an: Die Handlung, ein gefallener Rennfahrer kehrt nach 30(!) Jahren in den Formel 1-Zirkus zurück und mischt die Szene gehörig auf, dieses in einem bis dato Verliererteam, ist natürlich Gurke. Indes Arthaus-Kino hätte man auch nicht erwartet, nicht bei dem Sujet bzw. bei dem Regisseur, der zuletzt die Fortsetzung von Top Gun drehte.
Weswegen es vielmehr lohnte - in Zeiten, wo manch einer meint, mithilfe von Computern ließe sich im Film alles besorgen (und damit bereits grandios scheiterte), reißt dieser hier den Zuschauer durch echte Bilder mit. Echte Fahrer in echten Autos auf echten Rennstrecken. Pitt und Idris selbst steuerten umgebaute Formel 2-Rennwagen mit beachtlicher Performanz. Sein persönliches Ziel, die 200 Meilen bzw. grob 320 km pro Stunde, verfehlte Pitt um ganze 3 Meilen. Drehbare Minikameras an den Rennautos besorgten die waghalsigen Schwenks während der Hatz; wie erwähnt, alles echt. Führt man sich vor Augen, daß da die Schauspieler mit hohem Tempo selbst fuhren, hebt das diesen Film hier auf ein ganz anderes Level gegenüber solchen, wo Akteure vor der grünen Wand bloß ein wenig so tun, als ob. Das übliche Computergenerierte hält sich erfreulich im Hintergrund. 'Machte ich wenn, dann ausgerechnet in Pitts Gesicht aus, wenn Texturen manchmal etwas, hm, glattpoliert erschienen. Hey, er spielt doch einen gealterten Helden, man lasse ihm also die in Ehren erworbenen Furchen.
Dieses über zwei Rennsaisons verwendete Setup wird durch die durchs Bild stromernden Formel Eins-Größen noch veredelt. Zwischen Ferrari und Mercedes bezog das fiktive "Apex GP"-Team in der Boxengasse Quartier. Die dabei entstandenen Bilder, wenn im Hintergrund die wirklichen Rennställe am Werkeln sind, bei der Startaufstellung die Boliden umschwärmen, überhaupt der ganze Glamour eines echten Renntages, dazwischen Pitts Hayes und Idris' Pearce, um sie herum die Stars der Manege, ein Verstappen, Norris, Sainz, Hamilton, Perez, Alonso; letzterer bei Hayes nach einem Rennen zum Gratulieren vorbeikommend - machen einfach Riesenspaß.
Dieser vollendete Grenzübergang zwischen Fiktion und Realität ist der Extralack auf dem Film. 'Gehörte zu Recht auf der großen Leinwand geschaut. Der treibende, stampfende Soundtrack von Hans Zimmer dazu - mehr geht nicht. Popcorn-Kino der besten Sorte. Da ist die, siehe oben, realistische Handlung entbehrlich. In Sachsen ('hat ja auch eine große Motorsporttradition) würden sie sagen (mit endweichen Konsonanten): "Gehirn ouskübbln und donn longsom blubbrn losn".
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31.10.2025
'Bin ich mit recht großen Erwartungen reingegangen. Genau, "The Rock" Johnson (von dem ich allerdings keinen Film kenne), in seiner ersten Charakterrolle. Unweigerlich fällt einem Aronofskys The Wrestler ein, der mit dem Boxer und späteren Schauspieler Rourke eine ähnliche Konstellation hatte.
Beeindruckend kam mir Johnsons Maske in der Vorberichterstattung vor, unter der seine markanten Züge fast vollkommen verschwanden. Im Intro gefiel das feine Korn im Bild wie von Amateurfilmen der 90er Jahre. Also, das versprach gut zu werden.
Leider bestätigte sich dieser positive Vorauseindruck nicht. Das Drehbuch vermag keinen Strudel zu entfachen, der den Zuschauer gefangen nimmt. Die Handlung wirkt mehrfach gebrochen. Vielversprechende Szenen, in denen man denkt, oha, da braut sich etwas zusammen, verebben ergebnislos. Es fehlt schlichtweg ein Spannungsbogen, der durchgehalten wird. Das Ende des Films - unbefriedigend, schlichtweg Käse.
