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Nicht die Überbringer der schlechten Nachricht sind das Problem
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Die Hoffnung schwindet

29. Januar 2026

Teil 3: Leitartikel – Die Politik bekämpft nicht den Klimawandel, sondern Klimaschützer:innen

Der Klimawandel ist Realität – messbar, zerstörerisch, teuer. In den letzten fünf Jahren verursachten Unwetterkatastrophen infolge des Klimawandels allein in Deutschland Schäden von über 12 Milliarden Euro; zwischen 1980 und 2024 waren es insgesamt rund 180 Milliarden Euro, so ein Bericht der Rückversicherung München Re. Der Klimawandel zeigt sich jedoch nicht nur dramatisch in Überschwemmungen oder Waldbränden, sondern auch schleichend: 2024 schätzte die Welternährungsorganisation FAO, dass bereits rund 10 Prozent der globalen Landflächen von Versalzung betroffen sind – mit der Gefahr, dass es infolge der Klimakrise 32 Prozent werden. Zudem warnten Wissenschaftler im April 2025, dass steigende Temperaturen die Ausbreitung von Schädlingen fördern und damit massive Ernteverluste bei Weizen, Reis und Mais drohen: Bei einer Erderwärmung von zwei Grad könnten sie um bis zu 46 Prozent zunehmen.

Viel Profit, viel Klimawandel

Trotz dieser konkreten Bedrohungen bleiben Regierungen untätig. Auch auf der COP in Belém setzte sich erneut wirtschaftliches Eigeninteresse gegen globale Verantwortung durch. Deshalb protestieren zivilgesellschaftliche Gruppen, sie organisieren Sitzblockaden, ketten sich an und kleben sich fest. Das ist illegal. Doch sind sie deshalb Kriminelle? Oder nicht vielmehr Menschen, die aus Sorge um das Gemeinwohl handeln, während andere in großem Stil Steuern hinterziehen oder ihre Gewinne maximieren?

Elitäre Fantasien

Superreiche wiegen sich in der Illusion, ihr Vermögen werde sie vor den Folgen der Klimakatastrophe bewahren. Vielleicht funktioniert das eine Zeit lang. Für den Großteil der Menschheit gilt das nicht. Millionen leiden schon heute unter Hitze, Dürren, Hunger und Überschwemmungen. Dennoch verharren viele Gesellschaften in trügerischer Normalität – wie der sprichwörtliche Frosch im langsam erhitzten Wasser. Wissenschaft und Aktivist:innen reißen uns aus dieser Lethargie. Dafür werden sie kriminalisiert.

Steuerhinterziehung vs Sitzdemo 

In Münster wurden im November 2025 Aktivist:innen der Letzten Generation zu Geldstrafen verurteilt, nachdem sie sich im Januar 2024 auf eine Straße gesetzt und teils festgeklebt hatten. Ein 15-minütiger Stau war die Folge. Weit gravierender waren die juristischen Konsequenzen einer Aktion am Hamburger Flughafen im Juli 2023: Zehn Aktivist:innen wurden dafür im November 2025 zu über 400.000 Euro Schadensersatz verurteilt, weil sie „zielgerichtet und rechtswidrig“ in den Betrieb der Luftfahrtunternehmen eingegriffen hätten, so die Richter. In Berlin erhielt 2024 ein Klimaaktivist wegen Teilnahme an einer Sitzblockade fast zwei Jahre Haft ohne Bewährung. Zum Vergleich: Uli Hoeneß wurde wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu 3,5 Jahren verurteilt und nach rund 21 Monaten entlassen.

Illegale Industrie

Wann werden Gerichte feststellen, dass auch bestimmte Industriesektoren „zielgerichtet und rechtswidrig“ in das Menschenrecht auf Unversehrtheit eingreifen? Und dass Staaten stärker zum Klimaschutz verpflichtet sind? Schweizer Klimaseniorinnen gewannen im April 2024 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Klage gegen ihre Regierung. Menschenrechte werden verletzt, wenn Staaten zu wenig im Kampf gegen den Klimawandel tun, urteilte das Gericht. Doch was bewirken solche Urteile, wenn Regierungen sie ignorieren?

Wer bleibt übrig?

„Ich würde mich heute nicht mehr aus Protest auf die Straße setzen. Ich habe die Hoffnung verloren, das Klima retten zu können“, sagte eine der in Münster Verurteilten. Wenn selbst die Letzte Generation aufgibt – wer kämpft dann noch für unsere gemeinsame Zukunft?

Tina Adomako

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