Die Aufnahme ist innerhalb kürzester Zeit zu einem der wichtigsten Beispiele zeitgenössischer politischer Ikonographie avanciert: Am 2. Mai 2011 veröffentlichte das Weiße Haus ein Foto aus dem Situation Room. Da sitzt der Inner Circle der amerikanischen Macht von Präsident Barack Obama über Außenministerin Hillary Clinton bis zu General Marshall B. Webb im Halbkreis an einem Tisch und verfolgt gebannt in Echtzeit die Tötung Osama Bin Ladens im pakistanischen Abbottabad.
choices: Frau Velhagen, Herr Holtmann, es sind Ferien, schönstes Sommerwetter – und wir bleiben zu Hause. Das neue Projekt von Drama Köln schlägt vor, sich im „Hotel Köln“ einzumieten.
Philine Velhagen: Wenn man in einer anderen Stadt zu Besuch ist, passieren einem eher ungewöhnliche Dinge. Man läuft mit anderen Augen durch die Gegend, ist neugieriger und offener. Das liegt daran, dass ich mit einer anderen Einstellung herangehe.
Nicht viel los in der Region: Der Sommer hinterlässt seine Spuren und zeigt sich gnädig mit all jenen, die es vorziehen, sich in heimischen Gefilden zum Grillhähnchen zu machen – außen braun und knusprig, innen zart und weiß. Schmeckt, wackelt und hat Luft. Oder so ähnlich. Könnte glatt von Helge Schneider stammen.
Der August ist fast theaterfrei, die meisten Kölner sind erstmal ausgeflogen. Doch bereits ab 28. August wartet das „Hotel Köln“ auf alle Heimkehrer, die ihre eigene Wohnung weiterhin meiden wollen: Das Kölner Ensemble DRAMA Köln eröffnete die einzelnen Dienstleistungsbereiche seiner Herberge – Friseursalon, Parkdeck oder Minibar – bereits im Mai mit kleinen Veranstaltungen.
Es ist der klassische Morgen nach einem One-Night-Stand im Vollrausch. Marion S. steht in Slip und BH in ihrer Küche und versucht sich zu erinnern. War da ein Mann? Oder doch nicht? Sie testet die Hände der umstehenden Kollegen – kein bekanntes Grabschgefühl. Aber woher kommt dann das Kondom? „Graz Alexanderplatz“ verweist schon im Titel auf sein Vorbild, doch Franz Biberkopf ist hier weiblich und die Metropole zur Provinz geworden.
Neun Männer in Bettlersäcken lassen sich auf überdimensionalen Eiern nieder und brüten was aus. „Wir proben den Aufstand. Dies ist eine Besetzungsprobe. Wir haben die Bühne besetzt“ skandieren sie in feiner Doppeldeutigkeit.
„Woran glaubst du?“ fragt das neueste Projekt der Theaterwerkstatt des Comedia Theaters und macht sich auf die Suche nach dem, was die Menschen im Belgischen Viertel antreibt.
Zweimal 20 Minuten ergeben – richtig – ziemlich genau 40 Minuten. So viel Zeit haben die Nachwuchskräfte im WirtzHaus des Atelier Theaters, um den Sommer mit Lichtblicken zu erhellen. „Gratis – und nicht umsonst“ heißt die Reihe, die die Hausherrin Rosa K. Wirtz vor 16 Jahren ins Leben rief – zur Freude der Zuschauer, die am Ende der Vorstellung die Höhe ihres freiwilligen Obolus selbst bestimmen.
Es gehört zu den Ironien des Lebens, dass der Pionier zuweilen von einem Schüler rechts überholt wird und selber als die Kopie des eigenen Originals wirkt. Dies ist die Hypothek, mit der Stefan Bachmann ab September die Nachfolge von Karin Beier als Intendant des Kölner Schauspiels antritt.