Hinzu kommt, dies muß man leider konstatieren, daß das Dramagenre für Johnson eine Nummer zu groß zu sein scheint - aktuell oder überhaupt. Daß sein Kerr sich laufend mit der Freundin streitet, ist mir für eine Charakterzeichnung ein bißchen zu wenig. Kerr muß dann im Film mehrmals weinen, aber jedes Mal hat Johnson die Hände vorm Gesicht. Es könnte sein, daß Regisseur Safdie keine Alternative dazu sah, weil sein Hauptdarsteller Johnson, dieser harte Brocken vor der Kamera eben nicht überzeugend weinen kann. Im Gegenteil dazu bekommt die arrivierte Blunt das ohne Mühe hin. Kerrs Trainer verletzt sich beim Training und sein Darsteller muß große Schmerzen darstellen. Das passt. Und Johnson - heult halt in die Hände.
Gut, 'hab ihn angesehen und bin nun klüger. Aber ein Muß war das nicht.
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19.06.2025
Mit großer Mühe ist es mir im zweiten Versuch gelungen, diesen äh ja, Film zu Ende anzuschauen. Seine Handlung ist auf so hirnlose Weise absurd, im ganzen eine Tour de Force unsinnigster Szenen, daß es schmerzt. Das ist ebenso ärgerlich wie die Erkenntnis, daß er unverhohlen bei Matrix Teil 1, diesem Meilenstein der Kino-Ästhetik abkupfert, dabei cineastisch auf einem lächerlich niedrigen Niveau verharrt.
So, es gibt also ganz ganz viele Paralleluniversen, in denen man plötzlich großartige Fähigkeiten besitzt,(und wie Cypher im großen Vorbild, so administrieren auch hier dienstbare Geister den Wechsel von einem zum anderen; selbst das wurde übernommen) und Achtung: MIT JEDER Entscheidung, die man selbst trifft, wird ein neues(!) erschaffen. Warum das so ist, ach Gottchen lieber Zuschauer, belästigen Sie die Macher doch bitte nicht mit solch kleinkarierten Nachfragen. Is' halt so.
In Matrix gibt es genau eines, eben die Matrix selbst. Warum, wird von Morpheus kurz und prägnant (Sie erinnern sich, Aufstand der Maschinen, Menschen schneiden sie vom Sonnenlicht als Energiequelle ab, Maschinen versklaven Menschheit als alternative Energiequelle) erklärt. Unfassbar, aber ausreichend schlüssig. Mit dieser Prämisse funktionierte jener Film bestens.
Hier dagegen wird ohne Vorwarnung ein sinnloser Bildersturm wie ein Sack Flöhe aufs arme Publikum losgelassen. Je unwahrscheinlicher und abstruser die Dinge in diesem Wirrwarr von Universen sind, umso besser, grad recht. Handlung und Verhalten der Charaktere ähnelt dem, wenn Kinder beim Spielen im Sand sich ad hoc 'was ausdenken. Da kaum was erklärt wird, sitzt man abgehängt davor und erträgt den Fortgang dieses hanebüchenen Machwerks mehr, als daß man ihm folgt.
Für diesen Käsekuchen-Film gilt dann ähnliches wie bereits für andere vor ihm, z.B. Titane oder ja, einmal mehr der infame Parasite. In früheren Zeiten wäre er, wenn überhaupt, bei begrenzter Resonanz auf dem einen oder anderen Independent-Festival zur Aufführung gelangt. In den heutigen Zeiten überschlägt sich die internationale Kinogemeinde darüber, wie bahnbrechend und phantasievoll er doch sei und überhäuft ihn mit Preisen. Zur Erinnerung, neben Schwergewichts-Oscars für besten Film, beste Regie sowie bestes Original-Drehbuch, was für sich schon ein (schlechter) Riesenscherz war, gewann der Film in 3 der 4 Darsteller-Kategorien. Das wird an keiner Stelle eingelöst. Wie Comicfiguren hasten alle Beteiligten durch diesen massiven Blödsinn hindurch. Überzeugende Charakterdarstellung, ja schauspielerische Leistung an sich, welche den Oscar erklärbar machte - nicht erkennbar. Im Falle von Yeoh war sowas zu lesen wie, 'wurde ja längst Zeit, daß sie ihn bekommt'. Aber dann ausgerechnet für solch einen Humbug? Also doch nicht etwa eine 'politische' Entscheidung?
