Donnerstag, 8. Oktober: Mit seinen Filmen wurde der mexikanische Regisseur Fernando Eimbcke schon auf einige internationale Festivals eingeladen. "Mexican kids – Temporada de patos“ lief beispielsweise in Cannes, „Lake Tahoe“ feierte 2008 seine Weltpremiere auf der Berlinale. In der deutschen Hauptstadt wurde Eimbcke später auch eine Weile sesshaft und war 2018 einer von fünf Regisseuren, die eine Geschichte zum Episodenfilm „Berlin, I Love You“ beisteuerten. Am 22. Oktober kommt mit „Moscas“ nun Fernando Eimbckes neuester Film bundesweit in die Kinos, nachdem er im Februar seine Weltpremiere ebenfalls wieder auf der Berlinale erleben konnte. Im Vorfeld zum Bundesstart befindet sich der mexikanische Filmemacher aktuell auf einer kleinen Deutschlandtournee, bei der er nun auch in Köln Station machte, um das feinfühlige Schwarz-Weiß-Drama um eine Vater-Sohn-Beziehung und Trauerbewältigung in der Filmpalette vorzustellen. Eimbcke beantwortete die auf Deutsch und Spanisch gestellten Fragen in seiner Muttersprache, als Übersetzer und Moderator des QnA war Sven Pötting vor Ort. Diesem erläuterte Eimbcke nach der Projektion des Films, dass die Idee dazu bereits in den Jahren 2004/2005 entstand und nach einem ersten, fehlgeschlagenen Versuch, diese umzusetzen, jahrelang unbeachtet geblieben war.

Von Kindern lernen
Ausgangspunkt war Eimbckes Langfilmdebüt „Mexican kids – Temporada de patos“, der die Aufmerksamkeit seines berühmten Landsmannes Alejandro G. Iñárritu („The Revenant – Der Rückkehrer“, „Digger“) erregte. Daraufhin wurde Eimbcke von Iñárritu eingeladen, an einer von ihm konzipierten Serie teilzunehmen, die dann aber doch nicht zustande kam. Die dafür erdachte Geschichte schlummerte seitdem auf dem Computer des Filmemachers. „Ich habe dann eine Zeitlang in Berlin gelebt und bin bei einem Computerwechsel und dem Kopieren der Dateien wieder auf meine alte Drehbuchidee gestoßen“, erzählte Eimbcke in Köln. Zusammen mit seiner Stamm-Drehbuchautorin Vanesa Garnica hat er daraufhin aus der Idee das Drehbuch zu „Moscas“ entwickelt. Das Publikum der Filmpalette interessierte sich für Eimbckes Verwendung einer erweiterten Realität im Film, wenn beispielsweise der junge Hauptdarsteller Bastian Escobar alias Cristian plötzlich Teil des Videospiels wird, das er mit Hingabe spielt. Der Regisseur erläuterte dies: „Ich finde es interessant, wie Kinder ihre Fantasie nutzen, um mit ihren Problemen klarzukommen. Ein großes Vorbild hierfür war für mich Guillermo del Toros Film ‚Pans Labyrinth‘.“ Außerdem zitierte Eimbcke Oscar Wilde, der ihn und Garnica beim Schreiben des Drehbuchs beeinflusst habe: „Wo es Schmerz gibt, gibt es auch einen heiligen Ort“. Mit diesem Motto im Hinterkopf hätten sich die Schauspielenden und alle Film-Departments an die Arbeit gemacht – der Schmerz sei für sie alle etwas Heiliges gewesen, weshalb sie damit sehr vorsichtig umgegangen seien. Auch die Tatsache, dass Erwachsene im Film von einem Kind etwas lernen, war in „Moscas“ wichtig und hat einige filmische Vorbilder.

Zwischen Humor und Schmerz
Neben „Pans Labyrinth“ nannte Eimbcke als Inspirationsquellen auch „Alice in den Städten“ von Wim Wenders, „Central Station“ von Walter Salles und „Gloria“ von John Cassavetes sowie die Arbeiten von Charlie Chaplin. Für den Regisseur war es ebenfalls stets ein Balanceakt, in „Moscas“ zwischen Humor und Schmerz zu pendeln. „Aber der Schmerz ist etwas Natürliches, das Menschen verbindet. Wo es keinen Schmerz gibt, gibt es auch keine Schönheit“, führte der Filmemacher weiter aus. Aus dem Publikum wurde mehrfach der Kinderdarsteller Bastian Escobar für seine grandiose Leistung gelobt. Eimbcke erzählte, dass er das Besondere an ihm bereits im Casting-Prozess entdeckt habe. „Er ist sehr aufgeweckt und intelligent, das Skript und die Crew haben sich teilweise eher ihm untergeordnet als umgekehrt“, so der Regisseur weiter. Hilfreich für die Dreharbeiten war dabei sicherlich auch die Tatsache, dass sich Bastian und sein Filmvater Hugo Ramírez bereits im Vorfeld gekannt hatten, was die Abläufe zusätzlich vereinfacht habe. Zum Abschluss des intensiven und lebhaften Publikumsgesprächs merkte der Filmemacher an: „Gewalt ist in vielen mexikanischen Filmen präsent, häufig äußert sich diese in der Darstellung von Drogenkriminalität und Auftragsmorden. Ich nehme Ungerechtigkeiten und soziale Ungleichheiten in meinen Film auf, die ebenfalls Formen der Gewalt darstellen.“ Der Film „Moscas“ ist ab dem 22. Oktober regulär bundesweit in den Kinos zu sehen, dann auch wieder in der Filmpalette in Köln.
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