Taking Woodstock
USA 2009, Laufzeit: 120 Min.
Regie: Ang Lee
Darsteller: Jeffrey Dean Morgan, Emile Hirsch, Liev Schreiber, Paul Dano, Dan Fogler, Kelli Garner, Eugene Levy, Imelda Staunton, Demetri Martin
Weil er das Motel seiner Eltern retten will, bietet Elliott Tiber 1969 heimatlos gewordenen Konzertveranstaltern eine Wiese an. Von dem Ausmaß des Open Air-Spektakel ahnt er nichts.
Vierzig Jahre ist es jetzt her, dass Woodstock die Dimensionen sprengte und Rockfestivals in eine neue Ära katapultierte. Zugleich wurde es zum Mythos einer Bewegung. Zu ihrem medialen Höhepunkt und zugleich zum Zeichen des Kollaps'. Kurz zuvor schockte die langhaarige Manson-Family mit ihren Morden. Noch im selben Jahr endet der Hippietraum von „Love, Piece & Happiness“ mit einem Mord an einem Schwarzen während des Gratiskonzerts der Rolling Stones in Altamont.
Von all dem ahnt der junge Elliott nichts, als er zu seinen Eltern fährt, um mal wieder deren bankrottes Motel vor dem Ende zu bewahren. In Bethel, dem verschlafenen Nest seiner Kindheit, hält ihn eigentlich nichts. Am wenigsten seine griesgrämige, geizige Mutter, die mit ihrer Art jeden Kunden verscheucht. Dann liest Elliott in der Zeitung, dass die Nachbargemeinde aus Angst vor dem Ansturm der Hippies ein großes Rockfestival hat platzen lassen. Er wittert die Chance, das Festival nach Bethel holen zu können. Die eigene Wiese hinter dem Motel ist zwar zu klein, dafür einigt man sich mit dem Milchbauern Max. Das Motel von Elliotts Eltern wird das Hauptquartier der Konzertveranstalter. Eine halbe Million Menschen versammelt sich auf dem Festivalgelände, ebenso viele stecken auf den Straßen im Chaos fest. Der Rest ist Geschichte.
Ang Lee macht mit „Taking Woodstock“ einen angenehm leichten Film über das legendäre Open Air-Konzert der Hippie-Ära. „Woodstock“, die dreistündige Doku von Michael Wadleigh – 1970 erfolgreich in den Kinos gestartet – kennt fast jeder. Daher ist Lees persönlichere Perspektive eine große Bereicherung. Nach dem autobiografischen Roman von Elliott Tiber erzählt er hier, wie eine Horde Individualisten in ein von der Gegenkultur noch recht unberührtes Fleckchen Land einfällt. Für Elliott, der gerade mühselig den Absprung ins eigene Leben angeht, ist die Konfrontation mit all den Freaks ein Katalysator für die Selbstfindung und die längst fällige Abnabelung von seinen Eltern. Der ruhige Vater hat nicht viel zu sagen, und die Mutter ist eine paranoide Giftschlange, die nur einmal im Film fröhlich ist: während eines ungewollten LSD-Trips.
Neben dieser spannungsgeladenen Familiengeschichte (großartig: Imelda Staunton als Mutter) transportiert der Film auch viel vom sozialen Mit- und Gegeneinander der Zeit. Die Menschen aus der Provinz begegnen dem Neuen mit Argwohn. Dieses Neue ist aber wiederum auch ein komplexes Gemisch. Davon zeugen überraschende Bilder von geschäftigen Anzugträgern neben dem auf einem Pferd Jesus gleich über die Wiese schwebenden Veranstalter Michael Lang. „Woodstock“ war kein spontanes Hippie-Sit-In, sondern ein Millionengeschäft. Wenn auch vor Film- und Soundtrackauswertung zunächst ein millionenschweres Minusgeschäft. Dass Idealismus aber dennoch groß geschrieben wurde, davon zeugen Bilder aus dem alten „Woodstock“-Film. Da erzählen die Veranstalter Lang und Artie Kornfeld lachend vom finanziellen Desaster. „Aber sie sehen so glücklich aus“, wundert sich der Interviewer. Kornfeld, über die Menschenmassen blickend: „This is so beautiful, right?“.
(Christian Meyer)
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