Am 15. März werden zum 98. Mal die Oscars in Hollywood verliehen, die Auszeichnung für die angeblich besten Filme des vergangenen Jahres. Ein Film hat jetzt bereits Oscar-Geschichte geschrieben: Ryan Cooglers Vampir-Thriller „Blood & Sinners“ mit 16 Nominierungen! Noch nie in der Geschichte der Preisverleihung wurde ein Film in so vielen Kategorien nominiert. Mit „Titanic“ (1997) hat selbst der bisher größte Trophäenabräumer (11 Oscars) zwei Nominierungen weniger erhalten. Ob „Blood & Sinners“ deshalb wirklich der beste Film der vergangenen Kinosaison ist, sollten die Kinogänger entscheiden – selbst wenn der Film ein Dutzend Oscars gewinnt.
Wie es sich mit den ganzen Superlativen hält, hat mein Kollege Helmut Ernst ja im letzten Vorspann beschrieben. So stört es mich auch wenig, wenn meine Favoriten eher selten für Oscars nominiert werden. Wobei das in diesem Jahr anders werden könnte, denn Joachim Triers wunderbarer Familienfilm „Sentimental Value“ geht mit 9 Nominierungen ins Rennen. Erstaunlicherweise gehen einige Hollywood-Größen in diesem Jahr komplett leer aus. George Clooney („Jay Kelly“), Julia Roberts („After the Hunt“), Laura Dern („Is This Thing On?“, Kinostart am 19. März), Colin Farrell und Tilda Swinton („The Ballad of a Small Player“) und die Filme mit ihnen aus dem letzten Jahr wurden in keiner einzigen der 24 „Beste/r …“-Kategorien nominiert. Na und? „Superlative sind doch eh total überschätzt“, wie Kollege Ernst sagt.
Blicken wir lieber in die Zukunft: Während in den vergangenen Monaten oft ernste und nachdenkliche Themen im Kino überwogen, scheint es nun wieder heiterer und mit größerer Genrevielfalt zuzugehen. Alles ist dabei – Action-Abenteuer, Animationen, Dramen, Dokus, Komödien, Romanzen, Horror, Krimis, Fantasy, Science-Fiction. Gespannt bin ich auf Filme zu KI, die uns heute zunehmend beschäftigt. (Hat Tina Adomako diesen Text geschrieben oder war das ChatGPT?) In Science-Fiction-Filmen hat künstliche Intelligenz schon eine Rolle gespielt, als das Konzept tatsächlich noch ferne Fiction war, wie etwa 1965 in Jean-Luc Godards „Alphaville“ und drei Jahre später in Stanley Kubricks „2001: A Space Odyssey“. Heute gibt es natürlich viel mehr Filme, die das Thema aufgreifen. Zum Beispiel die Doku „The AI Doc: Or How I Became An Apocaloptimist“ von Daniel Roher und Charlie Tyrell, den Machern von „Everything Everywhere All at Once“ – nebenbei bemerkt 2023 mit dem Oscar für den besten Film und sechs weiteren Oscars ausgezeichnet. Ihr neuer Film befasst sich mit den Vor- und Nachteilen der KI. Auch Luca Guadinos Biopic „Artificial“ über den CEO von OpenAI, Sam Altman, wird mit Spannung erwartet.
Wenn das Thema auch Sie interessiert, habe ich in diesem Monat eine Empfehlung: Gore Verbinskis Science-Fiction-Action-Komödie „Good Luck, Have Fun, Don‘t Die“, die am 12. März ins Kino kommt. Darin geht es um einen seltsamen Mann (Sam Rockwell), der aus der Zukunft zu kommen scheint. Er will die Welt davor warnen, was uns mit KI alles noch blüht. Hoffen wir, dass die Menschheit die Kontrolle darüber nicht verliert.
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