Hunger kann in den Wahnsinn treiben – oder doch zumindest heftig die Wahrnehmung verzerren. Auf dieser These baut der holländische Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema seine Inszenierung der Humperdinckschen Märchenoper „Hänsel und Gretel“ auf, die das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier zeigt. Wenn sich dort die Kinder im Wald verirren, zeigt Dijkema keine Bäume, sondern surreal überdimensionale Gabeln und Steakmesser mit bedrohlich scharfen Spitzen und Kanten. Die Landschaft aus Besteck ist eine Vergrößerung des heimischen Esstischs.
Manchmal gelingen aus der Not geborene Dinge über alle Maßen. Als die Kölner Oper wegen dräuender Umbaupläne den angestammten Sitz am Offenbachplatz für Jahre zu räumen hatte, begann eine wilde Jagd nach neuen Spielorten. Die Kinderoper residiert bereits erfolgreich in der Südstadt in dem architektonisch reizvollen Alten Pfandhaus, für das Große Haus mussten natürlich größere Objekte einbezogen werden. Eines dieser zur Diskussion stehenden Gebäude, das ehemalige Casino im Gerling-Quartier, eignete sich mit einer Sitzkapazität von 650 Plätzen für ein besonderes Projekt: Monteverdi stand auf dem Spielplan.
„Jazz goes to Kur“ im Herbst in Bad Wörishofen, „Swing goes to the opera“ zu Weihnachten in Nürnberg, in Köln hieß es im vergangenen Monat „Jazz goes Pascha“ – das ist der Nightclub im Ensemble mit dem „Größten Laufhaus in Europa, Bordellerlebnis auf sieben Etagen“ - so wirbt die Internet-Seite.
Joseph Beuys, geboren 1921 in Krefeld, aufgewachsen in Kleve, gestorben 1986 in seinem Atelier in Düsseldorf, ist derzeit in aller Munde. Natürlich, mit seinen Arbeiten in den Museumssammlungen und als legendärer Protagonist der Avantgarde war er stets präsent. Schließlich gibt es kaum einen Künstler, der so in die Gesellschaft hineinstrahlt.
Die Rockford Kabine versteckt sich hinter dicken Mauern. Mitten im Bochumer Westen zwischen Jahrhunderthalle und Marienkirche haben Stefan Zweers und Jochen Berndt einen ehemaligen Hochbunker zu ihrem Arbeitsplatz gemacht. Hier sitzen sie Abend für Abend im Tonstudio, um Musik für ihr Projekt Rockford Kabine auf den Punkt zu bringen.
Von „Es ist ein großes Privileg, den Menschen zuschauen zu dürfen, die sich diesem Leben (als Tänzer) geweiht haben, und die diesen Kampf gegen den Verschleiß und den Tod nicht gewinnen können, oder nur für eine sehr kurze Zeit“. Das sagt Frederick Wiseman, der große alte Mann des britischen Dokumentarfilms, der in seinem neuen Werk „La Danse“ die Tänzer, Ballettmeister und Choreographen im Palais Garnier in Paris bei der Arbeit beobachtete.
Die Schweiz ist ohne Vereine nicht vorstellbar. Sie bilden das Rückgrat des urdemokratischen Landes. Nicht umsonst sind auch die helvetischen Parteien als Vereine organisiert. Es ist also nicht nur Ironie, wenn sich die Theater- und Performancegruppe Mass & Fieber aus Zürich als „Verein zur Förderung von anonymen Fiktionen, Kunstspielereien und Vernetzungen aller Art“ bezeichnet.
Uwe Ochsenknecht, Maite Kelly und Tetje Mierendorf haben mit „Hairspray“ den Kölner Musical-Dome verlassen. Ochsenknecht wendet sich wieder Film- und Fernsehaufgaben zu, Kelly ist in den Schoß der Familie zurückgekehrt, und Mierendorf steht ab 2. Dezember in der Musical-Fassung des Whoopi Goldberg-Films „Sister Act“ im Hamburger Operettenhaus auf der Bühne.