Man darf nicht daran denken, daß die Academy einerseits einen Altmeister wie Scorsese, der beständig einen hochwertigen Film nach dem anderen vorlegt, zum wiederholten Mal mit 10 Nominierungen und null Oscars nach Hause schickte, wenn andererseits dieser Mumpitz hier mit Oscars regelrecht beworfen wurde, wie schon andere belanglose Machwerke davor. Wie anspruchsvoll es früher war, wie hart der Wettbewerb, einen der begehrten Goldjungs zu ergattern, wenn diese heutzutage offenbar nach Agenda vergeben werden.
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13.06.2025
Hier haben wir's einmal mehr mit einem Film nach wahren Begebenheiten zu tun. Und leider einmal mehr einer, der aufgrund eines Drehbuchs mit Luft nach oben narrativ zu einfach gestrickt daherkommt, was sich in einer unangenehmen Dosis an Pathos bemerkbar macht. Ebenso läßt das Bühnenbild sowie die Requisite nicht den Fehler aus, es optisch zu übertreiben, weswegen Mangolds Film allenfalls wie eine bunte, idealisierte Vision der 60er Jahre wirkt. Aber das breite Publikum will ja was fürs Auge haben. Aus diesem Grund wirken Katzins Le Mans von 1971 bzw. Frankenheimers Grand Prix von 1966 viel authentischer. Sie sind schon in der damaligen Epoche entstanden, also hatte man es gar nicht nötig, diese bemüht nachzubauen.
Was den Film indes sehenswert macht, ist die massive Präsenz exquisiter Automobile.Ob das der 275 GTB (in seltenem Silber) bei den Ferraris oder der 300 SL (in üblichem Silber) bei den Agnellis vor der Türe ist, die zahlreichen Boliden in Shelbys Workshop (der auch viel zu clean und aufgeräumt daherkommt) oder die zahllosen Ferraris, Porsches, Jaguars und wie sie nicht alle heißen, wenn es schließlich in Le Mans auf die Jagd geht. Das war schon was. Weniger beeindruckt hat mich dabei das wilde Umhergeschwenke der vermeintlich mithastenden Kameras, welches zu sehr nach computergeneriert ausschaut und einen emotional dann bald außen vor läßt.
Was man von der idiotischen Platitüde im deutschen Verleihtitel ("Gegen jede Chance") halten muß, keine Ahnung. Wer oder was gegen jede Chance? Man weiß es nicht. Für meinem Geschmack ein sicherlich sehr solides Werk, das trotz aller technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit jedoch unter den seinen bleibt.
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26.04.2025
'Mit Dylan bisher nichts am Hut & den Film trotzdem geschaut. Immerhin stellte ich fest, ich kenne mehr Songs von ihm bzw. aus seiner Feder, als gedacht (Mr. Tambourine Man von ihm? Nicht von Paul & Art?).
Mir ging es dann aber darum, ob Chalamet auch für mich als Bisher-Ignorant (ja ja ja geschenkt, ich weiß, wie hochverehrt er ist; trotzdem!) eine glaubhafte Anverwandlung hinbekommt, ich ihm also den Dylan abkaufe.
Mit derr obigen Prämisse muß ich dann aber sagen, die nuschelige Stimme, aus den paar Songs ja bekannt, hat er sich bestimmt gut draufgeschafft. Aber rein mimisch hatte ich nicht den Eindruck, ich sehe jemand anderes als den Schauspieler. Zumal auch rein optisch Chalamet im Film eben wie er selbst und kaum wie jemand anders aussieht. Im zweiten Teil kann die etwas fülligere Nackenmatte das wenigstens in Teilen kompensieren, aber da steht der Eindruck ja bereits. Etwas unangenehm drängt sich mir die Frage auf, was in dem Kontext einen überzeugenden Schauspieler ausmacht und ob Chalamet dieses Prädikat für sich in Anspruch nehmen darf. Ich denke an seine letzten Filme und aufsummiert müßte ich sagen.. ..hm.. tja, Sie verstehen...
