choices: Herr Hoffmann, wie lange arbeiten Sie schon in der Lärmschutzgemeinschaft Köln/Bonn mit?
Wolfgang Hoffmann: Wir haben uns 1973 gegründet, seitdem bin ich dabei. Anfangs ging es noch nicht um den Fluglärm, sondern um die damaligen Ausbaupläne des Flughafens. Wenn das realisiert worden wäre, wäre Köln/Bonn heute größer als Frankfurt. Weil die hiesigen Passagierzahlen bei zwei Millionen herumgekrebsten, setzte man seit Anfang der 1980er Jahre verstärkt auf den Frachtverkehr.
Würden Lärmschutzauflagen diese wirtschaftliche Entwicklung behindern?
Der Flughafen braucht den Frachtverkehr offensichtlich, um existieren zu können. Er macht etwa 40% der Einnahmen aus. Aber braucht die Region den Flughafen? Für Leute, die in einem Radius von 50 km um Köln/Bonn herum leben, ist es natürlich bequem, von hier aus in die Welt zu fliegen. Aber man könnte dazu auch nach Düsseldorf oder Frankfurt fahren. Dass Köln und Düsseldorf jeweils einen Großflughafen haben wollen, hängt wohl mit dem ewigen Kampf zwischen diesen beiden Städten zusammen.
Düsseldorf soll einer der am stärksten reglementierten Flughäfen in Europa sein.

Düsseldorf hat ein Nachtflugverbot. Trotzdem gibt es dort jährlich rund 6.000 Flüge in den Nachtrandzeiten. In Köln hatten wir 2011 rund 34.000, also fast das Sechsfache. Es gibt viele Flughäfen, die strenger reglementiert sind als Düsseldorf und trotzdem wachsen. Zürich zum Beispiel betont immer wieder, man müsse nur die Abläufe entsprechend anders organisieren.
Dann hängt der nächtliche Fluglärm auch vom Flugplan ab?
Es gibt ein praktisches Beispiel. Die Lufthansa durfte mit der Cargo seit Oktober letzten Jahres nicht mehr nachts von Frankfurt aus fliegen. Deshalb startete sie dort vor 23 Uhr und flog über Köln/Bonn gegen 4 Uhr in Richtung China. Inzwischen wickeln sie diese Flüge am Tage ohne Zwischenstopp ab. Daneben geht es aber auch um die Ausmusterung der lauten Flugzeuge. UPS etwa will hier nichts unternehmen. Der Flughafen Köln/Bonn bleibt hier aus unserer Sicht untätig.
Was tut man nicht?
Laute Maschinen mit regelmäßigen Werten von mehr als 75 db Einzelschall sollten in der Nacht grundsätzlich nicht fliegen. Deshalb gibt es sogenannte Lärmentgelte, die ihren Einsatz teurer machen sollen. Hamburg verlangt z. B. für Start und Landung der sehr lauten MD11 2.536 Euro, in Köln/Bonn zahlt man dafür gerade mal 280 Euro. Dazu behauptet Flughafen-Chef Garvens vor der Kamera, in Köln/Bonn sei die Lärmbewertung schon immer ein Mittel der Lärmbekämpfung gewesen. Dummes Zeug, auf gut Deutsch gesagt.
Wird jetzt die Politik eingreifen, um ein komplettes Nachtflugverbot für Köln durchzusetzen?
Da bin ich zunächst eher skeptisch. Im Gegensatz zu Frankfurt, Leipzig und Berlin hat es in Köln nie ein Planfeststellungsverfahren gegeben, in dem auch mit Bürgerbeteiligung festgelegt wurde, was in der Nacht erlaubt ist. Hier konnte der Flughafen in seiner Infrastruktur bishereinfach immer weiter wachsen.
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