Es ist gerade einmal 25 Jahre her, da stellte sich die Musikindustrie in Deutschland völlig anders dar, als sie das heute tut: Es gab eine Handvoll Majorlabels, die nach und nach zu breit aufgestellten und international operierenden Konzernen der Unterhaltungsindustrie mutierten, und daneben gab es kaum etwas. Das ist heute anders: Die Majors haben sich aus weiten Teilen der ernsten Popmusik und ihrer Stilarten herausgezogen, dafür haben Independent-Labels diesen Markt übernommen. Diese Labels sind speziell in den USA und Großbritannien größer, weil traditionsreicher, in Deutschland dagegen zumeist auf kleinem Level agierend, mit wenigen Angestellten oder als Ein-Mann-Betrieb. Es gibt sie in Hamburg und Berlin in großer Zahl, auch in Köln, Frankfurt oder München. Nur im Ruhrgebiet, dem nächstgrößeren Ballungsraum des Landes, gibt es sie bloß in einigen wenigen Genres und Szenen. Während die Strukturen in Punk-Rock und Heavy Metal noch einigermaßen vorzeigbar sind, liegen sie im Bereich des Indie-Rock, immerhin eines der meistantizipierten Genres in Deutschland, nahezu komplett brach. Und nicht nur das, auch sonstige Strukturen und Netzwerke sind im Ruhrgebiet in dieser Szene die Ausnahme.
Kaum eine Musicalrolle ist in den Köpfen der Genre-Liebhaber so besetzt wie die der Sally Bowles und des Conferenciers durch Liza Minelli und Joel Grey in der grandiosen Verfilmung von Bob Fosse (1972). Während die Minelli noch immer unerreichbar scheint, hat Joel Greys morbid-lüsterne Interpretation selbst hierzulande schon ernsthafte Konkurrenz gehabt. Wolfgang Reichmann war am Berliner Theater des Westens noch um eine Spur diabolischer, und der ins Publikum geschleuderte Zynismus von Georg Preuße alias Mary ließ einem das Lachen im Halse stecken bleiben. Mit der Bühnenpräsenz dieser beiden Rollen steht und fällt „Cabaret“. Und wenn man bei ihrer Besetzung nicht aus dem Vollen der geeigneten Darsteller schöpfen kann, muss man sich für die Inszenierung etwas einfallen lassen.
Kulturhauptstadt RUHR.2010. Theater der Welt 2010. Tanzplattform 2010. AGORA 2010. Zweite Biennale Tanzausbildung 2010. The Show must go on. Boomen die Kultur-Events oder die Event-Kultur? Hangeln wir uns nur noch von Event zu Event durch die Kultur (und den Tanz)? Zwar bescheren sie den Tanzfans eine Reihe zusätzlicher Aufführungen, aber gelobt seien die Kultureinrichtungen, die unabhängig von diesen Events mit Qualität und Kontinuität überzeugen.
Grönemeyer sang zur Eröffnung für das Ruhrgebiet, natürlich über das Ruhrgebiet. Symphonisch war der Song aufgeblasen, mit Chor und Orchester, ergreifend sein Bekenntnis, wie super alles im Pütt ist – wenn man privat zwischen London und Berlin twistet.
Es ist eine einfache Geschichte. Sie spielt irgendwo am Rande der endlosen Prärie. Ein Mann lebt zusammen mit seiner Tochter in einem Haus am Fluss. Sie leben alleine, die Mutter hat die Familie vor langer Zeit verlassen. Vater und Tochter lieben sich wie Eltern und Kinder das tun.
Der Retter naht. Er hat einen Berg Golddukaten zum Pressetermin mitgebracht. Und einen Esel auch. Der scheißt ihm vielleicht noch ein, zwei Münzen dazu. Wer jetzt an die Wirtschaftskrise denkt, liegt selbstverständlich falsch.
