2018 durchwandert Bart Schrijver mit einem Freund Neuseeland. Die Erfahrung inspiriert ihn zu dem aufregenden Drama „The North“ (Odeon): Zwei Freunde begegnen sich nach zehn Jahren wieder und wandern Schottlands West Highland Way. Entfremdung von Freundschaft und Natur, Euphorie, Erschöpfung, Spaß, Wandlung: Was hier passiert, wurde ähnlich schon in anderen Trip-Dramen hoch und runter erzählt. Zugleich ist alles einzigartig hier! Schrijver erinnert in seinem sinnlichen, teilimprovisierten Ansatz (das kleine Filmteam drehte tatsächlich auf Wanderschaft) ein Stück an Gus van Sants „Gerry“, spart nicht an Humor und beeindruckt mit einer audiovisuellen Arbeit, in der Weite und Freiheit so erdrückend wie selten eingefangen werden. Ein kleines Meisterwerk. Und endlich ein guter Wanderfilm.
1803 verschlägt es den Komponisten Antonio Vivaldi (Michele Riondino) nach Venedig ins Ospedale della Pietà – ein Waisenhaus, in dem Mädchen als Musikerinnen ausgebildet werden. Vivaldi, der neue Lehrer, entdeckt schon bald das Talent der jungen Cecilia (Tecla Insolia). Lehrer und Schülerin sind dabei beiderseits von Sehnsucht getrieben – während der Komponist auf seinen Durchbruch wartet, hat Cecilia aber ganz anderes im Sinn: Freiheit! Der Theater- und Opernregisseur Damiano Michieletto gibt mit dem Drama „Vivaldi und ich“ (Cinenova, Weisshaus) sein Filmdebüt und wird mitnichten zu pompös, sondern inszeniert prächtig elegant und atmosphärisch. So gelingt ihm ein unterhaltsames Sittenbild vor historischer Kulisse, in dem er die Kraft der Musik feiert, die seine ungleichen Protagonist:innen unterschiedlich antreibt.
Nach schmerzhaftem Bruch sucht Popstar Mother Mary (Anne Hathaway) Jahre später ihre einstige Freundin und Modedesignerin Sam (Michaela Coel) auf. Sam bittet sie ins Atelier. Beginn einer intensiven Aufarbeitung. Nach „A Ghost Story“ und „The Green Knight“ inszeniert David Lowery mit „Mother Mary“ (Cinedom, Cinenova, Lichtspiele Kalk, OFF Broadway, Rex, UCI) seinen dritten besonderen Film: Ein elegantes poesievolles, symbolschwangeres Kammerspiel, durchbrochen von Trips durch imposante Konzert-Arena und schaurige Séance. Hathaway und Coel performen beachtlich, Charli xcx und FKA twigs treiben den Soundtrack voran. Beziehungsdrama, Geisterstunde und Seelenspiegel zweier Frauen, die, gleichermaßen tragisch in Verletzung und Reue gefangen, die Sehnsucht nacheinander teilen. Berauschender Arthouse-Trip aus dem erhaben entrückten Kosmos David Lowerys.
Alle Neustarts der Woche finden Sie unter: Neu im Kino.
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