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Drei Farben zum Glück

25. Mai 2026

„Zu Fuß“ von Michael Roher – Vorlesung 05/26

Herr Mandelmus ist ein ziemlicher Faulpelz. Selbst für die kleinsten Wege nutzt er das Auto, seinen Roller oder einen kleinen Helikopter. Bis ihn dann doch eines Tages der flehende Blick seines Dackel Julius dazu bewegt, sich die Schuhe zu binden und einen Spaziergang durchs Viertel zu riskieren. Das wird ein Abenteuer, wie es offenbar Goethe schon gekannt haben muss, der behauptete: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“. So lernt Herr Mandelmus das Eiscafé an der Ecke, die Leute vom Kanuverein und die Kängurus im Cabrio kennen.

Auch mit wenig Einsatz kann man viel erreichen. Michael Roher liefert den Beweis mit seinem erzählenden Bilderbuch „Zu Fuß“, das alleine mit den Farben Blau, Grün und Gelb auskommt. Nachdem Roher die drei von der Leine gelassen hat, ergibt sich eine wilde Mischung aus Figuren und Mustern, die Seite für Seite visuelle Überraschungen bietet. Ein Gefühl von Freiheit und guter Laune durchweht die Seiten. Es tauchen Jaguare und Gnus am Wegesrand auf. Freilich nur dann, wenn sie in Michael Rohers Reimschema passen. Das Bild gibt dem Wort den Ton vor.  Wenn es der Reim verlangt, das folgen auf den „Fuß“ auch schon einmal ein Tramper aus „Toulouse“ oder die „Tattoos“. Manche Zeilen streifen den Nonsens, aber genau diese einfachen Reime mit wiederkehrendem Refrain lieben Kinder. Den Erwachsenen mag die Feststellung: „Herr Mandelmus geht heut zu Fuß“ mitunter etwas zu stereotyp erscheinen, aber Michael Roher überzeugt dann doch immer wieder mit Illustrationen, die rasch die Perspektiven wechseln.

Das Leben wird zu einer einzigen Daseinsfeier, egal ob man den Kindern im Lastenrad zuwinkt, den Musikern auf der Straße begegnet oder den Familien im Park beim Barbecue zuschaut, immer zieht einen das Doppelgespann aus Illustration und Reimfluss mit sich fort. Man lernt darüber nicht nur das genaue Betrachten der Bilder mit ihren kühnen Kompositionen, sondern auch den Umgang mit dem Gedicht zu schätzen. Die Worte werden wie Bonbons im Mund abgeschmeckt, nur darauf kommt es an. Dichten ist zunächst nichts weiter als ein Spiel mit dem Wortklang. Wer das verstanden hat, dem öffnet sich der Zugang zur Welt der Lyrik. Michael Roher tut das Seine, damit dieses Glück gelingen kann.

Michael Roher: Zu Fuß | luftschacht | 112 S. | 24 Euro

Thomas Linden

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