Sonntag, 8. März: Mit sichtlich guter Laune strömten am Sonntagnachmittag etliche Cast- und Crewmitglieder der schweizerisch-deutschen Koproduktion „Mein Freund Barry“ im Kölner Cinedom über den Roten Teppich. Einige von ihnen hatten zwar noch Jetlag, da sie am Tag davor noch auf dem Filmfestival von Montreal zu Gast waren. Aber genau dort konnten sie am Samstag für den charmanten Familienfilm den Publikumspreis gewinnen – allerdings nicht mehr persönlich in Empfang nehmen, weil sie schon im Flugzeug nach Deutschland saßen. Dort wurden die fünf jugendlichen Hauptdarsteller des Films und der Titel gebende Hund Barry, tatsächlich dargestellt von der Hündin Nila, vom Publikum begeistert in Empfang genommen. Markus Welter, der Regisseur des Films, verriet Choices vor der Filmvorführung, dass „Mein Freund Barry“ eine Ausnahme in seiner bisherigen Filmografie darstellt, die bislang u.a. Horrorfilme und „Tatort“-Beiträge aufwies: „Meine Töchter waren elf und dreizehn Jahre, als ich das Buch erhielt, und ich fand es damals cool, dass sie auch einmal einen Film mit mir bei einer solchen Premiere wie heute erleben können, was bei einem weiteren Horrorfilm nicht der Fall gewesen wäre.“ Leider dauerte es dann aber geschlagene acht Jahre, bis die Finanzierung des Films stand, und zwei weitere für die Realisierung, weswegen Welters jüngere Tochter Émilie nun am Film sogar als Praktikantin der Regie-Assistenz beteiligt war. Mit Nonchalance hat sich der Filmemacher hier über die Drei-Finger-Regel hinweggesetzt und jahrzehntealte Branchen-No-Gos in den Wind geschlagen, da er sowohl mit Kindern als auch mit Tieren drehte, und noch dazu in einer Schneelandschaft auf rund 2500 Metern Höhe.

Herausforderungen im Tiefschnee
Weniger Kopfzerbrechen bereitete Welter, dass er sein Publikum in die Zeit um das Jahr 1800 herum entführen musste. „Gottseidank gibt es heute Computer, die man nutzen kann. Wir haben über 350 Events an Effekten im Film, teils sehr große, teils eher kleine, wie das Herausradieren einer Flugzeugspur am Himmel“, ergänzte der Regisseur. Für die menschlichen Hauptrollen hat der Wahl-Schweizer, der in Bonn geboren wurde, auf eine ganze Reihe Newcomer zurückgegriffen. Sowohl Paco von Wyss, der Georg spielt, als auch seine Filmfreundin Resi, dargestellt von Alma Büchenbacher, haben hier das erste Mal vor einer Kamera gestanden. Alma hatte zuvor bei einigen Schultheateraufführungen mitgewirkt, Paco hingegen konnte 2024 bereits professionelle Erfahrungen im Musical „Mary Poppins“ bei den Thunerseespielen sammeln. Im Interview verriet uns Alma, dass sie mit vielen Tieren aufgewachsen ist und es auch eine Voraussetzung für die Rolle gewesen sei, gut mit Hunden auszukommen. Paco fügte hinzu: „Ich habe leider keinen Hund zu Hause, obwohl ich gerne einen hätte. Aber ich habe zu wenig Zeit, um mich um ihn zu kümmern. Aber Hunde sind meine Lieblingstiere, deswegen haben mir die Dreharbeiten sehr gefallen.“ Auch das Eintauchen in eine längst vergangene Zeit fiel den beiden jungen Filmstars nicht schwer. Nachdem sie in ihre historischen Kostüme geschlüpft waren und sich in den detailreich gestalteten Sets bewegten, konnten sie sich problemlos vorstellen, wie es gewesen sein musste, zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu leben. Eine der größten Herausforderungen bestand für den heute 15jährigen Paco von Wyss darin, mit den Schneeschuhen im Tiefschnee zu laufen, weil diese nicht immer geholfen hätten und auch immer mal wieder abgefallen seien. Trotzdem hätten ihm auch die Szenen in der Natur Freude bereitet.

Ähnlichkeiten zu den Filmfiguren
„Die Szenen im Schnee waren für das ganze Team sicherlich die größte Herausforderung“, kommentierte auch Hundetrainerin Alexandra Lovisi im Choices-Interview. „Nach diesen drei Wochen waren wir körperlich alle wirklich fertig“, so die Schweizerin, die alle möglichen Tiere für das Spiel im Film vorbereitet. Unter den verschiedenen Hunderassen gäbe es zudem einige, die sich deutlich leichter trainieren ließen als Bernhardiner. Dieser Schwierigkeit musste sich Lovisi darüber hinaus stellen, da Barry als typischer Lawinenhund natürlich ein Bernhardiner sein musste. Nach der umjubelten Deutschlandpremiere entlockte Moderator Dominik Porschen auf der Bühne des Cinedoms dem deutschen Koproduzenten Bastie Griese noch einige gut gehütete Geheimnisse. Denn obwohl der Film komplett in den Schweizer Alpen spielt, wurden größere Teile von „Mein Freund Barry“ unter Beteiligung der Film- und Medienstiftung NRW auch in Köln gedreht. „Die Eishöhle mit der Rutschbahn, die Bibliothek, die Küche, die Abstellkammer und kleine Teile des Hundestalls haben wir in den MMC-Studios gedreht“, verriet Griese. Auf der Bühne kam danach u.a. auch noch Mael Gallati zu Wort, der in der Rolle des Célestin den großen Antagonisten von Georg spielt, der den Jungen und seinen Hund auseinanderzubringen versucht. Er hoffte, dass er privat keine allzu großen Ähnlichkeiten mit seiner Filmfigur habe. Für Gallati ist die Grundaussage des Films: „Man kann überall Freunde finden und es überall gut haben.“ Auch Alma Büchenbacher sieht zwischen sich und Resi keine allzu großen Parallelen, außer der Tatsache, dass auch sie Hunde mag. Paco von Wyss antwortete auf dieselbe Frage: „Meine Mutter würde sagen, dass ich Georg sehr ähnlich bin. Ich selber kann das nicht beurteilen.“ Ein eigenes Urteil von „Mein Freund Barry“ kann man sich ab dem 19. März machen, wenn Markus Welters Familienfilm-Debüt bundesweit in den Kinos anlaufen wird.

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