Zurück in die Gegenwart: Die aktuelle Düsseldorfer Quadriennale widmet sich vor allem den Pionieren der Gegenwartskunst seit 1960, mit Bezug zu Düsseldorf. Die Quadriennale ist eine mit viel Werbeaufwand und zusätzlichen städtischen Geldern betriebene konzertierte Veranstaltung der Düsseldorfer Ausstellungsinstitute, die demonstriert, wie weitreichend die Impulse dieser Kunstszene sind und wie viele Museen sich hier der zeitgenössischen Kunst verschrieben haben.
In kultureller Hinsicht litt Wuppertal in den vergangenen Jahren unter ähnlicher Tristesse und Verfallserscheinungen wie viele Orte im Ruhrgebiet. Hier wie dort ist das einzig probate Mittel, selbst Initiativen im Kleinen auf die Beine zu stellen. Bastian Küllenberg macht es mit seiner Konzertreihe „Endstation Sehnsucht“ im Bahnhof Vohwinkel vor.

Giftige Hirngespinste
„The blind Owl / Die blinde Eule“ am Theater der Keller – Tanz in NRW 07/26
Die Skyline im Blick
Benjamin Schmid in Düsseldorf – Klassik am Rhein 06/26
Liebe ohne Chancen
„Tancredi“ als queeres Drama an der Kölner Oper – Oper in NRW 06/26
Emotionaler Kraftakt
„Il Trovatore“ an der Düsseldorfer Rheinoper – Oper in NRW 06/26
Klangschlacht
„Verdi Requiem“ an der Essener Philharmonie – Klassik an der Ruhr 06/26
Zäher Überlebenswille
Silke Z über mögliche Fördermittel für Kölns Tanzszene – Tanz in NRW 06/26
Mitten im Leben
„Lebensräume“ in der Photographischen Sammlung in Köln – Kunst in NRW 06/26
Urbaner Sound
Kuu! in der Wuppertaler Insel – Improvisierte Musik in NRW 06/26
Weitsicht bei Nacht
Pfingstoratorium „Die Sieben Gaben“ im Kölner Dom – Klassik am Rhein 05/26
Strukturen der Lebenswelt
Carl Grossberg im Wuppertaler Von der Heydt-Museum – Kunst in NRW 05/26
Im Doppelpack
Joana Mallwitz trifft Alice Sara Ott in Essen und Köln – Klassik an der Ruhr 05/26
Erfolge in dürren Zeiten
7. Circus Dance Festival in Köln – Tanz in NRW 05/26
Liebe gegen Perfektion
Uraufführung von Sarah Nemtzovs Oper „Wir“ in Dortmund – Oper in NRW 05/26
Altes Thema neu erzählt
„Picture a day like this“ an der Oper Köln – Oper in NRW 05/26
Der Plan des Bösen
„Freischütz“ an der Bonner Oper – Oper in NRW 04/26
Werke der Meister
Die Scharf Collection im Kunstpalast Düsseldorf – Kunst in NRW 04/26
Der ganze Brahms
Vier Sinfonien an zwei Abenden in Dortmund – Klassik an der Ruhr 04/26
Intensiver Stoff
9. Internationales Bonner Tanzsolofestival – Tanz in NRW 04/26
Warmes Wummern
Larry Goldings Trio in Dortmund und Düsseldorf – Improvisierte Musik in NRW 04/26
Streifzug durch New York
Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ in Duisburg – Oper in NRW 04/26
Zwei Wahlberliner
Simon Rattle in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 04/26
Die Gitarre für jede Tonart
Hanno Busch in Gelsenkirchen, Köln und Viersen – Improvisierte Musik in NRW 03/26
Surreale Realitäten
Marianna Simnett im Max Ernst Museum in Brühl – Kunst in NRW 03/26
In Bochum an der Themse
„Eine Bühne voller Händel“ im Bochumer Musikforum Ruhr – Klassik an der Ruhr 03/26
Chorstadt rund um den Dom
Drei Konzerte an einem Tag in Köln – Klassik am Rhein 03/26