choices: Herr Meurer, wird Köln 2020 endlich eine soziale Stadt sein?
Frank Meurer: In zehn Jahren werden demokratische Prozesse die Politik mehr bestimmen als heute. Die Bürger werden sich nicht mehr mit Scheinbeteiligungen zufrieden geben – nicht nur wegen Stuttgart 21. Im Jahr 2020 wird es bezahlte hauptamtliche Bürgervertreter geben. Man wird sich auch nicht mehr parteipolitisch orientieren, sondern sehr zielorientiert arbeiten. Zugleich wird die Bedeutung des Staates wieder zunehmen. Er ist der Hauptfaktor, wenn es um Schicksalskorrekturen geht. Er wird absehbar allen ein Grundeinkommen zahlen. Damit werden in unserem demokratischen und immer noch reichen Land viele Probleme abnehmen.
Es werden auch einige Probleme bleiben.
Ja, zum Beispiel die Frage der eigenen Familie und der Kinderlosigkeit. Absehbar wird jeder fünfte keine Verwandtschaft mehr haben. Das obere Bürgertum wird sich die Gymnasien nicht nehmen lassen, aber die Gemeinschaftsschulen werden bestimmend sein.
Die veröffentlichte Meinung sorgt sich eher um die Kultur, weniger um Sozialpolitik.
Das Bürgertum sorgt eben immer erst für sich. Aber es muss beides geben, soziales Engagement und Kultur. Wir essen das Brot, wir leben vom Glanz. Dass wir in Hövi-Land („Höhenberg-Vingst“, d. Red.) um die Aufmerksamkeit der Politik kämpfen müssen, ist doch klar. Hier liegt die Wahlbeteiligung in zwei Stimmbezirken bei neun Prozent. Aber nehmen Sie die Flüchtlingsheime. Die werden jetzt renoviert. Vielleicht kommt demnächst auch eins nach Lindenthal, weil die Bürger es wollen. Quatsch ist, eins in Marienburg zu bauen. Dort gibt es keinen Kiosk und nichts. Ein, zwei Ghettos für die Reichen darf es doch geben

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