Eigentlich sollte es keinen wundern, dass die Popmusik mittlerweile in die Konzerthallen gewandert ist. Der Tonträgermarkt hat sich zwar auf niedrigem Niveau konsolidiert, doch bei den Konzerten ist der Verdrängungswettbewerb größer geworden. Auch die öffentlich geförderten Kulturinstitutionen stehen unter Druck. Sie müssen sich zwar nicht über Erfolg legitimieren, aber ohne Publikum geht es trotzdem nicht. Seit einigen Jahren schon haben Konzerthäuser deshalb ein bestimmtes Popsegment für sich entdeckt: den Bildungsbürger-Pop.
Das ist an sich natürlich keine wirkliche Neuigkeit. Egal ob Zappa, Dylan oder Cohen – eine Popmusik mit bestimmten Techniken und Signifikanten hat Gebildete schon immer stärker angesprochen. Teilweise führte das zu schrecklicher Musik wie etwa den Shakespeare-Vertonungen von Rufus Wainwright. Neu ist dagegen, dass nicht mehr nur die Zeichenwelten eines eher traditionellen bildungsbürgerlichen Kanons bedient werden, sondern ein Kanon, der sich innerhalb des Systems Popmusik selbst herausgebildet hat.
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