Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
23 24 25 26 27 28 1
2 3 4 5 6 7 8

12.646 Beiträge zu
3.865 Filmen im Forum

Gegen Antifeminismus braucht es Zusammenhalt
Foto: Ana/Adobe Stock

Rauf mit der Hemmschwelle

26. Februar 2026

Teil 1: Lokale Initiativen – Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Köln

Ronja Heukelbach und Julia Haas, Referentinnen der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) NRW, beraten Menschen, die nach rechtsextremen Vorfällen Rat benötigen oder solchen Bedrohungen vorbeugen wollen. Im Mittelpunkt steht, sich über die Vorfälle und Szenarien auszutauschen, sie einzuordnen und handlungsfähig zu bleiben.

Die MBR Köln ist Teil eines bundesweiten Netzwerks gegen Rechtsextremismus. Ratsuchende sind Einzelpersonen, Schulen, Verbände, Parteien oder Behörden. Das Team arbeitet präventiv und anlassbezogen: Es dokumentiert Vorfälle, ordnet sie ein, schätzt Risiken ab und entwickelt Handlungsempfehlungen. Dabei beobachten Heukelbach und Haas zunehmend Überschneidungen zwischen rechtsextremen Vorfällen und Frauenfeindlichkeit bis hin zu Antifeminismus. Hier gilt es, „Codes“ zu erkennen: Verhaltens- oder Erzählweisen, die Aufschluss über Motive geben.

Vermehrt antifeministische Bezüge

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Anfragen an die MBR gestiegen, vermehrt mit Bezügen zu Antifeminismus und Queerfeindlichkeit. Haas erklärt, dass es oft schwerfällt, zwischen Sexismus, Kritik an feministischen Ideen und Antifeminismus zu unterscheiden. Antifeminismus ist eine politisch organisierte, patriarchale Gegenbewegung, die eine vermeintlich natürliche Ordnung behauptet. Er wirke stark, weil er sehr unterschiedliche Stimmen und Motive vereine. Er knüpfe an emotional aufgeladene Debatten an, etwa zu gendergerechter Sprache, Gleichstellungspolitik oder sexueller Bildung.

Antifeminismus kann ein Einfallstor zu rechtsextremen oder religiös-fundamentalistischen Positionen sein. Er setzt bewusst auf vereinfachte und mutmaßlich anschlussfähige Argumente. Daher, so Haas, fänden viele Menschen sich darin leicht wieder, jedoch ohne die Konsequenzen zu erkennen, die sich aus den derart manipulierten Argumenten ergeben: Die pauschale Ablehnung feministischer Positionen kann schleichend ein Weltbild festigen, das Vielfalt ablehnt und hierarchische Geschlechterordnungen als natürlich oder gottgewollt darstellt.

Wie solche Bündelungen funktionieren, zeige sich an öffentlichen Veranstaltungen, erklärt Heukelbach. Aktionen wie der „Marsch fürs Leben“, der sich u.a gegen Schwangerschaftsabbrüche richtet und zuletzt auch in Köln stattfand, werden von rechtsextremen und religiös-fundamentalistischen Gruppen mitgetragen, ziehen aber ein breites Publikum an. Nach außen wirken solche Veranstaltungen harmlos, sagen die Beraterinnen, und genau darin liege ihre Wirkung. Sie senken die Hemmschwelle für Ideologien, die demokratische und selbstbestimmte Lebensentwürfe infrage stellen.

Demokratie ist nicht selbstverständlich

Heukelbach und Haas betonen, dass ihre Arbeit über Dokumentationen und Beratung hinausgeht. Es geht darum, Netzwerke zu schaffen, Strukturen aufzubauen und sich gemeinsam gegen reaktionäre Entwicklungen zu stellen. Demokratie sei ein lang umkämpftes Gut, das freies Zusammenleben sichert. Deshalb sei es wichtig, wachsam zu bleiben und sich bewusst zu machen, wie schnell gesellschaftliche Dynamiken in reaktionäre Richtungen kippen können. Die Arbeit der MBR Köln zeigt, wie wichtig geschützte Räume, Austausch und Vernetzung sind.

Viktoria Szostakowski

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Neue Kinofilme

Marty Supreme

Lesen Sie dazu auch:

Erschütternd normal
Intro – Gegenwehr

Glaube und Geld
Teil 1: Leitartikel – Gegen den milliardenschweren Kulturkampf der rechten Christen hilft kein Beten

„Man darf auswählen, wem man sich unterwerfen will“
Teil 1: Interview – Religionssoziologe Gert Pickel über christliche Influencer

Die Gefahr im eigenen Zuhause
Teil 2: Leitartikel – Gewalt gegen Frauen nimmt zu und betrifft die ganze Gesellschaft

„Es wird versucht, das Strafrecht als politisches Mittel zu nutzen“
Teil 2: Interview – Juristin Susanne Beck über Gewalt gegen Frauen

Eine bessere Zukunft
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Frauenberatungsstelle Duisburg

Lebensrealität anerkennen
Teil 3: Leitartikel – Schwangerschaftsabbrüche zwischen Strafrecht und Selbstbestimmung

„Es geht um Kontrolle über Menschen, die schwanger werden können“
Teil 3: Interview – Medizinerin Alicia Baier zum Streit über Schwangerschaftsabbrüche

Raus aus der Grauzone
Teil 3: Lokale Initiativen – Solidarisch und unbeirrbar: Wuppertals Frauenverband Courage

Sensibel verzahnte Reformen
Wie Portugal Maßstäbe bei der Bekämpfung von Gewalt an Frauen setzt – Europa-Vorbild: Portugal

Der Kanzler und Hegel
Jetzt ist aber auch mal gut mit diesem ganzen Minderheitengedöns! – Glosse

„Die Wut in unserer Generation ist keine Laune!“
Menschenrechts-Aktivistin Jennifer Follmann über den Frauenstreik zum 9. März

Lokale Initiativen