
Die Odyssee
USA 2026, Laufzeit: 172 Min., FSK 12
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway
>> www.upig.de/micro/die-odyssee
Famoses Leinwandspektakel
Irrfahrt
„Die Odyssee“ von Christopher Nolan
Christopher Nolan, visionärer Erzähler vor dem Herrn, adaptiert Homers Odyssee, eine der ältesten und bedeutendsten abendländischen Dichtungen. Nolans Irrfahrt des Odysseus fällt erwartungsgemäß wuchtig aus, betörend, fundamental: Visuell (Kamera: Hoyte Van Hoytema, „Spectre“, „Tenet“, „Nope“) und auditiv (Score: Ludwig Göransson, „Oppenheimer“, „Blood & Sinners“) schlichtweg überwältigend, dirigiert der Regisseur sein brillantes Cast durch Homers Gesänge, die jener schon vor knapp 3.000 Jahren geschickt verschachtelt dichtete.
Und natürlich erzählt der Brite kein unterhaltsames Abenteuer wie etwa seinerzeit Mario Camerini mit Kirk Douglas. Nolan adaptiert erhaben und erwachsen. Sein Abenteuer ist getragen von anregender Ernsthaftigkeit – und nichts für Kinder.
In Zeiten, zu denen Demokratien zunehmend barbarisch walten, gewinnt das antike Epos an zusätzlicher Brisanz, wenn Drehbuchautor Nolan es philosophisch und psychologisch unterfüttert, durchaus auch mal augenzwinkernd, wenn er zum Beispiel den Umgang mit Königen kommentiert.
Vor allem aber schenkt Nolan dem Protagonisten Figurentiefe: Die episch aufgeschobene Rückkehr des Helden zu seiner Penelope, das tragische Verlaufen, die Orientierungslosigkeit, die Furcht und die Flucht – sprich: die Irrfahrt, sie findet sich in dieser Adaption endlich greifbar motiviert. Famos.

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