Tschö, Kögida! Und ja, auch die anderen Gidas schwinden sichtlich dahin. Dank einer schon aberwitzig inkompetenten Führerriege. Dank einer erdrückenden Zahl an Gegendemonstranten. Und dank jener rechten Gruppierungen, die sich nach und nach dem Wohlstandsprotest angeschlossen haben und anschaulich darlegten, dass es keine gemäßigte Islamfeindlichkeit gibt. Was bleibt? Ach ja, die AfD, die ist da ja auch ganz offiziell mitmarschiert. Doch statt weiterhin falschen Patrioten zu folgen, schlagen wir allen Wutbürgern aus der sogenannten „Mitte“, die gern mal gegen Andersglaubende, vor allem aber für mein Auto, mein Haus und mein Boot demonstrieren, vor: Gehen Sie jetzt doch, wo das mit der Pegida abebbt, montags einfach mal ins Kino! Da werden regelmäßig Filme gezeigt, die sich in aller und vor aller gebotener Vielfalt auch mit Ihren Themen auseinandersetzen.
Filme, die erkenntnisreiche Alltagseinblicke in die nahe oder ferne Fremde gewähren, so wie in diesem Monat das äthiopische Gesellschaftsdrama „Das Mädchen Hirut“, die französische Tragikomödie „Heute bin ich Samba“ oder das Sozialdrama „Bande de filles“. Filme, die schmerzhaft oder humorvoll, fiktional oder dokumentarisch, aber immer lebensnah vom anders und woanders erzählen. Und im Umkehrschluss zugleich davon, wie gut es uns doch eigentlich geht. Eben dies immer wieder vor Augen zu führen, ist sichtlich notwendig. Das Sozialexperiment „The Third Wave“, das 1967 in den USA durchgeführt wurde und die menschliche Verführbarkeit samt Sündenbockmechanismen durchexerzierte, wurde 1981 fürs Fernsehen verfilmt, der Roman dazu ist hierzulande längst Schullektüre. Im Jahr 2000 folgte ein Musical und 2008 der deutsche Kinofilm „Die Welle“. Pegida ist eine Welle.
Wer Lügenpresse sagt, der sagt vermutlich auch Lügenkino. Und ja, wir geben zu: Das Kino lügt! Jeden Tag aufs Neue, wenn es uns zum Beispiel von Reisen durch unendliche Weiten oder nach Mittelerde erzählt. Das ist reine Fantasie, das sind lose Behauptungen. So wie Pegida-Parolen lose Behauptungen sind. Nur gelingt es dem Kino zumeist, innerhalb seiner losen Behauptungen auch Wahrhaftigkeit zu manifestieren. Erst recht aber wahrhaftig ist die große Leinwand, wenn sie unendliche Weiten und Mittelerde hinter sich lässt und sich lebensnah gibt, wenn sie vom hier und dort erzählt im gestern oder heute. Dann kann Kino unmittelbar Meinungsvielfalt, Meinungsfreiheit und meinungsbildend sein. Im Kinosessel, im Austausch nach dem Besuch, in der Filmkritik. Und ja, Filme können missbraucht werden, können Groll schüren und Gift und Galle. Doch darauf haben Gott und Allah sei’s gedankt nicht zuletzt unsere Kinobetreiber ein Auge, die für uns allwöchentlich ihr Programm zusammenstellen und streitbare Filme kritisch begleiten.
So verschiedentlich die Spielstätten ausgerichtet sind und so unterschiedlich die Geschmäcker sein können, die sie bedienen, so haben sie am Ende doch eines gemeinsam: Ihre Tore stehen allesamt sperrangelweltoffen. Hereinspaziert, Kulturen!
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