Die Beobachterin, die bei Deportationsvorgängen darauf achtet, dass die Menschen anständig behandelt werden, hat keine Illusionen: „Träume von Veränderungen habe ich mir abgeschminkt.“ Er begleite Leute bei der Heimreise, sagt der junge Orthopäde, der sich für den Nebenjob über psychische Traumata schlau gemacht hat. Das Wort „Abschiebung“ klingt so unschön.
Einen Tag nach der Premiere ihrer neuen Produktion kündigte die Choreographin Stefanie Thiersch bei der Protestveranstaltung in der Expo gegen den gekürzten Tanzgastspieletat an den Bühnen an, Köln möglicherweise verlassen zu wollen. Gründe: die Sparmaßnahmen der Politik, die Infragestellung der Internationalität, die Gleichgültigkeit gegenüber Freier Szene und Nachwuchs.
Seit einem Vierteljahrhundert richtet die Studiobühne das Festival theaterszene europa aus. Das frühere Studententheatertreffen hat sich längst zum Begegnungsort professioneller Gruppen gemausert. Diesmal treffen deutsche Gruppen auf Gäste aus der Schweiz. choices hat mit Tobias Brenk, dem Dramaturgen der Kaserne Basel, über Freies Theater in der Alpenrepublik gesprochen.
Ihre Erleuchtung ist im Elektrofachhandel angesiedelt: Silvia Doberenz ist alles andere als eine in wabernden Sphären schwebende Esoterikerin. Wobei man angesichts ihrer strahlenden Erscheinung durchaus von über-sinnlich sprechen könnte.
Ende März verstarb mit Wolfgang Weimer DER Fotograf der Freien Kölner Theater- und Tanzszene im Alter von nur 57 Jahren. Weimer war ein treuer Wegbegleiter und – manchmal unbequemer – Fixpunkt in der undurchsichtigen Kölner Theater- und Tanzlandschaft. Lange schon war er herzkrank und kämpfte weiter beharrlich für sein Genre, welches er durch jedermanns Digital- und Handyfotografie bedroht sah.
Man riecht es sofort. Das ist nicht der blaue Dunst der Cohiba-Fraktion, sondern der beißende Qualm von Zigarrenstumpen einer Altherren-Riege. Der 77jährige Fritz Kumetat sitzt mit seinem Alter Ego auf einer weißen Bank und pafft vor sich hin. Genügsam und einsam.
Niklas Ritters Inszenierung von Schillers „Die Räuber“ ist ein experimenteller Versuch, dem Handlung, Text und Sprache zum Opfer fallen. Eine interessante Deutung und eine sehr moderne Inszenierung des Sturm-und-Drang-Epos erwarten die Besucher in Bonn.
Das Tanzensemble HeadFeedHands aus Köln und Freiburg verbindet in seiner neuen Produktion „Alle 4 Minuten“ das Surrealistische des (Alp)Traums mit dem sehr realistischen Schrecken, der öffentlichen Orten zunehmend anhaftet. Neben dem Thema locken mutige Ästhetik und tänzerische Präzision.
Wenn der Deus ex Machina sich schon im dritten Akt ankündigt und dann als Weichei mit Wollmütze daherkommt, besteht nicht viel Hoffnung. Keine Chance also für Anneliz, die ihren Job verloren hat und nun heftig an der Tür zum Wiedereintritt in die Gesellschaft rüttelt.
Eine Schwester Ratched ist nicht in Sicht. Doch die nach oben buckelnde, nach unten tretende Wärterin Nikita (Doris Plenert) führt ein ähnlich restriktives Regiment wie die Oberpflegerin in „Einer flog übers Kuckucksnest“.

Schweigen, Flucht und Tod
„Einfach das Ende der Welt“ am Theater Bonn – Prolog 04/26
Leichmann statt Leichnam
„Unterweger“ am Schauspiel Köln – Auftritt 04/26
„Jeder ist Medea“
Regisseur Rüdiger Pape über „Medea 2.0“ am Orangerie Theater – Premiere 04/26
Im Netz der Lügen
„Dear Evan Hansen“ am Jungen Theater Bonn – Prolog 03/26
Die Anarchie der Wörter
„Terrorist:innen“ am Orangerie Theater – Auftritt 03/26
„Wir wollen Räume für ein anderes Zuhören öffnen“
Regisseur Martin Schulze und Dramaturgin Ulrike Janssen über „Wem gehört das Volk?“ am TdK – Premiere 03/26
Rache und Gerechtigkeit
Feministische Version der „Orestie“ am Schauspiel Köln – Prolog 02/26
Hüpfen, nicht denken
„Du musst dich entscheiden!“ am Schauspiel Köln – Auftritt 02/26
„Wir denken an ein liebevolles Beschimpfen“
Das Cuma Kollektiv inszeniert „Bühnenbeschimpfung“ am Freien Werkstatt Theater – Premiere 02/26
Spuk mit Fragezeichen
„2:22“ am Kleinen Theater Bad Godesberg – Prolog 02/26
Der Tanz der Krähe
„Die Ecke“ in der Alten Wursterei – Auftritt 01/26
„Als säße man in einem flirrenden Zirkuszelt“
Regisseur Sergej Gößner über „Der fabelhafte Die“ am Comedia Theater – Premiere 01/26
Im Hamsterrad des Grauens
„Der Gott des Gemetzels“ am Theater Bonn – Prolog 01/26
Das Meer in dir
„Aqua@Cycles“ in der Alten Feuerwache – Theater am Rhein 01/26
Auszeit der Ewigkeit
„Pyrofems“ von Wehr51 im Studio Trafique – Auftritt 12/25
Praktisch plötzlich doof sein
Helge Schneider präsentiert seine neue Tour – Prolog 12/25
„Man spürt den Theatermenschen“
Dirigent Daniel Johannes Mayr über die Bonner Wiederentdeckung der Oper „Die Ameise“ – Premiere 12/25
Über zwei Ikonen
„Marlene Piaf“ am Theater der Keller – Theater am Rhein 12/25
Verlorene Jahre
„The Drop“ am Jungen Schauspiel in Düsseldorf – Prolog 11/25
So verwirrend wie das Leben
„Berlin Alexanderplatz“ am Schauspiel Köln – Prolog 11/25
Von der Aufgabe des Denkens
Audiowalk „Jeder stirbt für sich allein“ in Köln – Auftritt 11/25
„Ein armes Schwein, aber auch ein Täter“
Regisseur Hans Dreher und Schauspielerin Laura Thomas über „Laios“ am Theater im Bauturm – Premiere 11/25
Utopie auf dem Rückzug
Bertha von Suttners „Die Waffen nieder“ am Theater Bonn – Prolog 10/25
Gegen sich selbst antreten
„Fünf Minuten Stille“ am Kölner FWT – Theater am Rhein 10/25
Muttärr! Oder: Dschungelbuch in Ulm
„Man kann auch in die Höhe fallen“ am Theater Der Keller – Auftritt 10/25