Wesentlich besser gefiel mir Norton als Pete Seeger. Von letzterem kannte ich bisher allenfalls seine Songs, ihn selbst nicht. Aber wenn man Norton einerseits in American History X oder Birdman gesehen hat und nun andererseits, wie er hier einen herzigen, höflichen Herrn spielt, der unbedingt an die positive Kraft der Folkmusik glaubt, muß man einfach sagen, daß er eben imstande ist, einen Filmcharakter absolut überzeugend erstehen zu lassen. Das machte für mich den Unterschied. Mir gefiel auch Seegers Dialekt im Film. Eine Schande, daß Norton immer noch keinen Oscar hat. Auch die übrigen Charaktere gefielen; Fanning, Barbaro als Joan Baez und ja, auch wie sparsam der Film mit Pathos ausgestattet ist. Daß wie immer bei solchen Historienfilmen alles ein wenig zu farbenfoh ist bzw. auch die zeitgenössischen Autos alle zu gut gepflegt und poliert (weil es eben gehegte Oldtimer und keine echten Alltagsautos sind), konnte man mit leben.
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02.03.2025
Unter dem Originaltitel nicht zu finden - das hier ist natürlich "der" French Connection, das Original, zu dem aufgrund des großen Erfolgs 4 Jahre später eine Fortsetzung erschien.
Hackmans Doyle und Scheiders Russo sind Junkies - in ihrem Beruf. Das ist insofern zutreffend, als daß man als Zuschauer kaum nachvollziehen kann, für was jemand freiwillig eine solche Einbuße an Lebensqualität in Kauf nimmt (ließe sich so ja auch über die anderen formulieren, die man noch so nennt). Beim stunden- ja, nächtelangen Observieren pennen Doyle und Russo im Dienstwagen, frieren sich im Stehen den Hintern und alle Körperteile darunter ab, raufen sich mit allerlei Gesindel und ernähren sich von Junk Food. Ein Leben von der Substanz. Ein Werbefilm für den Polizeiberuf ist dieser sehr authentische, mitunter in langen, atmosphärischen Bildern des New Yorks der 70er Jahre erzählte Streifen also nicht. Die Körnung im Bild und der Grauschleier der Ära auf der Farbpalette ergänzen den Eindruck perfekt. Noch ein Detail kann gefallen; nämlich der wunderbare Pontiac LeMans in dunkelbraun, dem im Film eine Schlüsselrolle zukommen wird. Der Gangster stammt aus Marseille und Friedkin läßt besagtes Auto mit dem Schiffskran wie Nosferatus Sarg in NY ausladen. Das Böse kommt in die Stadt, im einen wie im anderen Film. Dann bildet er nette Bilderpärchen. Die Gangster logieren im feudalen Hotel, die Cops nehmen mit besagter Rückbank vorlieb, Roastbeef und türkischer Mokka für die einen, 'Stück Pizza (bei der Saukälte draußen schnell kalt) und 'Schluck Kaffee aus dem Pappbecher (dito) für die anderen. Man muß entweder bekloppt sein oder ein totaler Überzeugungstäter. Es war diese Manie, nicht unbedingt einen durch und durch positiven Charakter beschreibend, die Hackman seiner Filmfigur einhauchte, durch welche dies auf ewig seine Paraderolle wurde sowie ihm den ersten von 2 Oscars eintrug. Sein Doyle trägt diesen Film; Scheiders Russo agiert damit verglichen eher unauffällig. In der Fortsetzung taucht dieser auch nicht mehr auf.
Der Anlaß für die Ansicht nach Jahrzehnten war indes ein trauriger. Mit Gene Hackman ist einer der ganz Großen der alten Garde Hollywoods, der außer strahlenden Heldenfiguren so ziemlich alles verkörpert hatte (gut wie böse), von der Bühne abgetreten; die Umstände für den Moment noch mysteriös. *Seufz* und wieder einer weniger. Doyle und Russo (Scheider verstarb 2008) jagen den Gangster Charnier (Rey bereits 1994) nun gemeinsam im Jenseits.
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09.03.2024
Ein KZ stelle ich mir als Ort endgültigen Schreckens vor. Was dies in Bildern bedeutet, hat Spielberg uns bereits drastisch vorgeführt, auch wenn Plaszow nicht die unfassbaren Dimensionen eines Massenvernichtungslagers wie Auschwitz hatte. So immens wichtig sein Beitrag zum Thema war, für den Kinogänger ist natürlich stets eine noch nicht dagewesene filmische Herangehensweise wieder interessant.
