Neun Männer in Bettlersäcken lassen sich auf überdimensionalen Eiern nieder und brüten was aus. „Wir proben den Aufstand. Dies ist eine Besetzungsprobe. Wir haben die Bühne besetzt“ skandieren sie in feiner Doppeldeutigkeit.
„Woran glaubst du?“ fragt das neueste Projekt der Theaterwerkstatt des Comedia Theaters und macht sich auf die Suche nach dem, was die Menschen im Belgischen Viertel antreibt.
Zweimal 20 Minuten ergeben – richtig – ziemlich genau 40 Minuten. So viel Zeit haben die Nachwuchskräfte im WirtzHaus des Atelier Theaters, um den Sommer mit Lichtblicken zu erhellen. „Gratis – und nicht umsonst“ heißt die Reihe, die die Hausherrin Rosa K. Wirtz vor 16 Jahren ins Leben rief – zur Freude der Zuschauer, die am Ende der Vorstellung die Höhe ihres freiwilligen Obolus selbst bestimmen.
Es gehört zu den Ironien des Lebens, dass der Pionier zuweilen von einem Schüler rechts überholt wird und selber als die Kopie des eigenen Originals wirkt. Dies ist die Hypothek, mit der Stefan Bachmann ab September die Nachfolge von Karin Beier als Intendant des Kölner Schauspiels antritt.
Das war’s dann also. Auf Karin Beiers Intendanz in Köln wartet die Theatergeschichte, die sie selbst noch schnell schreiben lässt, aber dazu später mehr. Den Schlussakkord setzte Sebastian Nübling mit der farcehaften Inszenierung eines Stücks von Maxim Gorki: „Die Letzten“, geschrieben 1907/8 im Exil auf Capri, nun gut 100 Jahre später im Interimsquartier Expo auf die Bühne gebracht.
„Schönheit der Vergänglichkeit“ nennt die Gruppe raum13 ihre kleine historische Reihe, in der die Geschichte des Konzerns Klöckner Humboldt Deutz mit der Gegenwart verkoppelt wird. In dem Titel steckt nicht nur die Beschwörung des Verschwindens als ästhetischer Vorgang, sondern auch ein Ruinenbewusstsein, das aus den Trümmern die katastrophischen Zeitläufte lesbar machen möchte.
Undankbar sind sie immer noch. Da verliest Johanna Freiburg einen Brief ihrer Großmutter, die in der damaligen BRD quasi im Akkord Päckchen packte und in die DDR sandte. Ihr gegenüber sitzt als Ossi-Pendant Annett Gröschner. Sie zählt auf, was alles bei ihnen angekommen ist, und fragt dann „Warum hat eigentlich deine Großmutter keine Tampons geschickt?
Beim Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW zeigt eine belgische Gruppe die jugendliche Suche nach männlicher Identität – mit großem Körpereinsatz, mit Bierfontänen und mit einem Rasierschaum-Schwanensee.
Lauter Sixpacks und Kopulation auf der Bühne: Um sich und „Tausendundeine Nacht“ von Orient-Klischees zu lösen, modernisiert Angelin Preljocaj die Erzählungen und verpasst ihnen eine ordentliche Portion Erotik. Das misslingt: Sein neuestes Stück „Les Nuits“ schafft vor allem neue Stereotypen.
Beim Tanzgastspiel „Soapéra“ ging es fluffig-glitschig zu: Die Bühne wurde über und über mit Schaum bedeckt. Der wolkige Stoff diente als Metapher für die Inspiration und sollte einen bleibenden Eindruck machen!

Im Netz der Lügen
„Dear Evan Hansen“ am Jungen Theater Bonn – Prolog 03/26
Die Anarchie der Wörter
„Terrorist:innen“ am Orangerie Theater – Auftritt 03/26
„Wir wollen Räume für ein anderes Zuhören öffnen“
Regisseur Martin Schulze und Dramaturgin Ulrike Janssen über „Wem gehört das Volk?“ am TdK – Premiere 03/26
Rache und Gerechtigkeit
Feministische Version der „Orestie“ am Schauspiel Köln – Prolog 02/26
Hüpfen, nicht denken
„Du musst dich entscheiden!“ am Schauspiel Köln – Auftritt 02/26
„Wir denken an ein liebevolles Beschimpfen“
Das Cuma Kollektiv inszeniert „Bühnenbeschimpfung“ am Freien Werkstatt Theater – Premiere 02/26
Spuk mit Fragezeichen
„2:22“ am Kleinen Theater Bad Godesberg – Prolog 02/26
Der Tanz der Krähe
„Die Ecke“ in der Alten Wursterei – Auftritt 01/26
„Als säße man in einem flirrenden Zirkuszelt“
Regisseur Sergej Gößner über „Der fabelhafte Die“ am Comedia Theater – Premiere 01/26
Im Hamsterrad des Grauens
„Der Gott des Gemetzels“ am Theater Bonn – Prolog 01/26
Das Meer in dir
„Aqua@Cycles“ in der Alten Feuerwache – Theater am Rhein 01/26
Auszeit der Ewigkeit
„Pyrofems“ von Wehr51 im Studio Trafique – Auftritt 12/25
Praktisch plötzlich doof sein
Helge Schneider präsentiert seine neue Tour – Prolog 12/25
„Man spürt den Theatermenschen“
Dirigent Daniel Johannes Mayr über die Bonner Wiederentdeckung der Oper „Die Ameise“ – Premiere 12/25
Über zwei Ikonen
„Marlene Piaf“ am Theater der Keller – Theater am Rhein 12/25
Verlorene Jahre
„The Drop“ am Jungen Schauspiel in Düsseldorf – Prolog 11/25
So verwirrend wie das Leben
„Berlin Alexanderplatz“ am Schauspiel Köln – Prolog 11/25
Von der Aufgabe des Denkens
Audiowalk „Jeder stirbt für sich allein“ in Köln – Auftritt 11/25
„Ein armes Schwein, aber auch ein Täter“
Regisseur Hans Dreher und Schauspielerin Laura Thomas über „Laios“ am Theater im Bauturm – Premiere 11/25
Utopie auf dem Rückzug
Bertha von Suttners „Die Waffen nieder“ am Theater Bonn – Prolog 10/25
Gegen sich selbst antreten
„Fünf Minuten Stille“ am Kölner FWT – Theater am Rhein 10/25
Muttärr! Oder: Dschungelbuch in Ulm
„Man kann auch in die Höhe fallen“ am Theater Der Keller – Auftritt 10/25
„Wir führen keine Monster vor“
Regisseurin Nicole Nagel über „Aufruhr der Stille #MeTooInceste“ am Orangerie Theater – Premiere 10/25
Schreib dich frei!
„Botin“ in der Alten Versteigerungshalle auf dem Großmarkt – Theater am Rhein 09/25
Die Moralfrage im Warenhaus
„Aufstieg und Fall des Herrn René Benko“ am Schauspiel Köln – Prolog 09/25