Na, also: Geht doch! Man muss nur lang und laut genug nölen, dann schickt uns dieses fanatisch verehrte Himmelsgeschöpf endlich auch ein paar Lichtstrahlen, um unsere Seelen zu erleuchten und die Parks auf Lesetemperatur zu erwärmen. Also raus auf die Wiesen!
Bei Ryan Bartelmay sollte man es dabei mit dem frühen Vogel halten: ein leichtfüßig erzählter Schmöker, nicht bahnbrechend, in seiner feinfühligen Hingabe für die schlichtweg liebenswerten Gemüter seiner Protagonisten aber ein wunderbarer Zeitvertreib – zumal deren Lebensweise „Voran, voran, immer weiter voran“ [Blessing] durchaus anregt, mal über das eigene Leben zu sinnieren. Stand heute wirklich was wirklich Wichtiges im Kalender?!
„Was uns treibt“ [LuxBooks] ist denn auch die Frage, die sich in Amy Hempels Short Stories stellt: unprätentiöse Miniaturen, bei denen man die Ohren spitzt und augenblicklich in die lapidar hingeworfenen Lebenssituationen ihrer Figuren eintaucht. Hier winkt niemand mit dem Zaunpfahl. Zuhören. Achtsam bleiben. Was heißt schon Scheideweg?!
Einen ganz anderen Stil pflegt da Hunter S. Thompson; speziell in den Gonzo-Briefen von 1958 bis 1976, die in der erstmals auch auf Deutsch vorliegenden Zusammenstellung „Die Odyssee eines Outlaw-Journalisten“ [Tiamat] als einzige vom Autor autorisierte Biografie gelten. Grandios, was dieser Mann (ver)fluchen konnte – und Gründe dafür hat er in seinem Leben nun wahrlich genug gesehen. Dass in seiner wüsten Rohheit allerdings auch eine gehörige Portion Empathie steckt, versteht sich von selbst: f***ing Ambivalenz!
Dieser im Rahmen der Kultur als Ersatznatur vom Menschen mächtig gepushte, längst als allgemeingültig verinnerlichte Seins-(oder-Nicht-Seins-)Zustand treibt in Thomas Wendrichs „Rose für Putin“ [Berlin] besonders herrlich verwegene Blüten: Da ringt ein Drehbuchautor mit seinem Regisseur in einem Uckermarkschen Landhaus um die Sinnhaftigkeit von Verbrechen, während in Weißrussland eine junge Frau ums nackte Leben ringt. Amüsant, spannend, geistreich, intelligent – allerdings muss ich Gänseblümchen kauend erkennen, dass mein langsam ermüdender Hirnmuskel auch nur ein Werkzeug ist. Ich denke, also bin ich nicht!
Mir jedenfalls fehlt jede Lust, als Untoter in Harry Crews Altenhalde „Florida, Forever“ [MetroLit] durch einen wenn auch sonnenbeknallten Lebensabend zu taumeln. Da kann selbst die geballte Sinnlichkeit von Too Much nichts ändern, die als aufrührerische Sumpfgöttin versucht, dem seelischen Tod ein Schnippchen zu schlagen.Verstörend sexistischer (im positiven Sinne), zotiger, garstiger Country-Noir, der nicht nur in die Bücherregale von Nick Cave oder Sonic Youth gehört. Dräuende Gewitterwolken machen Hunger. Und wer muss schon immer grillen?!
Gut, auch die Gerichte von Valéry Drouet für das kohlebeheizte Rost sind ein Gedicht. Aber wer „löscht“ seinen marinierten Pollack mit Chili und Chorizo schon gern mit Regenwasser. Sollen die klappgrillbewehrten Massen doch ihr Woodstock feiern. Bei der „Wetterlage“ ziehe ich Kalmar mit Kapern aus dem Ofen oder kräftig angebratene Kalbsnieren in Rotwein mit Kerbel vor [„Fisch & Co!“/„Fleisch“; ullmann]. Wofür hab ich denn meinen überdachten Balkon. Da kann mich die Sonne doch mal …
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