„Und die Topfpflanze für den besten deutschen Film geht in diesem Jahr an ...“ Das wäre doch mal eine Geste gewesen. Eine grüne Topfpflanze anstatt einer Goldenen Lola. Soweit wollten die Veranstalter des Deutschen Filmpreises im Mai dann doch nicht gehen. Dabei hatten sie sich für dieses Jahr ein klares Ziel gesetzt: Eine möglichst klimafreundliche Preisverleihung sollte es werden. Im Detail bedeutete das dann: kein Fleisch beim Buffet, keine Plastikhalme in den Drinks und der rote Teppich war – wie schon bei der Berlinale – aus recyceltem Plastikmüll. Der ein oder andere Promi kam passend dazu in Ecoture. Topfpflanzen gab es tatsächlich auch. Allerdings nur als Dekoration der Fotowand. Aber es ist natürlich gut, dass überhaupt was getan wird. Denn bisher ist Umweltschutz in der Filmbranche eher ein Randthema. Dabei besteht in dem Bereich ein enormes Einsparpotenzial. Wissenschaftler haben das vor einigen Jahren beim Dreh eines Freiburger Tatorts untersucht. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln lässt sich der CO2-Verbrauch um die Hälfte reduzieren. Also etwa Anreise per Bahn statt Flugzeug. Stromanschluss statt Dieselgenerator. Und Porzellan- statt Plastikgeschirr beim Catering. Das Ergebnis waren 80 statt 139 Tonnen CO2-Ausstoß. Längst werden solche Maßnahmen auch gefördert. Mehrere Filmstiftungen vergeben mittlerweile sogenannte „Grüne Drehpässe“. In sieben Jahren wurden aber gerade mal achtzig große Film- und Fernsehproduktionen gefördert. Dazu kommen noch die Abschlussfilme der Hamburg Media School. Insgesamt aber viel zu wenige Produktionen. Das sagen auch die Filmförderungen selbst. Die Zahl der Anträge nehme aber stetig zu.
Der Filmemacher Lars Jessen sieht das weniger optimistisch. Er ist einer der wenigen in Deutschland, die auch vor der Kamera ein deutliches Zeichen für Nachhaltigkeit setzen. Indem er zum Beispiel darauf achtet, seine Figuren möglichst wenig Auto fahren zu lassen, etwa in seinem Münsteraner Tatort. Alles natürlich nur im Rahmen des Möglichen. Denn zu viel Engagement einer Figur könne schnell das Gegenteil bewirken. Außerdem gelte immer noch das Prinzip der Kunstfreiheit. Dagegen lässt sich natürlich nur schwer argumentieren. Aber was ist bitte schon dabei, wenn eine Figur ihren Kaffee To Go aus einem eigenen Becher trinkt, anstatt aus einem Wegwerfbecher? Die Hamburg Media School hat das gerade zum Prinzip erklärt. Für die Abschlussfilme der Studierenden gibt es neuerdings eine Regel, und die lautet: keine Zigaretten und keine Plastiktüten oder Wegwerfbecher. Vielleicht wäre das mal eine Idee für den Filmpreis: einen Preis für die umweltfreundlichste Filmfigur. Oder zumindest mal einen für den Film mit dem geringsten C02-Ausstoß. Für den Anfang würde es auch eine vergoldete Topfpflanze tun.
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