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Perfektes Versagen

29. Januar 2026

Intro – Systemstörung

Das mit dem Klimawandel habe ich nie verstanden – also, dass die Einsicht in das menschengemachte Desaster ausschlaggebend dafür sein soll, dass wir unsere Lebensweise ändern. Man stelle sich einmal vor, unsere Emissionen hätten keinen Einfluss aufs Klima, aber sonst änderte sich nichts: Auch dann würden ja zunehmend Lebensräume zerstört und vermüllt, Arten ausgerottet, Urwälder abgeholzt, Meere überfischt, Flächen versiegelt, Böden, Gewässer, Atmosphäre und Nahrungsketten mit Schadstoffen und Mikroplastik vergiftet. Die dominierende Wirtschaftsweise vernichtet unseren Lebensraum so oder so – seit Generationen. Dazu kommt also der Klimawandel. Es ist die perfekte Katastrophe! Rhetorisch und institutionell haben sich die Staaten auf den Klimawandel als ökologische Crux geeinigt. Sie haben aber nicht wirklich etwas dagegen getan oder Gesellschaften wenigstens auf die Folgen vorbereitet. Doch beim niederschmetternden Befund darf es nicht bleiben. So geht unser Monatsthema Systemstörung dem Versagen nach, aber auch mancher Chance.

Unsere Leitartikel verfolgen, wie Vertreter der Industrielobby mittlerweile in der Bundesregierung angekommen sind, plädieren dafür, dass die Wähler, denen Klimaschutz ein Anliegen ist, entschlossen gegenüber der Politik auftreten und empören sich über eine Politik, die Klimaaktivismus kriminalisiert. 

In unseren Interviews verrät derPolitologe Dieter Plehwe, worum es der Anti-Klimaschutz-Bewegung über die Verhinderung von Klimaschutz hinaus eigentlich geht, derMeteorologe Karsten Schwanke schöpft Hoffnung daraus, dass ein Großteil der Bevölkerung für Klimaschutz ist und Lisa Kadel von der Umweltrechtsorganisation Green Legal Impact erklärt, warum unbequemer Klimaaktivismus zu einer demokratischen Gesellschaft gehört.

In unseren Lokalbeiträgen erfahren wir, wie die Initiative Klimawende Köln beim städtischen Klimaschutz Druck macht, wie das Bochumer Bündnis BoKlima politisches Engagement mit Verbraucherhilfe verbindet und wie die Wuppertaler Ortsgruppe von Extinction Rebellion beim Klimaaktivismus umdenkt.

Das Kräfteverhältnis zwischen Naturzerstörung und Naturschutz fasst ein neuer UN-Bericht zusammen: Es steht 30 zu 1 – dreißig Dollar, die für Naturzerstörung ausgegeben werden, stehen einem Dollar für Naturschutz gegenüber. Wen überrascht das? Immerhin, der Wahnsinn ist nun beziffert. Eine ebenfalls nun veröffentlichte Umfrage der Organisation More in Common ergibt, dass die Menschen in Deutschland zwar mehrheitlich von der Politik mehr Klimaschutz fordern, die Belastung durch steigende Lebenshaltungskosten und Zukunftssorgen sie aber mehr umtreibt. Eine Politik, die die Mehrheit befähigen wollte, für Klimaschutz einzutreten, müsste also die drängenden Alltagssorgen lösen. Die jetzige Regierung scheint davon weit, weit entfernt. Aber auch das könnte eine Mehrheit der Wähler ändern.

Dino Kosjak/Chefredaktion

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