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Foto: Ibrahim Snoopy

„Als Filmemacher habe ich alles verloren“

18. Juli 2026

Ibrahim Snoopy über die Lage und das Filmemachen im Sudan – Portrait 07/26

Zuletzt sorgte der Filmemacher Ibrahim Snoopy als Co-Regisseur von „Khartoum“ (2025) für Aufsehen – das vierteilige Drama entstand mitten im Krieg und war der erste sudanesische Film, der sowohl beim Sundance Film Festival als auch bei der Berlinale Premiere feierte. In diesem Jahr übernimmt Ibrahim Snoopy die Schirmherrschaft für das 23. Afrika Film Festival Köln, das vom 17. bis 27. September 2026 stattfindet.

Wie schätzt du die aktuelle Lage im Sudan ein?

Der Sudan ist in vielen Regionen nach wie vor mit Hungersnöten konfrontiert – insbesondere in den von der RSF kontrollierten Gebieten in Kurdufan und Darfur. Dort werden die Menschen gezielt ausgehungert; zudem kommt es zu Massenvergewaltigungen, Folter und ethnischen Säuberungen an der einheimischen Bevölkerung. Khartum ist einigermaßen sicher, doch auch in der Umgebung der Hauptstadt kommt es weiterhin zu Drohnenangriffen.
Nach der Befreiung Khartums kehren viele Menschen aus den Nachbarländern zurück – sei es aus Heimweh, aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage in ihren Zufluchtsorten oder um nach dem Rechten in ihren Häusern zu sehen. Die Armee rückt in einigen Gebieten vor, verliert aber an anderen Fronten an Boden. Aktuell stehen die Stadt Al-Ubayyid (die Hauptstadt von Nord-Kurdufan) und ihre Bewohner unter schwerem Beschuss und Belagerung. Die Menschen dort leiden genauso sehr, wie es vor einigen Monaten in El Fasher (Nord-Darfur) der Fall war.

Dein Film „Khartoum“ zeigt zunächst den Alltag auf der Straße, bevor plötzlich Hubschrauber am Himmel auftauchen – und statt Sand liegt Blut auf dem Asphalt. Wie sehr hat dich der Ausbruch des Krieges als Filmemacher getroffen?

Als Filmemacher habe ich alles verloren: Ich hatte über zehn Jahre damit verbracht, mein berufliches Umfeld aufzubauen und mir in der Filmbranche einen hervorragenden Ruf erworben – auch jenseits des eigentlichen Filmemachens –, und ich hatte mir Stück für Stück meine Ausrüstung angeschafft. Ich hatte ein Büro und großartige Kollegen, die für mich wie Familie sind. Wir hatten die Produktionsfirma „In Deep Visions“ gegründet und lebten seit mehr als fünf Jahren zusammen. All das ging verloren – jeder Fortschritt, den wir erzielt hatten. Ob Ausrüstung oder unser fantastischer Bürostandort: Die RSF hat uns alles geraubt. Nach einigen Kriegsmonaten musste ich nach Kenia fliehen und mein Leben von Grund auf neu beginnen. Alles, was mir geblieben ist, sind mein Wissen und meine Leidenschaft für das Filmemachen – und das kann mir niemand nehmen.

Viele Menschen sind aus der Hauptstadt Khartum geflohen. Wer ist geblieben, und wie geht das Leben dort weiter?

Ich glaube, die Menschen, die in Khartum geblieben sind, konnten es sich schlicht nicht leisten, aus dem Kriegsgebiet zu fliehen, oder sie hatten einfach keinen Ort, an den sie gehen konnten. Also haben sie sich ihrem Schicksal ergeben. Einige von ihnen hatten das Glück, von den RSF nicht allzu sehr belästigt zu werden, doch andere – insbesondere Frauen – haben durch sie die Hölle erlebt.

Gibt es eine bestimmte Art von Kino oder eine filmische Strömung, die dich beeinflusst?

Ich lasse mich von unserem eigenen Kino inspirieren. In den letzten Jahren hat sich das sudanesische Kino als das Einzige behauptet, das den Krieg und die Unterdrückung durch das frühere Regime überstanden hat. Ganz gleich, wie sehr man versuchte, uns zu kontrollieren – wir haben uns dem widersetzt und unsere Geschichten dennoch erzählt. In jüngster Zeit feierten sudanesische Filme auf Festivals der A-Kategorie Premiere und stärkten so unsere Branche, und das ganz ohne staatliche Unterstützung. Filme wie „Khartoum“, „Goodbye Julia“ oder „Cotton Queen“ wurden auf renommierten Festivals gezeigt – das ist wahrlich inspirierend.

Im Sudan leben viele junge Menschen. Welchen Einfluss hat das auf das Filmschaffen?

Trotz internationaler Anerkennung blieb eine Wirkung vor Ort bislang aus. Filmemacher im Sudan sehen sich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert – sei es im Umgang mit den Behörden oder mit der lokalen Bevölkerung –, da das frühere Regime den Eindruck erweckt hatte, der Zweck der Kamera bestünde darin, Menschen bloßzustellen, anstatt ihre Geschichten zu erzählen. Junge Menschen arbeiten im Stillen daran, Räume für das Kino zu schaffen, und wir Filmemacher aus der Diaspora unterstützen sie dabei mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln.

Das Kino – früher mehr noch als heute – beschäftigt sich mit Utopien und „Happy Ends“. Wie sieht deine Utopie für den Sudan aus?

Meine Utopie wäre ein friedlicher Sudan – mit all dem, was Frieden mit sich bringt.
Eine gute Wirtschaftslage sowie weniger Konflikte und Putsche. Die Menschen haben in den letzten 50 Jahren gelitten, und ich wünsche mir nichts sehnlicher als einen Sudan, in dem alle ihren Platz finden, ohne dass gemordet oder gekämpft werden muss.

Interview: Rüdiger Schmidt-Sodingen

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