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Wutbildung

29. Oktober 2026

Intro – Belesene Gesellschaft

Bildung ist das Wichtigste! Das geht aus unzähligen politischen Reden hervor. Eine vergiftete Wahrheit? Schließlich ist im Föderalismus niemand so recht verantwortlich für „Deutschlands Bildung“. Indes schlagen die Schulstudien Iglu und Pisa Alarm, dass es nicht zuletzt mit den Lesefähigkeiten von Kindern und Jugendlichen bergab geht. Die Einsicht der Politik vorausgesetzt: Selbst die beste Bildungsreform käme zu spät für die, die heute unter der Misere leiden, und es ist zweifelhaft ob sie etwas daran ändern würde, dass hierzulande die Geldbörse der Eltern maßgeblich die schulischen Erfolge ihrer Kinder beeinflusst. Wie steht es überhaupt ums Lesen im „Land der Dichter und Denker“, wer hat Einfluss darauf, welche Bücher erfolgreich sind, und wie verändert künstliche Intelligenz den Buchmarkt? Unser Monatsthema Belesene Gesellschaft fragt nach Lesefähigkeiten, Lesevorlieben und dem Geschäft mit Büchern.

Unsere Leitartikel verfolgen, wie bei allem Wandel im Literaturgeschäft eines bleibt: die Lust am gedruckten Buch, fragen, was ein gutes Buch ausmacht und machen Vorschläge für Gesetze, die helfen können, Kinder und Jugendliche für Literatur zu begeistern.

In unseren Interviews zeigt sich dieSchriftstellerin Nina Weber zuversichtlich, dasskünstliche Intelligenz den schreibenden Menschen nicht ersetzen wird, dieLiteraturkritikerin Insa Wilke diskutiert, wie Literaturkritik mit Demokratie zusammenhängt und die Verlegerin Julia Bielenberg fordert ein einheitliches Bildungssystem für Deutschland, um die Missstände in der Schule zu überwinden.

In unseren Lokalbeiträgen erfahren wir, was der VereinLiteraturszene Kölntut, um der Stadt eine lebendige Literaturszene zu erhalten, wie das Festival Literaturdistrikt in Essen seit rund 20 Jahren migrantisch geprägte Literatur in den Mittelpunkt rückt undan der Universität Wuppertal, wie die Germanistin und Pädagogin Caroline Wittig die Leselust von Kindern fördert.

Für den 31. Oktober ruft die Initiative Gen-Z-regelt Jugendliche auf, bundesweit auf die Straße zu gehen. Ihre Forderungen: Armut bekämpfen, Wehrpflicht verhindern, staatliche Überwachung zurückfahren sowie Klimaschutz, Gesundheit und nicht zuletzt Bildung besser finanzieren. Politiker aus CDU/CSU und SPD warnen laut vor einer Unterwanderung der Proteste durch „Extremisten“ und verweisen auf die Gewalt, die auf die Schüler- und Studentenproteste in Frankreich gefolgt ist. Sie könnten stattdessen vor allem das Gespräch mit den Jugendlichen suchen, ihre Forderungen diskutieren oder auch das Engagement der Jugend begrüßen – was zwar herablassend wirken kann, das Politiker aber nur zu gerne loben, wenn es sie nichts kostet. Müssten sie nicht genau das tun, um einem Missbrauch der Aktion entgegenzuwirken: zuhören und glaubhaft Verbesserungen auf den Weg bringen?Das Problem sind nicht die Jugendlichen. Deren Wut ist nur zu berechtigt.

Dino Kosjak/Chefredaktion

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