Jessie (Carla Hüttermann) führt ein ganz normales Teenie-Leben mit ihrer Mutter (Birgit Minichmayr) und Schwester Melli (Lotte Shirin Keiling) in Berlin. Doch nach einer durchtanzten Nacht mit ihrem Freund Lux (Tristán López) stürzt sie vom Dach eines Hochhauses. Ein Jahr nach ihrem Tod hadern Lux, Melli und ihre Mutter immer noch mit dem Verlust – und fliegen spontan nach Teneriffa in den Urlaub, der eigentlich mit Jessie geplant war. Die Eröffnungssequenzen in „Everytime“ (Cinenova, Cinenova Open Air, Filmpalette, Odeon) sind grandios: Sandra Wollner fängt in pulsierenden Bildern den Vorabend und die Nacht bis zum Morgen von Jessies Sturz ein und findet einen Erzählrahmen, der die schmerzhaften Ereignisse sicher einbettet. Ein Jahr nach Jessies Tod jedoch scheinen die Charaktere distanzierter – durch ihre Trauer gezeichnet? Im Teneriffa-Urlaub verschwimmen Realität und Traum, Erinnerung und Gegenwart – streckenweise so sehr, dass sie den Raum zur Verarbeitung der Trauer eher verengen, statt ihn zu erweitern.
Es braucht mehr Filme aus der Perspektive von Tieren! Das dachte sich vermutlich auch der ungarische Regisseur Pálfi György: Mit „Lebensansichten eines Huhns“ (Bonner Kinemathek, Filmhaus, Odeon) erzählt er die Biografie einer Henne, der die Flucht aus der Gefangenschaft gelingt – mehr oder weniger. Das Huhn entkommt den tödlichen Fließbändern der Geflügelindustrie und erreicht als Schwarzfahrerin ein Restaurant am Mittelmeer, stolpert von einem Käfig in den nächsten. Immer wieder dringt die Henne dabei in Orte ein, in denen Federvieh nichts verloren hat und wird so ungewollt Zeuge der schmutzigen Geschäfte der Zweibeiner. Eine friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Tier ist nicht in Sicht. Dass es der Hauptdarstellerin biologisch bedingt an Ausdruckskraft mangelt, ist eine der größten Stärken des Films. Die besten Momente entstehen dann, wenn die geflügelte Protagonistin den Menschen und ihren Problemen mit der Nonchalance eines Dinosauriers begegnet.
Alle Neustarts der Woche unter: Neu im Kino.
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