Metaphern für Italien gibt es einige: „das Land, wo die Zitronen blüh’n“, „der Stiefel“, „das Land an der Adria“. Eric Pfeil hat seine eigene: „Wenn ich nach Italien komme, checke ich ein in das Hotel Celentano.“ Adriano Celentano (geb. 1938), Sänger, Schauspieler und Entertainer, stehe für ihn für ein unvorhersehbares Italien.
Mit diesem Italien befasst sich Pfeil in seinem neuen Buch „Hotel Celentano“, aus dem er am 10. Mai am Comedia Theater liest. Das Buch dreht sich um Sehenswürdigkeiten, die auf den ersten Blick vielleicht nicht als solche erkennbar sind. Es sind Orte, die mit bekannten italienischen Kunstschaffenden wie Celentano, Marcello Mastroianni (1924-1996), Luchino Visconti (1906-1976) oder Claudia Cardinale (1938-2025) verbunden sind. Pfeil fragt, was vom früheren Film- und Musikglanz dieser Orte übriggeblieben ist – und was ihr Zustand über das Italien der Gegenwart aussagt.
Pfeils Route führt mal entlang, mal fernab beliebter Reiseziele wie dem Römischen Viertel Trastevere. Glücklicherweise seien „die Italiener gut im Denkmalisieren“, sodass er einige Anhaltspunkte für die Suche nach alten Wirkungsstätten der Prominenten gefunden habe. Man muss kein Insider der italienischen Kulturszene sein, um Drehorte des Films „Gib dem Affen Zucker“ (1981) mit Celentano in der Hauptrolle zu finden. Aufwändiger zu recherchieren war dagegen laut Pfeil, in welchem Lokal der Sänger Lucio Battisti am liebsten aß oder durch welchen Hintereingang sich Helmut Berger aus der Villa Viscontis ins Nachtleben Roms stahl. Aber: „Das ist auch ,Quality Time‘ für mich“, sagt er. Auf seiner Reise entdeckte Pfeil ein Italien zwischen Mythen, Glamour, Popkultur und Verfall.
Mit „Azzuro“ (2022) und „Ciao Amore, Ciao“ (2024) hat Pfeil bereits zwei Bücher veröffentlicht, in denen er mit je 100 Songs durch Italien führt und sich mit dem Land und seinen Widersprüchen auseinandersetzt.
Eric Pfeil: Hotel Celentano | So 10.5. 18 Uhr | Comedia Theater | comedia-koeln.de
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