Ein wenig hatte man sich ja schon gewundert. Inmitten von deutschen Kriegstötungen und sich verschärfenden sozialen Antagonismen fällt deutschen Musikanten nichts Besseres ein, sich die Sicherheit der Zweierbeziehung als Gegengift zur „Welt, in der nichts bleibt“ zu wünschen.
Auf der rechten Bühnenhälfte der Kölner Oper thront pyramidenförmig das Gürzenich-Orchester mit roten Fez-Hüten. Soll hier einer der großen Klassiker des Broadways dem „Humba, Humba,Tätärä“ der Kölner Karnevals geopfert werden, fragt man sich verwundert.
Was lange währt, wird endlich gut. So sagt man, aber was ist, wenn nach langer Warterei doch nichts Brauchbares entsteht? Dann ist die Enttäuschung doppelt groß.
„Also sprach sie und rief den schöngelockten Gespielen: Dirnen, steht mir doch still! Wo fliehet ihr hin vor dem Manne? Meinet ihr etwa, er komme zu uns in feindlicher Absicht? Nein, er kommt zu uns, ein armer irrender Fremdling, dessen man pflegen muß.

Der Plan des Bösen
„Freischütz“ an der Bonner Oper – Oper in NRW 04/26
Werke der Meister
Die Scharf Collection im Kunstpalast Düsseldorf – Kunst in NRW 04/26
Der ganze Brahms
Vier Sinfonien an zwei Abenden in Dortmund – Klassik an der Ruhr 04/26
Intensiver Stoff
9. Internationales Bonner Tanzsolofestival – Tanz in NRW 04/26
Warmes Wummern
Larry Goldings Trio in Dortmund und Düsseldorf – Improvisierte Musik in NRW 04/26
Streifzug durch New York
Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ in Duisburg – Oper in NRW 04/26
Zwei Wahlberliner
Simon Rattle in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 04/26
Die Gitarre für jede Tonart
Hanno Busch in Gelsenkirchen, Köln und Viersen – Improvisierte Musik in NRW 03/26
Surreale Realitäten
Marianna Simnett im Max Ernst Museum in Brühl – Kunst in NRW 03/26
In Bochum an der Themse
„Eine Bühne voller Händel“ im Bochumer Musikforum Ruhr – Klassik an der Ruhr 03/26
Chorstadt rund um den Dom
Drei Konzerte an einem Tag in Köln – Klassik am Rhein 03/26
Helden und große Gefühle
Die fulminanten Choreographien von Brig Huezo – Tanz in NRW 03/26
Unerhörte Musik
Festival Her:voice in Essen – Oper in NRW 03/26
Weg der Erleuchtung
„Awakening“ an der Oper Bonn – Oper in NRW 03/26
Mit Flöte und Balafon
Jakob Manz European Jazz Night in Köln – Improvisierte Musik in NRW 02/26
Irrlichterndes Begehren
„Le Nozze di Figaro“ an der Oper Köln – Oper in NRW 02/26
Gleichheit und Freiheit
„Grund und Boden“ in K21 in Düsseldorf – Kunst in NRW 02/26
Frischer Wind
Louis Philippson im Konzerthaus Dortmund – Klassik an der Ruhr 02/26
Nie erkaltender Stoff
„I Capuleti e i Montecchi“ in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 02/26
Keine Entspannung
Kulturmanagerin Mechtild Tellman über die Zukunft des Tanzes – Tanz in NRW 02/26
Spiel mit der Psyche
Hofesh Shechter gastierte mit seiner Tanzkompanie in Köln – Tanz in NRW 01/26
Ab in die Hölle
Zwei Opern mit Bezug zu Dantes „Inferno“ in Gelsenkirchen – Oper in NRW 01/26
Hymne an Liebe und Toleranz
„Der Barbier von Sevilla“ an der Oper Bonn – Oper in NRW 01/26
Aus der Perspektive
Ingrid Wiener im Marta Herford – Kunst in NRW 01/26
Väter und Söhne
Christoph und Julian Prégardien in Dortmund und Köln – Klassik an der Ruhr 01/26