Ein Schiffsunglück vor zwei Jahren hat das Fischerdorf A Guarda tief erschüttert. Auch die 18-jährige Andrea (Judith Fernández), die dabei ihren Vater verlor, ist noch immer traumatisiert. Seit der Katastrophe hat der alljährliche Auftritt des Musikensembles beim Rondalla-Wettbewerb nicht mehr stattgefunden. Nun wollen die Dorfbewohner die Tradition wiederbeleben und bitten Andrea, die Leitung des Ensembles zu übernehmen – so wie einst ihr Vater. Bis zum Wettbewerb, auf den man sich früher ein ganzes Jahr lang vorbereitete, bleiben den Musiker:innen diesmal nur drei Monate. Daniel Sánchez Arévalo erzählt in „So klingt das Leben“ (Cinenova, Filmpalette, Odeon) von Verlust und Trauer, von Zusammenhalt und der Kraft, neu anzufangen. Durch die Musik gelingt es seinen Figuren, sich der Vergangenheit zu stellen und mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken.
Christopher Nolan, visionärer Erzähler vor dem Herrn, adaptiert Homers Odyssee, eine der ältesten und bedeutendsten abendländischen Dichtungen. Nolans Irrfahrt des Odysseus fällt erwartungsgemäß wuchtig aus, betörend, fundamental: Visuell und auditiv schlichtweg überwältigend, dirigiert der Regisseur sein brillantes Cast durch Homers Gesänge, die jener schon vor knapp 3.000 Jahren geschickt verschachtelt dichtete. Und natürlich erzählt der Brite kein unterhaltsames Abenteuer wie etwa seinerzeit Mario Camerini mit Kirk Douglas. Nolan adaptiert erhaben und erwachsen. Sein Abenteuer ist getragen von anregender Ernsthaftigkeit – und nichts für Kinder. In Zeiten, zu denen Demokratien zunehmend barbarisch walten, gewinnt das antike Epos „Die Odyssee“ (Cinedom, Cinenova, Cineplex, Lichtspiele Kalk, Metropolis, OFF Broadway, Residenz, Rex, UCI) an zusätzlicher Brisanz, wenn Drehbuchautor Nolan es philosophisch und psychologisch unterfüttert, durchaus auch mal augenzwinkernd, wenn er zum Beispiel den Umgang mit Königen kommentiert.
Alle Neustarts der Woche unter: Neu im Kino.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Die Ordnung unter dem Himmel
Victoria Bell mit einer Skulptur und Bildern im Kolumba – kunst & gut 07/26
Dem Tod abgerungen
„Eddos goldenes Lächeln“ von Stella Gaitano – Literatur 07/26
„Was ist der Ursprung von Konflikten?“
Regisseurin Sabine Hahn über „Antigone“ am Comedia Theater – Premiere 07/26
Bildung für die diverse Gesellschaft
Teil 1: Lokale Initiativen – Der Kölner Stadtverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Deutsche Angst
Geschichte und Gedächtnis – Glosse
Jazz aus Südafrika
Pianist Nduduzo Makhathini mit der WDR Big Band in Köln – Improvisierte Musik in NRW 07/26
Glühender Zorn
„Das Teufelsbuch“ von Asta Olivia Nordenhof – Textwelten 07/26
„Im Augenblick sehe ich keine kritische Masse für eine breite Bewegung“
Teil 1: Interview – Politologe Alexander Gallas über Protest, Streik und Generalstreik
Von Tod und Teufel
„Walpurgisnacht“ in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 07/26
Den Banken widersprechen
Island und das Gemeinwohl – Europa-Vorbild Island
Nach wie vor relevant
„Virginia Woolf’s Night & Day“ im Cinenova – Foyer 07/26
Auf sich gestellt
„Wir gehen mal los“ von Raffaella Romagnolo – Literatur 07/26
Von Hexen und Psychiatern
Sinfoniekonzert „Dämonen“ an drei Orten im Ruhrgebiet – Klassik an der Ruhr 07/26
Giftige Hirngespinste
„The blind Owl / Die blinde Eule“ am Theater der Keller – Tanz in NRW 07/26
Gegen den Wohnsinn
Holgers letzte Worte – 07/26
Mehr als einem lieb sein kann
Teil 1: Leitartikel – NS-Erbe: Das Arbeitsrecht unterdrückt politischen Widerstand von Beschäftigten
Kopfzustände
„Two Queens“ am Metropol Theater – Auftritt 07/26
Was uns im Juli erwartet
Das „größte Fest aller Zeiten“, Fußball und Kino – Vorspann 07/26
Stille Hochkaräter
2. Even Flow Festival am Tanzbrunnen – Festival 06/26
Für die ganze Familie
Kostenloses Open-Air-Programm beim „Sommer Köln 2026“ – Prolog 06/26
Schule mit Herz und Humor
„Shrimpie und ich“ von Moni Port und Claudia Weikert – Vorlesung 06/26
Oppositionelle in der DDR
„Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung“ im Filmhaus – Foyer 06/26
Die eigene Karte als Kompass
„Ich mal mir meine Welt“ von Nicola Davies – Vorlesung 06/26
Emotionaler Kraftakt
„Il Trovatore“ an der Düsseldorfer Rheinoper – Oper in NRW 06/26
Die Skyline im Blick
Benjamin Schmid in Düsseldorf – Klassik am Rhein 06/26