
Umgangsformen ändern sich. Drei Beispiele: In der Öffentlichkeit scheinen Blickkontakte zwischen fremden Menschen und Gesten gegenseitiger Rücksicht seltener zu werden. Der Tonfall sogar im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist heute deutlich vom lockeren Sprech beeinflusst, der in sozialen Medien vorherrscht. In der Arbeitswelt breitet sich Hierarchien übergreifend das „Du“ aus. – Einerseits hat es sicher etwas für sich, wenn Höflichkeitsplatituden nicht überbewertet werden, neue und zugängliche Stimmen an öffentlichen Debatten teilnehmen oder auf der Arbeit keine altbackenen Formalismen erwartet werden. Andererseits trägt umsichtiges Verhalten maßgeblich dazu bei, dass sich Menschen in der Öffentlichkeit wohl fühlen, spricht das in Podcasts verbreitete „Reden wie einem der Schnabel gewachsen ist“ noch keineswegs für Sachkenntnis und Urteilskraft und sorgt Duzen weder für bessere Arbeitsbedingungen noch für fairen Lohn. Solche teils schleichenden, teils überdeutlichen Veränderungen im Umgang werfen die Frage auf, wie es um Aufmerksamkeit – gar um Respekt – bestellt ist, gegenüber Publikum, Mitmenschen oder Arbeitskollegen. Dem geht unser Monatsthema Guter Umgang nach.
Unsere Leitartikel zeigen, warum eine freie Gesellschaft verbindliche Regeln braucht, was verloren geht, wenn Informationen und Diskussionen strikt auf Unterhaltsamkeit getrimmt werden und warum man sich von einer Duz-Kultur auf der Arbeit nicht täuschen lassen sollte.
In unseren Interviews diskutiert die Kommunikationspsychologin Christine Flaßbeck, wie man mit Unsicherheiten umgehen kann, die der Wandel in Sprache und Umgang mit sich bringt, die Medienwissenschaftlerin Paula Nitschke, wie politische Social-Media-Kanäle die Diskussionskultur verändern und die Arbeitspsychologin Lara Luisa Eder, was ein persönlicherer Umgang auf der Arbeit bewirken kann.
In unseren Lokalbeiträgen erfahren wir bei den Kölner Verkehrs-Betrieben, was eine Kampagne zum rücksichtsvolleren Umgang im ÖPNV bewirkt, bei der Kommunikationsagentur Kugelfisch in Essen, welche Rolle Wahrheit in der Werbung spielt und am Fachgebiet Arbeitswissenschaft der Wuppertaler Universität, wie gute Kommunikation zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten zu einem gelingenden Ruhestand beitragen kann.
Ums Authentische ist ein Kult entstanden, der es mit Wahrheit gleichsetzt: Sich so zu geben, „wie man eigentlich ist“, gilt als Ausweis höchster Glaubwürdigkeit. Sehr oft bedeutet es aber lediglich, seine gegenwärtige Stimmung ungeniert in die Runde zu geben – diverse Politiker lassen grüßen. Affektkontrolle, also Wille und Fähigkeit, mit den eigenen Gefühlen bewusst und den äußeren Umständen entsprechend umzugehen, schwindet hingegen. Richtig, im Privaten wie in der Öffentlichkeit braucht es Wahrhaftigkeit. Sie darf aber kein Schein-Alibi sein für Egoismus, Inkompetenz oder bloß scheinbare Gleichberechtigung.
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Teil 1: Leitartikel – Eine Gesellschaft kann nur frei sein, wenn sich ihre Mitglieder an Regeln halten
„Heute sind die Menschen eher bei sich“
Teil 1: Interview – Kommunikationspsychologin Christine Flaßbeck über Sprache im Wandel
Entspannt unterwegs
Teil 1: Lokale Initiativen – Köln: KVB-Kampagne für mehr Freundlichkeit
Dubidu
Teil 2: Leitartikel – Reiz und Risiken niederschwelliger Verständigung
„Ein Stammtisch hat nicht nur negative Seiten“
Teil 2: Interview – Medienwissenschaftlerin Paula Nitschke über politische Influencer:innen
Gut erzählte Wahrheit
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Agentur Kugelfisch Kommunikation in Essen
Alles Lüge!
Teil 3: Leitartikel – Duz-Kultur und falsches Wir-Gefühl verschleiern Interessenkonflikte auf der Arbeit
„Das Gefühl, dass hier Nähe entsteht“
Teil 3: Interview – Psychologin Lara Luisa Eder über persönlichen Umgang auf der Arbeit
Nicht sprachlos in den Ruhestand
Teil 3: Lokale Initiativen – Das Fachgebiet Arbeitswissenschaft an der Uni Wuppertal
Öffentlichkeit muss man lernen
Medienbildung als demokratische Aufgabe – Europa-Vorbild Frankreich
Kant war lowkey deep
Career Offboarding Experience: Abschied von der Komplexität – Glosse
Lohn der Angst
Intro – Nach der Arbeit
Fehlbilanz
Intro – Mündig
Erschütternd normal
Intro – Gegenwehr
Perfektes Versagen
Intro – Systemstörung
Vorwärts 2026
Intro – Kopf oder Bauch?
Kli Kla Klacks
Intro – Genug für alle
Konflikt-Kanzler
Intro – Friedenswissen
Kulturschock
Intro – Kunst & Kultur
Branchenprobleme
Intro – Gut informiert
Ich, Menschenfeind
Intro – Rechtsabbieger
Kampf um Kalorien
Intro – Den Bach runter
Hört das Signal
Intro – Gesund und munter
Einig im Treten
Intro – Arbeitskämpfe
Zum Wohl!
Intro – Rausch im Glück