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Victoria Bell, Fliegende Lokomotive, 2005, rotes Zedernholz, verleimt, Schichtholz, Stahl und Edelstahl, Ausstellungsansicht Kolumba, © Künstlerin
Foto: Mareike Tocha

Die Ordnung unter dem Himmel

13. Juli 2026

Victoria Bell mit einer Skulptur und Bildern im Kolumba – kunst & gut 07/26

Die „Fliegende Lokomotive“ von Victoria Bell bleibt im Kolumba! Zwar endet im August die aktuelle Jahresausstellung, aber als Neuzugang in der Sammlung wird die große Skulptur aus Zedernholz und Metallteilen auch weiterhin im turmartigen Raum zu sehen sein. Die „Lokomotive“ besitzt bei aller Abstraktheit etwas Selbstverständliches und strahlt trotz ihrer Wuchtigkeit eine. Die zwei Räder aus Stahl korrespondieren mit dem Holzgerüst, auf dem dünne Stäbe wie Saiten eines Musikinstruments gespannt sind. Nichts ist zu viel, alles besitzt Korrespondenzen, die mit zur Vieldeutigkeit beitragen. Natur trifft auf Technik, Archaisches weist in die Zukunft. Gewicht wird federleicht, ein Möbiusband scheint die Gravitation aufzuheben, so dass die „Lokomotive“ gleich abheben und zu den Sternen fliegen könnte.

Man möchte mehr von dieser großartigen Künstlerin wissen, und genau diesen Wunsch erfüllen sich und uns die Kuratoren des Kolumba. Im Saal vor der „Lokomotive“ hängt eine kleine Übersichtsschau der Öl-Acryl-Malereien und Zeichnungen, die angesichts der Holzskulpturen manchmal vergessen werden. Einsetzend Mitte der 1970er Jahre, vertiefen sie das Vokabular auf der Fläche oder bereiten es umgekehrt für die räumlich-plastische Umsetzung vor.

Victoria Bell, Fliegende Lokomotive, 2005, rotes Zedernholz, verleimt, Schichtholz, Stahl und Edelstahl, Ausstellungsansicht Kolumba, © Künstlerin, Foto: Mareike Tocha

Victoria Bell wurde 1942 in Chicago geboren. Seit 1969 ist sie in Köln ansässig. In den USA hat sie in Northampton/Mass. und Berkely Kunst und Naturwissenschaften – vor allem Physik – studiert. Sie betont noch heute, wie wichtig ihr dort die Auseinandersetzung mit der Land Art und der Minimal Art war. Dass sie deren kalkulierter Kühle eine Sinnlichkeit entgegensetzen wollte und Holz mit seiner Archaik, seiner Oberfläche und seinem organischen Volumen das geeignete Material sei, dem sie aus der Hand heraus mit der Axt, der Säge, mit dem Beitel und Meißeln eine pulsierende Expressivität verleiht. Dass sie das Holz als Landschaft verstehe. Anschaulich wird dies noch durch kontrastierende Stahlelemente, mit denen sie die massiven Holzkörper zur fertigen Skulptur verbindet. Dazu sehen ihre Werke von jeder Seite anders aus, ebenso wie sich bei den Bildern, die genauso zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changieren, verschiedene Schichten, teils als reine Umrisszeichnung voreinander schieben und verschmelzen. In einer zarten Farbigkeit nur angedeutet, künden sich in den Bildern Motive und Erzählungen an, die auf die unberührte Natur weisen, Respekt vor den indigenen Völkern zum Ausdruck bringen und noch die Evolution der Tiere thematisieren. Im Atelier in einem aufgelassenen Schulgebäude in Niehl berichtet Victoria Bell auch von ihrem lebenslangen Interesse an der Quantenphysik. In ihren Skulpturen und Bildern entstehen daraus Geschichten, die von dem Übergeordneten des Kosmos und seinen Gesetzen und dem Zustand der Erde berichten und auf die fragile Balance der Natur hinweisen.Sie erinnern mitunter an die ausgestorbenen oder unentdeckten Tierarten.Vielleicht ist auch die „Fliegende Lokomotive“ ein solches Geschöpf, nun mit einem Paar Flügel wie ein riesiger wundersamer Schmetterling.

Make the secrets productive! | bis 14.8. | Kolumba | 0221 933 19 30

Thomas Hirsch

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