Glazer macht den Schrecken nun in ähnlich eindrücklicher Weise begreifbar, jedoch primär auf der Tonspur. Schon im Intro zerstreut ein wimmernder Chor alle etwaigen Zweifel, die die Ansicht der Vorabbilder gesät haben könnte - das wird jetzt kein Film über Gartenbau und unbeschwerte Kindheit. Das Grauen schleicht sich an den Zuschauer oder besser: Zuhörer heran. Anfangs nur vereinzelt vernehmbar, hängt bald ein fernes Gemisch von Schreien, dem Gebell von Zwei- und Vierbeinern, Zischen von Lokomotiven und immer wieder Schüssen über der Szene. Und indem sie dieses akustische Trauma konterkarieren, wirken dazu die an sich banalen Bilder des idyllischen Zusammenseins von Familie Höß, die Großaufnahmen von Blumen wie ein perfider Verstärker. Das hebt Glazers Film heraus. Man sitzt paralysiert da, lauscht bald nur noch der Tonkulisse und denkt sich, wie konnten die da so seelenruhig ihren Nachwuchs großziehen und Gartenfeste feiern, direkt daneben? Papa Höß bei der Arbeit; Ort vermutlich die Ausladerampe, lediglich zu hören ein kollektiver Ausruf menschlicher Verzweiflung. Er aber steht und schaut unbewegt wie der Bauer auf dem Feld. Hausfrau Höß hätte man wenigstens zu Beginn des Films stoische Verdrängung zugute halten können. Aber spätestens, wenn sie dem polnischen Hausmädchen seelenruhig bedeutet, wie leicht ihr Gemahl es in Asche verwandeln könnte, ist klar, daß die Eheleute Höß in Sachen menschenverachtender Eiseskälte einander nichts schenken. Ignoranz? Nö. Eher in der Wolle gefärbte Nazis. Das belegt auch die gepflegte Konversation beim Kaffeeklatsch oder wenn die Mama zu Besuch kommt; die Nachbarin, jetzt vermutlich auf der anderen Seite der Mauer, die las doch immer irgend so bolschewistisches oder hach, halt so jüdisches Zeugs.
Zwei Aspekte der filmischen Umsetzung verdienen besondere Erwähnung. Einerseits die Kameraführung. Läuft z.B. jemand durchs Haus, folgt ihm die Kamera nicht und es gibt auch keine Schwenks. Stattdessen wechselt die Perspektive zwischen mehreren, statischen Einstellungen wie auf den Bildschirmen einer Objektüberwachung. Andererseits gibt es fast keine Portraitaufnahmen. In einer Handvoll Szenen werden die Charaktere mal schräg von seitwärts oder unten gefilmt. Ansonsten alles aus der Totalen bzw. Halbtotalen. Diese stumpfe, distanzierte Darstellung ist wichtig für den Film. Bei umgekehrt gewählten Mitteln hätte die Charakterzeichnung schlimmstenfalls ins empathische verwässert werden können.
Also, was man zunächst eher zufällig als auch im Wettbewerb befindlich wahrgenommen hat, entpuppt sich als ausgesprochen sehenswerter, im profunden Sinne schrecklicher Beitrag. Normalerweise würde ich des Themas wegen dieser Nicht-Hollywood-Arbeit eine veritable Chance auf den Preis des besten Films einräumen. Bei den derzeitigen globalen Ressentiments glaube ich allerdings nicht ernsthaft daran.
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Nach Lektüre der Filmbesprechung in der FAZ vom 28.02. darf ich aufgrund teils ähnlicher Formulierungen anfügen, daß mein Beitrag ohne vorherige Kenntnis entstand.
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25.02.2024
daß es sich hierbei um einen enorm profitablen Blockbuster handeln soll. Das ist knochentrockenes Historienkino mit einer kaum zu überblickenden Menge an Charakteren, fast alle männlich, sowie ansatzlos ineinander fließenden Erzählebenen und Zirkelschlüssen.
