choices: Frau Förtsch, Herr Mrosek, im Mittelpunkt der Produktion „Amnesie National“ steht eine Frau, die sich durch die Trümmer der Nachkriegszeit wühlt. Das klingt irgendwie nach Veronica Ferres und deutscher Geschichte als Fernsehspiel. Was ist das für eine Frau?
Dorothea Förtsch: Es geht nicht um das Einzelschicksal einer Frau. Unsere Hauptfigur steht außerhalb von Raum und Zeit, sie fungiert als Medium, um Schicksale zu erzählen; mal ist sie Trümmerfrau, dann wieder etwas anderes. Als Medium kann sie aber auch Verdrängung und Traumatisierung freilegen, also die Vermissten, Vergewaltigungen, Hunger, Vertreibung, die Erlebnisse der Bombennächte von Kindern. Es geht in einem übergeordneten Sinne darum, zu ergründen, wie Deutschland zu dem geworden ist, was es ist – und zwar nicht nur aufgrund von Demokratie und Wirtschaftswunder, sondern auch der verdrängten Dinge.
Tim Mrosek: Wir wollen in den nächsten drei Jahren mit c.t.201 die deutsche Geschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter dem Aspekt der individuellen und kollektiven Identitätsfindung erzählen. „Amnesie National“ setzt bei dem Phänomen der Vermissten an. Am Ende des 2. Weltkriegs galten ein Viertel der Deutschen als vermisst oder hatten einen Vermissten zu beklagen. Ein Gefühl, das heute unvorstellbar ist. Das Vermissen kann man als Gründungsgefühl und tief liegendes Trauma von BRD und DDR definieren.
„Amnesie Nationa" | Premiere am Fr. 9.11., 20 Uhr | weitere Termine 10.-13.11. jeweils 20 Uhr | Studiobühne Köln | Universitätsstraße 16A, Köln | www.studiobuehne.uni-koeln.de
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