Das war’s dann also. Auf Karin Beiers Intendanz in Köln wartet die Theatergeschichte, die sie selbst noch schnell schreiben lässt, aber dazu später mehr. Den Schlussakkord setzte Sebastian Nübling mit der farcehaften Inszenierung eines Stücks von Maxim Gorki: „Die Letzten“, geschrieben 1907/8 im Exil auf Capri, nun gut 100 Jahre später im Interimsquartier Expo auf die Bühne gebracht.

„Wir denken an ein liebevolles Beschimpfen“
Das Cuma Kollektiv inszeniert „Bühnenbeschimpfung“ am Freien Werkstatt Theater – Premiere 02/26
Spuk mit Fragezeichen
„2:22“ am Kleinen Theater Bad Godesberg – Prolog 02/26
Der Tanz der Krähe
„Die Ecke“ in der Alten Wursterei – Auftritt 01/26
„Als säße man in einem flirrenden Zirkuszelt“
Regisseur Sergej Gößner über „Der fabelhafte Die“ am Comedia Theater – Premiere 01/26
Im Hamsterrad des Grauens
„Der Gott des Gemetzels“ am Theater Bonn – Prolog 01/26
Das Meer in dir
„Aqua@Cycles“ in der Alten Feuerwache – Theater am Rhein 01/26
Auszeit der Ewigkeit
„Pyrofems“ von Wehr51 im Studio Trafique – Auftritt 12/25
Praktisch plötzlich doof sein
Helge Schneider präsentiert seine neue Tour – Prolog 12/25
„Man spürt den Theatermenschen“
Dirigent Daniel Johannes Mayr über die Bonner Wiederentdeckung der Oper „Die Ameise“ – Premiere 12/25
Über zwei Ikonen
„Marlene Piaf“ am Theater der Keller – Theater am Rhein 12/25
Verlorene Jahre
„The Drop“ am Jungen Schauspiel in Düsseldorf – Prolog 11/25
So verwirrend wie das Leben
„Berlin Alexanderplatz“ am Schauspiel Köln – Prolog 11/25
Von der Aufgabe des Denkens
Audiowalk „Jeder stirbt für sich allein“ in Köln – Auftritt 11/25
„Ein armes Schwein, aber auch ein Täter“
Regisseur Hans Dreher und Schauspielerin Laura Thomas über „Laios“ am Theater im Bauturm – Premiere 11/25
Utopie auf dem Rückzug
Bertha von Suttners „Die Waffen nieder“ am Theater Bonn – Prolog 10/25
Gegen sich selbst antreten
„Fünf Minuten Stille“ am Kölner FWT – Theater am Rhein 10/25
Muttärr! Oder: Dschungelbuch in Ulm
„Man kann auch in die Höhe fallen“ am Theater Der Keller – Auftritt 10/25
„Wir führen keine Monster vor“
Regisseurin Nicole Nagel über „Aufruhr der Stille #MeTooInceste“ am Orangerie Theater – Premiere 10/25
Schreib dich frei!
„Botin“ in der Alten Versteigerungshalle auf dem Großmarkt – Theater am Rhein 09/25
Die Moralfrage im Warenhaus
„Aufstieg und Fall des Herrn René Benko“ am Schauspiel Köln – Prolog 09/25
„Was kann eine neue Männlichkeit sein?“
Nicola Schubert über ihr Stück „To #allmen“ an Groß St. Martin – Premiere 09/25
Wohin, David?
„Mein Onkel David“ in der Alten Feuerwache – Theater am Rhein 08/25
Glücklich ruinieren
Das Nö Theater mit „Monopoly“ im Kölner Kabarett Klüngelpütz – Auftritt 08/25
Wie der Hund mit Angst spielt
„Holmes & Watson“ beim NN Theater Freiluftfestival – Prolog 08/25
„Man darf nicht das falsche Leben leben“
Regisseur und Produzent Stefan Herrmann über „Ich, Samsa“ am Theater der Keller – Premiere 08/25