Namen und Gesichter flirren vorbei. Kennte man die Materie nicht auch nur minimal; das 'Nukleare Rennen' im 2. Weltkrieg sowie den Jahrzehnten danach, die Namen wesentlicher Spieler darin, die Fermis, Heisenbergs (Zwischenruf aus dem Publikum: "'Hat in Breaking Bad mitgespielt". *Arrgh*) Bohrs und Bethes, aber z.B. auch die causa Klaus Fuchs, der Film hätte einen bald verloren.
Und zu alledem dieses Tempo dann auch noch 3 Stunden lang durchhalten zu müssen, dann ist das eigentlich kein Film für die Massen. Wenn er trotzdem an der Kinokasse erfolgreich war, könnte das am Nimbus seines Regisseurs gelegen haben. Eben "der neue Nolan"; klar, den schaut man sich an.
Dessen Arbeit ist zunächst einmal sehenswert. Das Ensemble agiert nahtlos miteinander, die prall mit Dialog gefüllten Szenen wirken plastisch und real. Wie häufig bei historischen Filmen über Wissenschaftler, so muß auch Murphy hier einen Charakter glaubhaft erstehen lassen, der dem breiten Publikum unbekannt sein dürfte. Daß Gordon Sumner einst seinen kleinen Jungen vor 'Oppenheimer's deadly toy' zu retten suchte, daran werden sich nicht mehr viele erinnern.
Von außen betrachtet, erscheint Oppenheimers Erfolg im Manhattan Project wie ein Mysterium. Als Wissenschaftler brillant, charakterlich jedoch teils unzulänglich, drängte er sich nicht eben für die Leitung eines megateuren, vielköpfigen und unter hohem Termindruck stehenden Militärprojektes auf. Es muß sich glücklich gefügt haben, daß er durch das Elternhaus bestimmte Fähigkeiten und Ansichten vermittelt bekam, die sich als Schlüssel zum Erfolg erwiesen. Dadurch war er in der Lage, u.a. das größere Bild zu beurteilen, aus einem Wust von Informationen wesentliches zu destillieren, die kreative Atmosphäre in dem riesigen Forscherteam zu entfachen und wissenschaftliche Themen Nichtwissenschaftlern verständlich zu machen.
Bei seinen 3 Stunden leuchtet der Film dieses Davor jedoch nicht an. In der Wüste New Mexicos läuft seine Titelfigur unerklärt und wie selbstverständlich zur Hochform auf. Dadurch bleibt die charakterliche Zeichnung unterentwickelt, wenig mitreißend, halt in der esoterischen Bildersprache des Nolan'schen Erzählkinos verhaftet. Seine Folie bildet vielmehr eine Nebenhandlung, in welche ein früherer Förderer, später Widersacher involviert ist. Ein Fokus liegt dann auf dem Danach, inquisitorischen Befragungen passend zur McCarthy-Zeit, Oppenheimers kolportierter Verbindung zu den Kommunisten, über welche er seine Reputation verlor und jahrelang verfemt war. Der Konflikt der Wissenschaftler darüber, wie diese todbringende Technologie zu verwenden sei, nun da sie sie in die Welt gesetzt hatten, war vielgestaltig und widersprüchlich. Dies, dabei speziell Oppenheimers Perspektive, hätte im Film auch besser ausgearbeitet sein können, ist es aber nur in Ansätzen.
Was mir sehr gut gefiel, war die Maske. Wegen der multiplen Erzählebenen müssen Teile des Ensembles im Film über Jahrzehnte hinweg altern. Das ist gut gelungen. Es selbst hat Höhen und Tiefen. Den Ungarn Teller, der sich entgegen der Kernspaltung für ein Design mit Kernfusion stark machte, trifft sein Darsteller Safdie im Film schon sehr gut. Damon als General Groves ist keine gute Wahl, denn Groves war deutlich übergewichtig; mit das erste, woran ich nach Ansicht des Trailers denken mußte. Da hätte man in den heutigen Zeiten ja durchaus mit einem adipösen Darsteller noch Bonuspunkte bei der Academy sammeln können (und btw sich den Ägypter Malek in einer belanglosen Nebenrolle sparen). Doch vermutlich wird Nolans Film dies gar nicht brauchen, sondern auch so der große Abräumer bei den Oscars sein.

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