
Der Frosch und das Wasser
Deutschland 2025, Laufzeit: 113 Min., FSK 6
Regie: Thomas Stuber
Darsteller: Aladdin Detlefsen, Kanji Tsuda, Bettina Stucky
Skurril temperiertes, gleichnishaftes Roadmovie
Heimkehr
„Der Frosch und das Wasser“ von Thomas Stuber
Vor vierzig Jahren spaziert Gotthart Kuppel in Frankfurt über die Mainbrücke. Dort begegnen sich eine Menschengruppe mit Behinderungen und eine Gruppe japanischer Touristen. Ein Japaner löst sich und schließt sich der anderen Gruppe an. Kuppel fragt sich: Was würde passieren, wenn es umgekehrt wäre und ein Mann mit Down-Syndrom spontan den Japanern folgen würde? Kuppel bereist später Japan, wird Judoka, arbeitet am Theater und schreibt Stücke. Dabei partizipiert er an dem inklusiven Bremer Kulturprojekt „Atelier-Blaumeier“, in dem Menschen mit und ohne körperliche und geistige Beeinträchtigung vereint kreativ sind. Jahrzehnte später erinnert er sich an Frankfurt und entwickelt aus der Idee das Drehbuch zu diesem Film. In Thomas Stuber („In den Gängen“) findet er seinen Regisseur.
Stefan Busch (Aladdin Detlefsen), genannt Buschi, lebt als Mensch mit Down-Syndrom in einem betreuten Wohnheim und hat sich in den Kopf gesetzt, seinen Mitmenschen stumm zu begegnen. Bei einem Ausflug nach Köln folgt er spontan einer japanischen Reisegruppe und sitzt schon bald im Bus nach Weimar. Während sich Buschis Betreuerin (Nicole Schierloh) verzweifelt an seine Fährte heftet, wird der flüchtige Heimbewohner von den Japanern überwiegend wohlwollend aufgenommen. Buschi hängt sich schließlich an den Japaner Hideo Kitamura (Kanji Tsuda), der gerade den Tod seines Bruders bewältigt. Beginn einer wundersamen Freundschaft, die gezeichnet ist von Trauer, zaghafter Annäherung und skurrilen Momenten.
Ein sympathisches Road-Movie mit Ecken und Kanten: Detlefsen und Tsuda bilden eine ganz hinreißende Symbiose, begegnen einander mal tragisch, mal clownesk. Zwei grundverschiedene Männer, die am Ende vieles eint – all das vermag Stuber in wundervoll heiter-melancholische Begegnungen zu verpacken. Zugleich, und darüber gilt es hinwegzusehen, bleibt bei diesem Roadmovie gern die Logik auf der Strecke, und die Rahmenhandlung wirkt mitunter konstruiert. Um es positiv zu formulieren: Stuber macht Bauchkino. „Der Frosch und das Wasser“ ist vor allem eines nicht: Kopfkino. Und das wird dem deutschen Film ja oft genug vorgeworfen. Nein: Intuitiv nimmt uns das kleine Drama mit auf eine sinnliche, spirituelle Reise und fokussiert sich dabei voll und ganz auf seine beiden Hauptfiguren. Da stört es nicht so sehr, dass manche Nebenfiguren hölzern agieren.
Die Stärke des Dramas sind seine Momente, und oft sind es stumme Momente, die so viel erzählen. Momente, wundersam getragen vom Sopranino-Saxophon. Momente, in denen sich Kitamura in Trauer verliert. In denen Buschi spontan seine Intention folgt und Kitamura ihm Türen öffnet. In denen Buschi mit offenen Augen durch die Welt geht – den Horizont vor Augen, nicht das Display. Am Ende, und das macht manche Ecken und Kanten rund, ist „Der Frosch und das Wasser“ ein Gleichnis. Ein Gleichnis über Freiheit, Individualität, Verankerung, Erdung. Über Seelenverwandtschaft im vermeintlich Fremden. Und so skurril und vermeintlich clownesk die zwei Protagonisten einander begegnen – die wahren Clowns sind dabei meist die anderen.

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