Die Standesbeamtin - Drei sind eine zuviel
CH 2009, Laufzeit: 94 Min., FSK 0
Regie: Micha Lewinsky
Darsteller: Marie Leuenberger, Oriana Schrage, Dominique Jann, Beat Schlatter, Beat Marti, Jennifer Schmid, Herbert Leiser, Luca Maje
Rahel ist Standesbeamtin in einem kleinen Schweizer Dorf. Als ihr Jugendfreund Ben dort die Hochzeit mit seiner neuen Freundin Tinka feiern will, gerät Rahel in einen Gewissenskonflikt. Sie scheint Ben noch immer zu lieben.
Schon mit der ersten Begegnung auf der Leinwand zwischen Marie Leuenberger in der Rolle der Rahel und Dominique Jann als Musiker Ben ahnt man als Zuschauer, wohin sich die Geschichte entwickeln wird. Zwischen den beiden sympathischen Figuren sprühen die Funken. Nach und nach erfahren wir, dass die beiden schon von Kindesbeinen an alles gemeinsam unternommen haben, dass sie einst eine gemeinsame Band hatten und dass sie sich auch jetzt noch blendend verstehen. Aber Rahel ist verheiratet und hat einen zehnjährigen Sohn, und Ben ist gerade im Begriff, seine neue Flamme Tinka, eine bekannte Schauspielerin, zu ehelichen. Ohne Hintergedanken bittet das Pärchen, von Rahel getraut zu werden, da diese schließlich Standesbeamtin in Bens Heimatort ist. Man weiß, worauf das alles hinauslaufen wird, denn unzählige Romantic Comedies, auf die sich die Traumfabrik Hollywood seit Jahrzehnten spezialisiert hat und die scheinbar jeden Monat aufs Neue in die Kinos katapultiert werden, geben die Blaupause für die Entwicklungen vor, die sich dann auch in „Die Standesbeamtin“ abzeichnen werden.
Peu à peu werden Hinweise gestreut, dass die beiden bereits arrangierten Bindungen vielleicht nicht wirklich das Gelbe vom Ei sind. In Rahels Ehe kriselt es gewaltig, die junge Mutter erfährt schließlich sogar von einer geheimen Nebenbuhlerin, mit der sich ihr Mann schon eine ganze Weile trifft. Doch auch Ben und Tinka sind nicht gerade das Traumpaar, zu dem sie von der bunten Medienwelt stilisiert werden. Also stehen keine echten Hindernisse mehr im Weg, damit sich am Ende des Films dann doch die richtigen Deckelchen zu den jeweiligen Töpfen finden werden. Und dennoch ist „Die Standesbeamtin“ ein Film, der aus dem Gros der Genrewerke hervorsticht und einen ungleich überzeugenderen Eindruck hinterlässt als so manches inhaltlich vergleichbares US-Produkt. Das liegt sicherlich zum einen an der überzeugenden Besetzung der beiden Hauptrollen, denn sowohl Filmdebütantin Marie Leuenberger als auch der Schweizer Jungstar Dominique Jann haben eine sehr sympathische Ausstrahlung, die sich positiv auf die Chemie des Films auswirkt und auch den Zuschauer mitreißt. Zudem ist die Inszenierung Micha Lewinskys, der für sein Erstlingswerk „Der Freund“ in seinem Heimatland zahlreiche Auszeichnungen erntete, über dem Durchschnitt angesiedelt, da einerseits sein Timing durchweg stimmt und er andererseits immer wieder überzeugende kleine Gags in den Handlungsverlauf einbaut. Das dritte Standbein ist in der musikalischen Untermalung zu suchen, die als eigenständiges Handlungselement funktioniert, weil die beiden Liebenden nicht zuletzt durch ihre Musikbegeisterung zueinander gefunden haben und nun dadurch die Erneuerung ihrer Liebe einläuten. Für einen romantischen Kinoabend zu zweit ist „Die Standesbeamtin“ also genau das Richtige.
(Frank Brenner)
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