Als Utopieentwurf zur Welt der viralen Hypes und permanenten Ablenkung sieht sich das Even Flow Festival am zweiten Juliwochenende. Der Flow stehe für das Aufgehen im Moment, für den Fokus auf‘s Zuhören, so die Veranstalter. Die Bandauswahl solle auch Musikern einen Raum bieten, die auf anderen Festivals nur schwer einen Platz finden, „weil zu sensibel“ (Zitat von Nichtseattle, die vor einem Jahr hier auf der Bühne standen).
Stille Hochkaräter finden sich zuhauf im Line-up: am Samstag u.a. Roo Panes, Eleni Drake, Alice Phoebe Lou. Geheimtipp Tessa Rose Jackson spielt auf der Silent Stage, auf der die Musik über Kopfhörer ausgespielt wird. Headliner am ersten Tag sind die US-Folkrocker Beirut, aktuell atmosphärisch unterwegs. Für ihr neues Album „A Study of Losses“ ließen sie sich von der Berliner Autorin Judith Schalansky inspirieren. Am Sonntag sind u.a. zu hören: Catt, Tristan Brusch, Kevin Morby und Robert Stadtlober, letzterer über Kopfhörer mit seinen Tucholsky-Vertonungen. Zudem spielt Aldous Harding. Das Festival schließt eine Lücke: mit Künstler:innen, deren subtile Kraft sich auf anderen Festivals, zwischen wilderer Musik, nicht immer angemessen entfaltet.
Tanzen und mitgrooven sollte trotzdem möglich sein, etwa zum Indierock von Die Höchste Eisenbahn. Und erst recht beim Sonntag-Headliner Curtis Harding. Soul-Grooves der 70er bilden die Grundlage seiner Musik und mischen sich mit Elementen von Hip-Hop, Rock und Jazz. Ebenso variabel Hardings Stimmeinsatz: mal singt er im Falsett, mal „shoutet“ er. Dann wieder gibt es Sprechgesangeinlagen, die seine Liebe für den Hip-Hop verraten, oder zurückgenommen artikulierte Passagen in seiner eher tiefen Normalstimme.
Im November verwandelte seine Band die Essigfabrik in eine große Auf-der-Stelle-Tanzfläche, in der die Fans sich den eleganten Grooves der bisherigen vier Alben hingaben und in Hardings Stimme badeten. Er selbst ist als Entertainer eher introvertiert. Mit seiner Musik und seiner übergroßen Sonnenbrille endet am Sonntag das Festival. Das perfekte Motto für die diesjährige Ausgabe des Festivals lieferte übrigens (schon im Februar auf ihrer Single) die US-Musikerin und Wahlhamburgerin Sophia Kennedy, die den Samstagabend auf der Indoor-Bühne beschließt: „Musik ist kein Krieg“.
2. Even Flow Festival | 11., 12.7. | Tanzbrunnen | www.evenflowfestival.de
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