
Auf den ersten Blick wirkt Köln grau und schmuddelig – ist es zum Teil auch – doch in diesem Sommer wirkte es vor allem: ausgedörrt und trocken; nicht zuletzt wegen des Klimawandels, der seine Ausläufer auch auf die Domstadt ausgestreckt hat. Auch wenn Donald Trump nicht der einzige ist, der den Klimawandel leugnet: Die Katastrophe ist in ihren Ansätzen nicht mehr nur theoretisch, sondern deutlich sichtbar.
Das 2011 von dem damaligen Bürgermeister Jürgen Roters ausgerufene, von der Stadt Köln und der Rheinenergie initiierte Gemeinschaftsprojekt SmartCity Cologne versucht dagegen anzukämpfen, indem es auf umweltfreundlichere Energien setzt. „Zu diesem Zeitpunkt kamen damals viele neue Technologien und Projekte auf, die den Anspruch hatten, den Klimaschutz in Köln voranzutreiben. Einen Weg in Richtung Smartcity zu ebnen, sprich: Co2-effizient. Mit dem Ziel der Kohlendioxid-Ausstoß-Reduktion“, so Dr. Barbara Möhlendick vom Dezernat für Soziales, Integration Umwelt– und Klimaschutz, die das Projekt von städtischer Warte aus leitet. Auf jener Plattform tummeln sich inzwischen 43 unterschiedlichste Projekte zum Thema Klimaschutz und Energiewende. Das Gute daran: Jeder kann mitmachen. Ob Privatleute, Unternehmen, Initiativen oder Verbände. Doch was genau ist Smart City Cologne? „Die Idee war, mehr querschnittsorientiert statt mit großen Hierarchien zu arbeiten. Einen direkten Austausch zu fördern. Stichwort New Governance im Sinne von gutem Regieren. Ferner ein Fahrradleihsystem zu etablieren, auf E-Bikes zu setzen, Energie effiziente Kitas und Büros zu schaffen“, so Möhlendick. Neben der Plattform sowie dem Austausch Nebenan gehören zu den fünf urbanen Unterprojekten etwa die Nippeser Klimastraße, die mit wenig Beleuchtung und LED als Vorbild fungieren soll, sowie beispielsweise die EU-geförderte Initiative GrowSmarter, im Rahmen derer das Veedel Mülheim und die Stegerwaldsiedlung als Blaupause für eine langfristige urbane Entwicklung herhalten soll. Im Rahmen des Projektes „Nahwärmenetz“ der AVG Köln sollen auch Flüchtlinge nachhaltige Wärme empfangen. So erhalten das Flüchtlingsheim der Stadt Köln und die Kantine etwa klimafreundliche Wärme.
Partner bei diesem Projekt ist die Rheinenergie. – Zunächst bin ich irritiert, weil ich bei dem Namen an hohe Rechnungen, lange Telefonwartescheifen und konventionelle Energien denke. Aber scheinbar tue ich dem lokalen Energielieferanten Unrecht, hat sich der Energieriese doch in den letzten Jahren ebenfalls gewandelt. Alexander Stankiewicz von der Rheinenergie, der sich u.a. mit dem Projekt SmartCity Cologne befasst, sagt: „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, auch auf innovative Produkte zu setzen und uns den Klimaschutz auf die Fahne zu schreiben. Mehr noch: Das auch bewusst nach außen zu tragen, um ein Zeichen zu setzen. Um zu sagen: Seht her – es geht auch anders. Beispielsweise bei der Klimastraße in Nippes wurden sämtliche Lichter in energieeffiziente LEDs ausgetauscht. Auf diese Weise konnten alleine mehrere Tonnen Co2 eingespart werden, nämlich jährlich 307 Tonnen.“
Desweiteren berät die Rheinenergie Menschen, die ihr Haus umbauen, beispielsweise via Fernwärme oder durch regenerative Energien. So weit so fortschrittlich. Hat sich denn seit der Entstehung der Idee und jetzt etwas hinsichtlich des Energiewandels und des Klimaschutzes in Köln verändert? Ein Fortschritt? „Ja. Das schon. Immerhin wurden mehrere Tonnen Co2 eingespart. Im Jahr 2016 wurden mit Klima- und SmartCity-Projekten alleine über 10000 Tonnen eingespart. Daneben gibt es zahlreiche vielsprechende, zukunftsweisende Projekte. E-Bikes. Es ist auf jeden Fall ein Fortschritt zu verzeichnen. Wir führen auch stets Tests durch, schaffen eine sogenannte evaluierte Blaupause“, so Möhlendick.
Sind wir nicht immer noch weit von den Zielen, die wir uns gesteckt haben, entfernt? Hat die Energiewende überhaupt eine Chance? „Ja. Es ist mühsam, aber es gibt noch Hoffnung. Der Bürgermeisterkonvent hat beschlossen, bis zum Jahr 2020 20% Co2 gegenüber dem Grundjahr 1990 einzusparen. Das hat Köln als Pro-Kopf Ziel auch erreicht. Durch das starke Bevölkerungswachstum in der Domstadt sind die Gesamtemissionen jedoch nur um 17,6% gesunken. Viel ehrgeiziger sind hingegen die Bestrebungen im Klimabündnis: Bis 2030 sollen die Klimagas-Emissionen halbiert werden. Für Köln konkret bedeutet das, dass noch weitere 3,9 Millionen eingespart werden müssen, wenn man das erreichen will. Das ist natürlich ein hochgestecktes Ziel. Selbstverständlich gibt es dabei auch Konflikte. Es ist als Stadt nicht einfach, alles zu kombinieren. Nicht jeder möchte Geld für Klimaschutz ausgeben. Nachhaltigkeit ist ja oft teurer. Und man kann als Stadt nicht alles gleichzeitig: Einerseits die Umwelt schützen, andererseits alles zu Billigpreisen verscherbeln. Das geht nicht. Man kann es nicht immer jedem Recht machen,“ so Möhlendicks Einschätzung. „Es ist zwar ein langer Weg, aber wir stecken bereits mitten drin in der Energiewende“, so Alexander Stankiewicz von der Rheinenergie.
Immerhin. So grau Köln auch auf den ersten Blick wirken mag, gibt es hier mit SmartCity zumindest einen Ansatz, wie neue genutzt werden könnten, so dass die Jahrtausend alte Stadt Köln vielleicht noch viel älter wird. Vorausgesetzt der Schalter wird umgelegt. Nicht nur äußerlich bei Lichtern und Lampen, sondern auch in den Köpfen der Menschen.
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