Wer heutzutage einen der heißbegehrten Ausbildungsplätze zum Veranstaltungskaufmann ergattern kann, lernt in drei Jahren unter anderem, Partys zu organisieren, die mehr und mehr einer kühlen Reißbrettkalkulation folgen. Aspekte wie omnipräsente Reklame, Sponsoring und große, Massen anziehende Namen spielen in dieser Schule eine wichtige Rolle.
Wenn sie mit ihrem ein wenig existentialistisch anmutenden Charisma ans Mikrofon tritt und mit ihrer unaufgeregt-eindringlichen Stimme ihre Songs interpretiert, dann fühlt man sich sofort in die Zeiten rauchgeschwängerter, schummriger Jazz-Keller zurückversetzt, in denen die Musik zum Lebenselexier wurde.
Einer der wichtigsten und international gefragtesten Künstler ist derzeit Thomas Schütte. Was Schüttes Kunst auszeichnet, das erhellt eine umfassende Schau der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik, die sich einem zentralen Aspekt seiner Arbeit zuwendet: seinen Architekturmodellen.
Den seit Andrew Lloyd Webbers „Cats“ die Szene beherrschenden Event- Musicals mit ihren jahrelangen Laufzeiten scheint die Puste auszugehen. Zur Wiederbelebung schickt man sie deshalb durch die Republik, wie jetzt „Ich war noch niemals in New York“, das von Hamburg nach Stuttgart wechselt.
Als 1913 im Pariser Théâtre des Champs-Elysées das Ballett „Le sacre du printemps“ („Das Frühlingsopfer“) uraufgeführt wurde, kam es zu einem der größten Skandale der Theatergeschichte. Es lässt sich nicht sagen...
Auf dem Cover des Essener Spielzeithefts ist der Schauspieler Sven Seeburg zu sehen, dem Ohr und Nase mit je einer Möhre verstopft sind. Daneben prangt der Schriftzug „Mit Essen spielt man nicht“. Eine Metapher mit Ausrufezeichen, die im Heft zwischen Stadtprojekt, Benimmregel und Putenschnitzel erschöpfend durchdekliniert wird. Stilsicher ist das nicht gerade.
Christo, wie seine Ehefrau Jeanne-Claude am 13. Juni 1935 geboren, wurde schon früh und für Künstler ungewöhnlich stark bekannt – dies liegt an den spektakulären, riesigen Projekten des amerikanischen Künstlerpaares. Christo und Jeanne-Claude zelebrieren einen von Mal zu Mal angemessenen und ästhetischen Umgang mit Landschaft oder Architektur. Zu ihren Arbeiten gehören neben der Verhüllung des Reichstages 1995 die „Surrounded Islands“ vor Florida 1983, bei der schwellende rosa Flächen das Grün der Inseln umgeben, oder die „Gates“, die 2005 einen Parcours im New Yorker Central Park bildeten.
Bereits im Juli beschäftigte uns die These: Festspiele essen Tageskultur auf! Es ging um die schlecht besuchten Konzertsäle all überall, um die Manager und um mögliche Ursachen. Die Lenker in diesem Spiel mit der „Klassischen“ Musik setzen auf ambitionierte Programme, das große Publikum bleibt zu Hause und träumt von Operettenseligkeit. Oder die Fans nutzen die einstigen Ferien und besuchen Festspiele und Festivals – ihre Zahl steigt ständig an.
Gibt es wohl so etwas wie ein Sommerinstrument? Die Vuvuzelas aus Südafrika strahlten als Alptraum vom Schwarzen Kontinent, sie besetzen unumstritten Platz 1 unter den nervigsten Stimmungshupen. Aber ein angenehmer Sommerwind lässt sich natürlich am leichtesten von einem Blasinstrument imitieren, und warm ist der Hauch auch noch: Körpertemperatur wahrscheinlich. Mein Sommerinstrument ist die Zugposaune. Sie ist die Lyrikerin unter den Blechblasinstrumenten, ein viel belachter Clown im Happy Jazz, Verkünder einer Frühschoppengemütlichkeit im Dixieland und Klangträger bei festlichen Straßenumzügen. Aber immerhin ließen Posaunen auch ganze Stadtmauern einstürzen, Karlheinz Stockhausen bewaffnete in seiner „Lichtoper“ Luzifer mit diesem Instrument, und der Posaunist Christian Lindberg schrieb ein Posaunenkonzert für das im Solokonzertleben völlig unterbelichtete Instrument, in dem der Posaunist auch das Orchester dirigiert: Lindbergs Rache an allen eitlen Dirigenten, so verriet er. Selbst dieses Ernste Konzert ist witzig, unangepasst und unterhaltsam.
Das geht einem schon unter die Haut, wenn plötzlich eine Welle durch das Parkett schwappt und sich das Publikum auf breiter Front von seinen Sitzen erhebt. Standing Ovation für 17 buddhistische Kampfmönche aus dem legendären Shaolin-Tempel in der chinesischen Provinz Henan. Ausgestattet wie Banker in grauen Geschäftsanzügen tanzen sie eine Choreographie des flämisch-marokkanischen Tänzers Sidi Larbi Cherkaoui. In Köln ist Gastspiel-Time angesagt. Nach der Trennung von Amanda Miller und ihrer Truppe pretty ugly war noch Geld für den Tanz übrig. Die Bemühungen, einen namhaften Choreographen für ein hauseigenes Ensemble zu finden, waren nicht von Erfolg gekrönt. Kein Wunder, hätten sich der neue Mann oder die neue Frau doch gleich in den Provisorien eines jahrelangen Interims wiedergefunden, da Schauspiel und Oper vor einer grundlegenden Renovierungsphase stehen. Wenn schon keine eigene Truppe, dann wenigstens ein paar internationale Pralinés der Tanzkunst für ein Publikum, das schon seit dem Aus von Jochen Ulrichs Tanzforum Mitte der Neunziger Jahre ohne diesen Zweig der darstellenden Kunst auskommen muss.

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