Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27

12.677 Beiträge zu
3.888 Filmen im Forum

Hommage an die Schwesternschaft: „Lady“ von Olive Nwosu
Foto: Presse

Wunden und Heilung

29. August 2026

Das 23. Afrika Film Festival Köln – Festival 09/26

Heilung in vielerlei Facetten bildet den Überbau des diesjährigen Programms, wenn das Afrika Film Festival Köln zum 23. Mal die filmische Vielfalt des Kontinents vor uns ausbreitet. Heilung als komplexer Akt im Umfeld von Verlust, Vertreibung und Verdrängung – gebannt in Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilm. Reflektiert in Panel-Talks und Workshops, in Ausstellungen und in einem Kinder- und Jugendprogramm für junge Perspektiven. Zu den Highlights zählen die Festivaleröffnung mit internationalen Gästen und Livemusik, das Panel „New Voices, New Forms – The African Documentary Today“ und die Kurzfilm-Reihe „Queer Voices“. choicesstiftet traditionell den Publikumspreis in Höhe von 1000 Euro. 

Im Mittelpunkt des Festivals steht natürlich das Filmprogramm, das Raum schafft für neue Perspektiven, Reflexion, Begegnungen und Austausch. Emanzipation, Protest und Widerstand sind hier verbindende Themen, die zur Heilung führen können – aber nicht müssen. Der MarokkanerAhmed Bouanani siedelt mit seinerfilmischen Fabel „Mirage“ den Widerstand zwischen laut und leise an, „zwischen Schweigen und Schrei“. „Lady“ erzählt von der Kraft der Schwesternschaft, die Doku „The Lady Who Poked The Leopard“ portraitiert die ugandische FeministinStella Nyanzi. „The People Shall“ spiegelt den Widerstand der kenianischen Jugend gegen den Haushaltsentwurf, „We, People Of The Islands“ begleitet kapverdische Befreiungskämpfer. Auch Kunst schafft Zugang zur Heilung: „Meu Semba“ feiert ebenso die Kunst als Widerstand wie „Notes From The Underground“ und die Doku „Joy Boy“ über den queeren Musiker Julius Eastman.

Und natürlich bietet auch Glaube mancher und manchem Halt, Orientierung oder gar Heilung. Davon, und von den Grenzen des Glaubens, erzählt die Parabel „The Prophet“. Zugleich blickt „Soumsoum, The Night Of The Stars“ auf die Starrheit der Glaubensvorstellungen, das Drama „Njangaan“ von 1975 entlarvt Religion als System der Ausbeutung. Heilung ist nicht Erlösung, Heilung bleibt ein Prozess. Davon erfahren wir in „Variations On A Theme“, der Ausdauer, Warten und Verlust thematisiert. Auch „My Father’s Scent“ spiegelt einen Prozess, in dem sich Vater und Sohn dem Konflikt zwischen Aussöhnung und Vergeltung stellen. „Nothing Happens After The Revolution“ nähert sich dem Thema aus dem Exil heraus, das Migrationsdrama „Reine Mère“ erzählt von Rassismus und sozialem Abstieg, „Pressure“ von 1976 begleitet entfremdete schwarze Jugendliche im London der 1970er.

Heilung als Prozess, inspiriert durch Kunst, Glaube, Protest – und nicht zuletzt durch das 23. Afrika Film Festival Köln. So versteht es auch Ibrahim Snoopy, Schirmherr des Festivals, in seinem Grußwort:„Dieses Festival hat sich um mich und viele andere Filmemacher:innen gekümmert und dafür gesorgt, dass wir mit Würde, Respekt und vor allem Wertschätzung behandelt wurden.“ Und er endet mit einem Appell: „An alle, die Filme schauen, sie unterstützen und an das Kino und die Geschichten glauben, die es erzählt: Ihr helft dabei, die Welt zusammenzuhalten, und verhindert, dass sie auseinanderfällt.“

Afrika Film Festival Köln 2026 | 17. – 27.09. | Programm und Tickets unter www.afrikafilmfestivalkoeln.de

Hartmut Ernst

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Neue Kinofilme

Coyote vs. Acme

Lesen Sie dazu auch:

„Als Filmemacher habe ich alles verloren“
Ibrahim Snoopy über die Lage und das Filmemachen im Sudan – Portrait 07/26

Wo Grenzen verschwinden und Geister sprechen
Das Afrika Film Festival Köln 2025 – Festival 09/25

„Zuhause sehnen wir uns nach der Ferne...“
Kuratorin Joanna Peprah übers Afrika Film Fest Köln – Festival 09/24

Afrikanisches Vermächtnis
Das 21. Afrika Film Festival widmet sich dem Filmschaffen des Kontinents – Festival 09/24

„Festivals sind extrem wichtig, um Vorurteile abzubauen“
4 Fragen an Sebastian Fischer, Leiter des Afrika Film Festivals Köln – Festival 09/23

Alte und neue Filmschätze
Das Afrika Film Festival zeigt Filmkunst als Raum für Aktivismus – Festival 09/23

Doppelt diskriminiert
„African Shorts: Queer – Decolonizing the Gaze“ im Filmforum – Foyer 09/20

Kleine, aber sehr feine Filmauswahl
Afrika Film Tage ersetzen in diesem Jahr das Afrika Film Festival – Festival 09/20

choices-Preis für Anti-Kriegs-Drama
„La miséricorde de la Jungle“ gewinnt beim Afrika Film Festival

Kritik am Kapitalismus
„Hyènes“ im Filmforum – Foyer 09/19

Panafrikanismus
Ein Festival für den afrikanischen Film – Festival 09/19

Die Macht der Blicke
Der tunesische Film „L’amour des hommes“ beim Afrika Film Festival – Foyer 09/18

Auf den Straßen Kinshasas
choices-Publikumspreis für „Maki'la“ – Festival 09/18

Zornige junge Männer
„Kinshasa Makambo“ im Filmforum – Foyer 09/18

Geister der Vergangenheit
„Skulls of My People“ beim Afrika Film Festival – Foyer 10/17

Festival.