„Ein freier Unternehmer muss eben überall seinen Anteil haben“, sagt Mario Adorf als Bauunternehmer Schuckert in Rainer Werner Fassbinders Film „Lola“ (1981). Damit hinein ins stARTfestival, gesponsert von Bayer Kultur. Seit 2020 gibt es dieses Format. Über verschiedene Spielstätten verteilt (meist Leverkusen und Umgebung) finden vom 17. April bis zum 18. Juni Veranstaltungen unter dem Motto „So klingt Fühlen“ statt.
Auch in diesem Jahr steht die Lust am Entdecken neuer Ausdrucksformen im Vordergrund. So trifft u.a. das Kammerorchester Wien-Berlin auf den gefeierten französischen Cellisten Gautier Capuçon. Der polnische Cellist Michał Pepol verbindet Klassik mit Pop und spielt Bach, Steve Reich oder auch Tim Buckley. Der Trompeter Simon Höfele musiziert mit dem Dogma Chamber Orchestra. Alisa Weilerstein kommt mit einer audiovisuellen Inszenierung ihres Solo-Cello-Zyklus „Fragments 1“. Anna Mateur zeigt Musikkabarett, die Tänzerin und Choreografin Hendrickx Ntela setzt rebellischen Freestyle auf Streichquartett-Klänge von Schubert. Hani Mojtahedy und die Bayer-Philharmoniker interpretieren Rimskij-Korsakows „Shehezerade op. 35“. Und das Streichquartett Brooklyn Rider spielt das für das Festival beauftragte Stück „Frida‘s Dream“ von Gabriela Lena Frank.
Einige Veranstaltungen wie das Eröffnungsfest am 17. April sind zwar bereits ausverkauft, doch gleich am 21. April folgt im Scala-Club Leverkusen ein mutmaßliches Highlight: Robert Kreis setzt sich ans Klavier und singt. Auch wenn er weniger medial präsent ist als etwa Max Raabe oder Ulrich Tukur, hat er doch die 1920er-Jahre-Retrowelle in Deutschland ins Rollen gebracht. Der aus den Niederlanden stammende Kabarettist und Pianist hat es sich seit fast 50 Jahren zur Aufgabe gemacht, die Aktualität der Kleinkunst der 1920er Jahre in seinen Programmen zu zeigen. Das Berlin der damaligen Zeit: eine Explosion an Lebensfreude, Witz und Freizügigkeit. Mittendrin vor allem die jüdischen Künstlerinnen und Künstler, die einen Schwerpunkt seiner Programme ausmachen. Kreis ist ein Entertainer mit Tiefgang und Witz. Was Kurt Tucholsky 1921 über Otto Reutter schrieb, passt auch zu Kreis: „Alles geht aus dem leichtesten Handgelenk, er schwitzt nicht, er brüllt nicht, er haucht seine Spitzen in die Luft, und alles liegt auf dem Bauch.“
stARTfestival 2026 | 17.4.-18.6. | div. Spielorte überw. in Leverkusen und Umgebung | www.kultur.bayer.de/de/startfestival-2026
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