
Die Camino-Therapie – Finde deinen Weg
Frankreich 2026, Laufzeit: 114 Min., FSK 12
Regie: Yann Samuell
Darsteller: Alexandra Lamy, Julien Le Berre, Mélanie Doutey
Roadmovie durch herrliche Wanderlandschaften
Der Weg führt zum Ziel
„Die Camino Therapie – Finde Deinen Weg“ von Yann Samuell
Für Fred (Alexandre Lamy) läuft es gerade nicht so prächtig. Ihr Mann ist ausgezogen und will die Scheidung, ihre Tochter begegnet ihr mit offener Ablehnung und von Schuldienst ist sie suspendiert worden, weil sie eine Schülerin geohrfeigt hat. Auf der Suche nach einer neuen Perspektive landet die angeschlagene Lehrerin bei einem Verein, der straffällig gewordene Jugendliche auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft begleitet. Eine der Maßnahmen besteht darin, die Jugendlichen unter strengen Auflagen auf eine Pilgerreise nach Santiago de Compostella zu schicken. Hierfür sucht der Verein Betreuer:innen. So kommt es, dass Fred und der bereits mehrfach straffällige Jugendliche Adam (Julien Le Berre) in die Wanderstiefel steigen, ihre Rucksäcke schultern und zusammen den Jakobsweg gehen – ohne jede Wandererfahrung, aber mit viel emotionalem Ballast. Natürlich ist der Weg nicht leicht. Adam hadert mit Regeln und Verbindlichkeiten, reagiert impulsiv und überschreitet immer wieder Grenzen. Fred wiederum ringt mit der eigenen Vergangenheit, ihren Verletzungen und der Frage, was in ihrem Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die schöne Landschaft, die unerwarteten Begegnungen und die physischen Herausforderungen – all diese Dinge führen dazu, dass nach und nach eine Vertrautheit zwischen Fred und Adam entsteht und beide ihr Leben neu reflektieren.
Filme über Pilgerreisen nach Santiago de Compostela gibt es viele. Martin Sheen begab sich 2010 in „Dein Weg“ auf den Camino, Hape Kerkeling war 2015 „dann mal weg“, und auch „Buen Camino“ (2025), der erfolgreichste italienische Film aller Zeiten, handelt vom Pilgern auf dem Jakobsweg. Inspiriert von der wahren Geschichte der Association Seuil, die junge Menschen durch lange Wanderungen wieder an gesellschaftliche Strukturen heranführen will, greift Yann Samuell das Camino-Thema in seinem neusten Film nun ebenfalls auf, setzt dabei aber weniger auf spirituelle Erleuchtung als auf die mühsame Arbeit an sich selbst.
Alexandra Lamy und Julien Le Berre tragen diesen Film hervorragend. Die wachsende Verbundenheit zwischen dem ungleichen Wanderduo wirkt glaubwürdig, weil sie auf gemeinsamen Anstrengungen beruht, vor allem aber auf dem Gemeinschaftsgefühl, das durch das Erleben entscheidender Momente in ihrem Leben entsteht. Das Wandern wird zu einem Mittel der Erkenntnis und der Verwandlung. Jeder Schritt zwingt die Figuren, sich mit ihren Grenzen, ihrer Schuld und ihren Sehnsüchten auseinanderzusetzen. Die Handlung selbst ist ziemlich vorhersehbar – doch visuell ist der Film ein Genuss. Das liegt u.a. an der Drohnenkamera des Filmemachers, der die Landschaften hervorragend in Szene setzt. Gedreht wurde in der Region Haute-Loire, insbesondere in Le Puy-en-Velay, dem Ausgangspunkt des Jakobswegs.

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