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© Walker Books

Die eigene Karte als Kompass

22. Juni 2026

„Ich mal mir meine Welt“ von Nicola Davies – Vorlesung 06/26

Aller Anfang ist schwer, erst recht nach einem Umzug. Für Kinder, die mit der neuen Umgebung fremdeln, hat dieses liebevoll illustrierte Buch einen charmanten Vorschlag parat: Es ermuntert dazu, kreativ zu werden und eine Karte von der eigenen Welt zu malen. Denn selbst eine Karte von der neuen Umwelt samt aller wahrgenommener Details zu zeichnen, kann enorm helfen, den eigenen Platz darin zu finden. Außerdem lassen sich neue Lieblingsorte, zurückgelegte Wege und die Wohnorte neuer Bekannter eintragen. Wenn sich auch noch eine Verbindung zur bisherigen Umgebung über die Karte herstellen lässt, fühlt sich der neue Ort gleich nicht mehr so fremd an.

In einer Collage-Technik angefertigte Illustrationen machen es vor: Die Erzählerin dieses Buches wusste vor dem Umzug ihrer kleinen Familie, wo alles war – die Müslipackung, die Bushaltestelle, die Schule. Nach dem Umzug fühlte sie sich verloren und hatte Schwierigkeiten sich zurechtzufinden. In der Wohnung war alles anders, die Straßen verliefen kreuz und quer und die Welt erschien groß und bedrohlich. Gemeinsam mit ihrer Mutter beginnt sie irgendwann, alles auf einer Karte zu sortieren. Nach und nach lösen sich Ängste und das Wirrwarr an Straßen. Voller neuer Motivation fügt die Erzählerin Orte hinzu, zeigt die Karte ihren neuen Freund:innen, die ihrerseits Dinge ergänzen. So entsteht eine bunte Collage der großen und kleinen Eindrücke.

Neben der einfühlsamen und behutsam erzählten Geschichte und expliziten Tipps sowie einer Vorlage am Ende des Buchs enthalten die Illustrationen weitere Inspirationen. Auch die Umrisse der eigenen Hände etwa können als Basis für eine Karte der eigenen Welt dienen. Zugleich regt das Buch dazu an, die Welt nicht nur abzubilden, wie sie ist, sondern auch wie sie war oder sein könnte. Sobald der eigene Platz wieder gefunden ist, können so weitere Perspektiven entstehen und Kinder für mehr als nur einen Blickwinkel auf ihre Umgebung sensibilisiert werden. Es ist eine simple Idee, die eine enorme Kraft entwickeln kann und sich sehr vielfältig einsetzen lässt. Das Buch etwa ermuntert spielerisch dazu, sich Gedanken darüber zu machen, wo die eigene Familie und Freunde früher noch gewohnt haben oder wie eine Stadt der Zukunft aussehen könnte.

Nicola Davies: Ich mal mir meine Welt | Ill. v. Olga Shtonda | Thienemann | 32 S. | 15 € | Ab 5 J.

Melanie Schippling

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