Zwei starke Regiedebüts warten diese Woche aufs Publikum. Einen Tag und eine Nacht lang bewegt sich Niko (Tom Schilling) in Jan Ole Gersters „Oh Boy“ (Odeon, OFF Broadway) durch die Großstadt. Auf seiner urbanen Odyssee kommt es zu absurden Begegnungen. Gersters Film blickt tief in die deutsche Seele und inszeniert den Stillstand im Wahnsinn der Zivilisation. Die Menschen sind festgefahren im Denken und Handeln und krallen sich entweder fest am Gerüst einer Institution oder sind schlicht aufgeschmissen. Ein poetisches, philosophisches, entlarvendes Mosaik, erschreckend, bissig und traurig.
Mélina (großartig wie immer: Karin Viard) ist die Stimme der Nacht - als erfolgreiche Nachttalkerin kennt die Radiomoderatorin keine Tabus oder Berührungsängste. Doch dann wird die abseits des Studios als Einsiedlerin lebende Frau mit ihrer verschollen geglaubten Mutter konfrontiert... Regisseur Pierre Pinaud setzt sich mit seinem erfrischenden Kinofilmdebüt „Sag, dass du mich liebst“ (Odeon) zwischen die Stühle von Komödie und Tragödie. Ihm gelingen dabei auf beiden Ebenen große Momente.
Zwei andere Filme berichten von den Folgen der Nazizeit. Ins Buenos Aires der 50er Jahre führt Jeanine Meerapfels „Der deutsche Freund“ (Cinenova, Filmpalette): Friedrich (Max Riemelt), Sohn eines SS-Offiziers, verliebt sich in Sulamit, deren jüdische Familie aus Nazideutschland geflohen ist. Als Friedrich von den Schatten der Vergangenheit seiner Familie erfährt, reist er nach Deutschland und radikalisiert sich.
Cate Shortlands „Lore“ (Filmpalette) zeigt, wie ein 15jähriges Mädchen mit ihren Eltern, einst ranghohen Nazis, durchs befreite Deutschland flieht. Die Familie flüchtet gen Norddeutschland, schon bald sind die Kinder auf sich allein gestellt. Eine Schicksalsreise, bewegend eingefangen zwischen Grauen und Idylle.
Außerdem neu in den Kinos: der Jubiläumsbond „Skyfall“ (Cinenova, Cinedom, Rex am Ring, Residenz, UCI, Weisshaus, OmU im Metropolis, Woki Bonn), die Coming-of-Age-Komödie „Vielleicht lieber morgen“ (Cinedom, UCI) und die Familienposse „Omamamia“ (Cinedom). Für Kinder startet „Niko 2 - Kleines Rentier, großer Held“ (Cinedom, Metropolis, Rex am Ring, UCI).
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Ab in die Hölle
Zwei Opern mit Bezug zu Dantes „Inferno“ in Gelsenkirchen – Oper in NRW 01/26
Vorwärts in die Gegenwart
Die Filmstarts der Woche
Das Meer in dir
„Aqua@Cycles“ in der Alten Feuerwache – Theater am Rhein 01/26
Völlig natürlich atmen
Gitarrist Bill Frisell im Dortmunder Domicil – Improvisierte Musik in NRW 01/26
Der Tanz der Krähe
„Die Ecke“ in der Alten Wursterei – Auftritt 01/26
Hymne an Liebe und Toleranz
„Der Barbier von Sevilla“ an der Oper Bonn – Oper in NRW 01/26
Dirigat mit Temperament
Konzerte mit dem neuen Kölner GMD Andrés Orozco-Estrada – Klassik am Rhein 01/26
Im Hamsterrad des Grauens
„Der Gott des Gemetzels“ am Theater Bonn – Prolog 01/26
Väter und Söhne
Christoph und Julian Prégardien in Dortmund und Köln – Klassik an der Ruhr 01/26
Über Grenzen hinweg entscheiden
Teil 1: Lokale Initiativen – Das Experimentallabor Decision Lab Cologne
„Als säße man in einem flirrenden Zirkuszelt“
Regisseur Sergej Gößner über „Der fabelhafte Die“ am Comedia Theater – Premiere 01/26
Der Marmeladen-Effekt
Eine interaktive Mission durch die Küchentischpsychologie – Glosse
„Dass wir schon so viel wissen, ist das eigentliche Wunder“
Teil 1: Interview – Neurowissenschaftlerin Maria Waltmann über Erforschung und Therapie des Gehirns
Keine Politik ohne Bürger
Wie Belgien den Populismus mit Bürgerräten und Dialogforen kontert – Europa-Vorbild: Belgien
Käthe Kollwitz entdecken
Wiedereröffnung des Käthe Kollwitz Museums am Neumarkt – kunst & gut 01/26
Beziehungen sind unendlich
„Schwarze Herzen“ von Doug Johnstone – Textwelten 01/26
Aus der Perspektive
Ingrid Wiener im Marta Herford – Kunst in NRW 01/26
Bewusst blind vor Liebe
„Mama & Sam“ von Sarah Kuttner – Literatur 01/26
Worüber sich (nicht) streiten lässt
Teil 1: Leitartikel – Wissenschaft in Zeiten alternativer Fakten
Alles auf Anfang
Lebensfragen aus weiblicher Perspektive – Vorspann 01/26
Spiel mit der Psyche
Hofesh Shechter gastierte mit seiner Tanzkompanie in Köln – Tanz in NRW 01/26
„Es ist niemals Pause“
Katharina Pethke über ihre Filme zur Arbeitswelt – Portrait 12/25
Auszeit der Ewigkeit
„Pyrofems“ von Wehr51 im Studio Trafique – Auftritt 12/25
Internationales Silvesterfest
Künstler von drei Kontinenten begegnen sich in Köln – Klassik am Rhein 12/25
Vom Ausstellen
Hans-Peter Feldmann im Kunstpalast Düsseldorf – Kunst in NRW 12/25