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Stella Gaitano
Foto: Martin Steffen

Dem Tod abgerungen

13. Juli 2026

„Eddos goldenes Lächeln“ von Stella Gaitano – Literatur 07/26

Am Anfang steht eine Mutter, die ihr totes Kind stillen will. Leben und Tod liegen schon auf den ersten Seiten von Stella Gaitanos Roman „Eddos goldenes Lächeln“ erschreckend nah beieinander. Im Zentrum steht eine Familie aus dem Süden des Sudans, der ab Mitte der 1960er bis Anfang der 1980er Jahre von Bürgerkrieg und Militärherrschaft geprägt ist.

Eddo hat mehrere Kinder verloren und lehnt ihre Tochter Lucy nach der Geburt zunächst ab. Lucy wächst mit der Erwartung auf, später viele Kinder zu bekommen und damit das Weiterleben der Familie zu sichern. Als Erwachsene verlässt sie mit ihrem Mann Marco das Dorf und zieht nach Khartum. In der Hauptstadt lernt Lucy städtische Lebensweisen und fremde Vorstellungen von Religion, Familie und der Rolle der Frau kennen – aber auch Ausgrenzung: Der Konflikt zwischen dem Süden des Sudans und der Regierung in Khartum prägt das Leben. Menschen aus dem Süden stehen unter dem Druck, sich einer arabisch und islamisch geprägten Staatsordnung anzupassen. Zudem bringt der Krieg das gemeinschaftliche Leben und seine Rituale zum Stillstand. Die Menschen können ihre Verluste nicht mehr durch Singen, Tanzen, Schwitzen und Bewegung ausdrücken.

In ihrem Roman erzählt Gaitano nicht nur aus der Geschichte des Sudans, sondern auch von Frauen, deren Körper immer wieder mit Fruchtbarkeit, Mutterschaft und familiärer Verantwortung verbunden werden. Gaitano reduziert sie nicht auf ihre Rolle als Mütter oder Opfer: Die Frauen haben eigene Wünsche und versuchen, innerhalb gesellschaftlicher und familiärer Erwartungen über ihr Leben zu bestimmen. Auch weibliches Begehren erhält Raum und wird mit großer Direktheit beschrieben.

Eine Stärke des Romans liegt darin, die unterdrückten Gefühle seiner Figuren spürbar zu machen. Gaitanos Sprache ist poetisch und körperlich, stellenweise auch brutal und oft schwer abzuschütteln. „Ihre einzige Sprache war der Geruch“, heißt es an einer Stelle. Der Geruch wird zu einer Form der Verständigung, die dort einsetzt, wo Worte fehlen oder etwas verschwiegen wird. Auch Muttermilch wird zu einem vieldeutigen Motiv. Das verstörende Bild vom Beginn des Romans kehrt später in veränderter Form wieder: Lucy produziert so viel Milch, dass sie damit einen Baum im Garten wässert, der beinahe wie ein weiteres Kind erscheint.

Stella Gaitano: Eddos goldenes Lächeln | A. d. Arabischen v. Larissa Bender | Kiepenheuer & Witsch | 288 S. | 23 Euro

Ismini Eleftheria Kandilas

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