Man könnte meinen, es sei zu früh, an die nächste Oscar-Verleihung zu denken, wenn gerade mal die ersten Weihnachtsfilme um die Ecke lugen. Doch auch wenn die 90. Academy Awards wegen der Olympischen Winterspiele erst am 4. März 2018 stattfinden – auf der alljährlich eröffneten „Road to the Oscars“ herrscht schon mächtig Verkehr. So hatten die Einreichungen für die dokumentarischen Kategorien und Kurzfilme bereits im September und Oktober Deadline, die für den animierten Spielfilm am 1. November. Wenn dann hier St. Martin und die Jecken aus ihren Verstecken hüpfen, finden in L.A. schon die „Govenors Awards“ statt; als Preisträger der Ehren-Oscars werden unter anderem Donald Sutherland und Agnès Varda für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Offiziell verkündet wurden auch schon die Beiträge, die sich als „Bester fremdsprachiger Film“ dem Wettbewerb stellen – und diesmal einen neuen Teilnehmer-Rekord verzeichnen. Erstmals sind Filme aus 92 Ländern im Rennen, darunter mit Haiti, Honduras, Laos, Mosambik, Senegal und Syrien sechs Staaten, die vorher noch nie einen Beitrag eingereicht haben.
Aus den deutschsprachigen Ländern wurden zwei Filme entsandt, die bereits in unseren Kinos zu sehen waren: Michael Hanekes Farce „Happy End“ vertritt Österreich, das mit „Die Fälscher“ (2008) und „Liebe“ (2013) bereits zweimal obsiegte; die Schweiz, ebenfalls zweifacher Oscar-Gewinner („Gefährliche Züge“, 1985, und „Reise der Hoffnung“, 1991), setzt auf Petra Bionda Volpes Emanzipations-Komödie „Die göttliche Ordnung“. Und Deutschland? Auch wenn es letztes Jahr nicht geklappt hat mit „Toni Erdmann“, waren wir immerhin schon dreimal Oscar – mit Volker Schlöndorffs Adaption von „Die Blechtrommel“ (1980), Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ (2003) und Florian Henckel von Donnersmarcks „Das Leben der Anderen“ (2007). 2018 nun soll der Hamburger Jung Fatih Akin den Goldjungen aus Hollywood holen.
German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, hat sein Drama „Aus dem Nichts“ auserkoren. Im Mai wurde Hauptdarstellerin Diane Kruger für ihre Leistung bereits als beste Darstellerin der Internationalen Filmfestspiele von Cannes prämiert. Ob der Film eine Chance hat, davon kann sich das heimische Publikum ab diesem Monat endlich selbst ein Bild machen. Und dann heißt es: Daumen drücken – schließlich bedeutet die nationale Nominierung noch nicht, dass der Kandidat auf der noch 2017 zu verkündenden, auf neun Filme zusammengeschrumpfte Shortlist stehen bleiben wird. Ist diese Hürde geschafft, geht es schließlich darum, zu den finalen fünf Nominierten zu gehören, die am 23. Januar bekanntgegeben werden.
Die Zeit bis dahin ist noch lang, zugegeben. Vertreter der Gattung Filmfan, Unterart Awards-Geek, wissen sich die aber stilecht zu verkürzen. Etwa mit Spekulationen über mögliche Oscar-Kandidaten anderer Kategorien, die man schon sehen konnte oder noch sichten will. Kathryn Bigelow wäre da ein heißer Tipp und ihr Drama über die Rassenunruhen von „Detroit“ – ebenfalls im November im Kino.
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