
Sie sind chronisch überlastet, weil es an allen Ecken und Enden an Ressourcen fehlt: Lehrkräfte, Erzieher:innen und andere Beschäftigte im Bildungssektor. Dafür, dass sich ihre Arbeitsbedingungen verbessern, engagiert sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die 1948 gegründet wurde und zum Dachverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes gehört. „Wir setzen uns für gute Arbeitsbedingungen und gute Bezahlung aller Beschäftigten ein“, sagt Nina Goerges, die Teil der Leitung des Kölner Stadtverbandes ist. „Das ist sehr notwendig, weil die Wichtigkeit des Bildungsbereiches mehr in den Blick gerückt werden muss, auch hier in Köln.“ Gute Bildung sei das Fundament einer jeden funktionierenden Gesellschaft, weil sie ihre Individuen befähige, für Stadt und Wirtschaft das zu tun, was nötig sei.
Beratung für Mitglieder
Wer Mitglied in der Gewerkschaft wird, kann sich in verschiedenen Belangen beraten lassen. „Unsere Mitglieder können jederzeit anrufen und alles fragen, was sie wollen, wir haben eine telefonische Rechtsberatung“, sagt Goerges. Dabei müsse es nicht um große Themen gehen, bei denen direkt ein Anwalt eingeschaltet werde. Viele Mitglieder hätten einfach Fragen zu ihrem Arbeitsvertrag oder Regelungen ihres Arbeitgebers und wünschten sich fachgerechte Unterstützung bei Unsicherheiten. Goerges nennt als Beispiel Grundschullehrkräfte, die mit 30 Kindern in die erste Klasse starten – doch im Gegensatz zu früher befänden sich diese Kinder nicht auf einem Niveau, was Sprache und Schuleignung angehe. „Das kann gar nicht funktionieren“, sagt Goerges. „Diverse Gesellschaft braucht diverse Bildung.“
Erfolg: Gehälter für Lehrkräfte
Als Erfolg der GEW der vergangenen Jahre benennen Goerges und ihre Kollegin Jutta Jilg die Anhebung der Gehälter von Grundschullehrkräften auf das gleiche Niveau wie von Lehrkräften an fortführenden Schulen. „Das war ein langer, harter Kampf“, sagt Goerges. Beschlüsse wie der Digitalpakt 2.0, mit dem Bund und Länder in den kommenden Jahren fünf Milliarden Euro zur Digitalisierung in Schulen investieren wollen, beeindrucken Goerges und Jilg nur bedingt. „Das ist zu wenig konkret“, sagt Goerges, „das hört sich erst einmal viel an, ist es aber oft nicht.“ Statt abstrakter Zahlen sollten zunächst klare Bedarfe bestimmt werden – und dann entschieden werden, wie viel Geld nötig sei, etwa für gezieltes Personal zur Wartung von digitalen Endgeräten.
Demokratie und Bildung
Angesichts der aktuellen politischen Lage sehen Goerges und Jilg einen wesentlichen Aspekt der Gewerkschafts- und Bildungsarbeit auch in der Demokratieförderung. „Die Demokratie in Deutschland bröckelt und muss unbedingt gestärkt werden“, sagt Goerges. Aktuell gibt es vom Landesverband der GEW daher das Projekt „Bildung bleibt stabil“. Es soll den Menschen in der Bildungsarbeit den Rücken stärken und gleichzeitig auf die große Rolle, die Bildung für den Erhalt der Demokratie spielt, aufmerksam machen. Auch der Stadtverband Köln bietet regelmäßig Workshops und Fortbildungen hierfür an. „Gerade im Bezug auf die Landtagswahlen nächstes Jahr in NRW ist uns das sehr wichtig“, sagt Jilg.
Gegen die Resignation
Goerges und Jilg beobachten außerdem eine gewisse gesellschaftliche Resignation. „Wir merken, dass es Menschen gibt, die sich zurückziehen und sagen ‚mir das ist eh alles zu viel‘ und gar nicht mehr die Kraft haben, sich im täglichen Leben noch für das große Ganze einzusetzen“, sagt Goerges. „Das wollen wir auf jeden Fall ändern und versuchen, die Leute zu aktivieren und ins Tun zu kommen.“
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Teil 3: Lokale Initiativen – Solidarisch und unbeirrbar: Wuppertals Frauenverband Courage