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Wuthering Heights – Sturmhöhe

Wuthering Heights – Sturmhöhe
Großbritannien, USA 2026, Laufzeit: 130 Min., FSK 16
Regie: Emerald Fennell
Darsteller: Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau
>> www.warnerbros.de/de-de/filme/wuthering-heights---sturmhohe

Düstere Romanze

Trauma in schillernden Farben
„Wuthering Heights“
von Emerald Fennell

Als Emily Brontë 1847 unter dem männlichen Pseudonym Ellis Bell ihren einzigen Roman veröffentlichte, konnte sie den heutigen Hype nicht ahnen. Im Kern geht es um Catherine und Heathcliff, die zusammen aufwachsen und ein Leben lang eine komplizierte Verbindung zueinander haben. Heathcliff wird als Junge von Catherines Vater aufgenommen und später von ihrem Bruder misshandelt. Während „Wuthering Heights“ zur damaligen Zeit als zu düster und abstoßend abgelehnt wurde, gilt das Werk heute als Literaturklassiker und zählte bisher fünf Kinoadaptionen. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an Emerald Fennells Neuverfilmung: Braucht es wirklich noch eine Adaption?

Die Antwort lautet: ja. Fennell ist dem Kern von „Wuthering Heights“ gerecht geworden – und hat zugleich eigene, moderne Elemente hinzugefügt, die den Film zu einem surreal anmutenden Gothic-Drama machen. Im Vorfeld waren Fans des Klassikers in den sozialen Medien vor allem um die Atmosphäre und die Botschaft von „Wuthering Heights“ besorgt: Es sei keine Liebesgeschichte (wie im Trailer versprochen), Margot Robbie als Catherine zu modern und der ganze Look zu sauber für die eigentlich so düstere Geschichte aus dem viktorianischen Zeitalter.

Doch schon die Eröffnungsszene macht deutlich, dass Fennell genau weiß, worum es in Brontës Werk geht: um das Dunkle, das Verborgene, das Traumatische. Bei einer öffentlichen Hinrichtung fiebern die junge Catherine (Charlotte Mellington) und ihre Angestellte Nelly (Vy Nguyen) mit, während um sie herum die Menge ihren Lastern frönt, Paare öffentlich Sex haben und der steife Penis des Hingerichteten für Belustigung sorgt. Während sich die Menge in eine rasende Ekstase hochschaukelt, ertönt im Hintergrund ein exzentrischer, düsterer Soundtrack (Charli xcx), der an quietschende Fingernägel auf einer Schiefertafel erinnert. Dann zeigt die Kamera eine Reihe schnell aufeinander folgender Ausschnitte von Fratzen. Abgeschlossen wird diese Eröffnungsszene von einer totalen Kameraeinstellung, die Catherine und Nelly auf ihrem Nachhauseweg zeigt: Im Hintergrund ragt ihr Zuhause Wuthering Heights dunkel zwischen spitzen Felsen auf; davor schlängelt sich ein roter Fluss durch eine nebelverhangene, karge Landschaft.

Diese düstere Atmosphäre zieht sich konsequent durch das erste Drittel des Films. Wir beobachten, wie Catherines Vater (Martin Clunes) den jungen Heathcliff (Owen Cooper) mit nach Hause bringt und ihn in seine Obhut nimmt. Wuthering Heights ist düster und dreckig, Schweine werden im Hof geschlachtet, der Vater kotzt und uriniert nach nächtlichen Wirtshausbesuchen überall hin und schlägt Heathcliff regelmäßig. Die Sonne scheint nie, wabernder Nebel hängt über der kargen Moorlandschaft. Erst als die erwachsene Catherine (Margot Robbie) einen Ausflug zum benachbarten Thrusscross Grange unternimmt und dort die Bekanntschaft von Edgar Linton (Shazad Latif) macht, den sie schließlich heiratet, wird die Atmosphäre durch das opulente Anwesen und schillernde Kostüme durchbrochen. Doch unter dem Luxus lauert weiter die Dunkelheit: Nachdem Heathcliff (Jacob Elordi – einziger Kritikpunkt: im Roman wird angedeutet, dass Heathcliff eine dunkle Hautfarbe hat) für einige Jahre verschwindet, kehrt er zurück – und Catherine und er beginnen eine verhängnisvolle Affäre.

Erzählerisch nimmt sich Fennell einige Freiheiten: Sie lässt nicht nur Catherines Bruder weg, sondern auch die komplette zweite Hälfte des Romans. Dort begibt sich Heathcliff nach Catherines Tod auf einen jahrelangen Rachefeldzug, unter dem auch sein eigener Sohn leidet. Diesen gibt es in Fennells Film nicht – dafür lässt sie Catherine und Heathcliff eine Affäre eingehen, die es im Roman nicht gibt (dort bleibt es bei Anspielungen). Wer also eine direkte Adaption erwartet, wird enttäuscht sein. Fennell hat ihren Filmtitel in Anführungszeichen gesetzt und im Vorfeld betont, dass sie eine eigene Version des Klassikers erzählen wolle. Wer sich darauf einlässt, „Wuthering Heights“ als eigenständigen Film zu sehen, wird belohnt – und bestens unterhalten. Fennell bleibt ihrem Stil treu, der auch schon in ihrem Regiedebüt „Promising Young Woman“und in „Saltburn“ deutlich war: opulente, schillernde Farben, die das Dunkle im Menschen durchscheinen lassen.

(Marina Wudy)

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