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Good Luck, Have Fun, Don’t Die

Good Luck, Have Fun, Don’t Die
USA, Deutschland 2025, Laufzeit: 135 Min., FSK 16
Regie: Gore Verbinski
Darsteller: Sam Rockwell, Haley Lu Richardson, Michael Peña

Irre SciFi-Satire

Perfect World
„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“
von Gore Verbinski

Ein Kauz (großartig: Sam Rockwell) in Regenmantel aus der Terry Gilliam-Garderobe stolpert in ein Diner, verkündet das Ende der Welt, macht Social Media und die User allesamt dafür verantwortlich und sucht jetzt Rekruten, um der alles endgültig vernichtenden Intelligenz from Space entgegenzutreten. Ein Mann hebt die Hand, der Kauz ruft: „Nein! Du nicht!“, denn er war schon 116 mal hier und kennt alle und jeden. Die „Murmeltier“-Zeitschleife hat bisher nur noch nicht zum Erfolg geführt, sprich: Aus den Duzenden an Gästen wurde bisher noch nicht das Winner-Team rekrutiert. Also Versuch Nummer 117. Und wenn es wieder schief geht, zündet der Kauz zum 117. Mal die Bombe unter seinem Regenmantel.

Regisseur Gore Verbinski hat dereinst die ersten drei Teile von „Fluch der Karibik“ gezündet, verantwortet aber auch Gurken wie „Lone Ranger“ oder „A Cure For Wellness“. Letzterer hatte Highlights, blieb aber insgesamt halbgar – und ähnlich ergeht es nun dieser SciFi-Satire. Schon das Gerüst ist abenteuerlich: Nachdem der Besucher seine Truppe um sich versammelt hat, pickt sich der Film in seiner ersten Hälfte einzelne Rekruten heraus und reist episodisch durch deren jüngste Vergangenheit. Just hier unterhält „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ am meisten: Wir folgen einem Aushilfslehrer (Michael Peña) durch den Unterricht, bei dem die Schüler:innen angenehm ruhig und aufmerksam sind – allerdings nur, weil ihre Aufmerksamkeit dem Handy vor der Nase gilt. Susan (Juno Temple) verliert bei einem Amoklauf ihren Sohn und erliegt dem Angebot, ihn als variabel modifizierbaren Klon zurückzugewinnen. Und Party-Prinzessin Ingrid (Haley Lu Richardson) verliebt sich in Tim, der sich von einer VR-Brille ins perfekte Jenseits zu entführen gedenkt. Tatsächlich fühlt sich die erste Stunde an wie ein Kurzfilmabend mit Schwerpunkt Social Media & KI, und das hat es tatsächlich in sich: Verbinski tobt sich mit seinem Drehbuchautor Matthew Robinson unter Dauerfeuer dermaßen pointiert und zynisch aus, dass es eine Freude ist. Konzeptionell hat das die britische Serie „Black Mirror“ bereits durchexerziert, aber das tut dem Spaß hier keinen Abbruch, im Gegenteil, es bleibt erfrischend.

Soweit zur ersten Hälfte. Danach liegt der Fokus in der Gegenwart und damit auf der Flucht vor Polizei und Killern bzw. auf der Jagd nach dem Verantwortlichen der KI-Apokalypse. Hier nun lässt Verbinski die Hochglanzwelt der Rückblenden hinter sich – die Reise führt vornehmlich durch Nacht und Schatten, wo die Rekruten von skurrilen Jägern, vor allem aber von einer Horde Schülerinnen bis aufs Blut verfolgt werden. Eine Art „Dawn of the Dead“ 2.0, Romeros hirntote Konsum-Monster haben bei Verbinski eigentlich bloß zusätzlich das Smartphone in der Hand (auch "Wall-E" lässt grüßen). Entsprechend purzeln die Helden schließlich ins digitale, zunehmend unüberschaubare Finale, das ein rundes Ende meidet, vielmehr eine Fortsetzung optioniert, dabei aber nicht wirklich fortsetzungstauglich ist. Was bleibt: Eine gelungene „Murmeltier“-Variante, die sich auf eine einzige Zeitschleife konzentriert. Ein in Teilen herausragendes Schelmenstück mit abfallendem Spannungsbogen. Ein atemloses SciFi-Abenteuer, das nicht konsequent mitreißt. Aber das muss man auch erst mal schaffen.

(Hartmut Ernst)

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