Wie kann eine einzige Flasche 44.362,75 Euro wert sein? Hat vielleicht Andy Warhol daran genippelt und kann mittels der hinterlassenen DNA geklont werden? Steckt ein Wünsche erfüllender Dschinn darin oder mit dem „Springbank 1919“ der zehnteuerste Whiskey der Welt?
Weder noch. Ein pfiffiger Kölner Getränkehändler hat sich diese Summe mit nur einer Pfandflasche, einem manipulierten Automaten und jeder Menge Geduld verdient. 177.451 Mal hat er die Pulle reingesteckt und wieder rausgezogen. Für so viel tüftlerische Finesse wurde er just vom Amtsgericht Köln mit einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung belohnt. Weniger in Konflikt mit dem Gesetz gerät da, wer mit dem redlichen Aufsammeln von Pfandflaschen zum Beispiel die eigne Rente aufbessert. So sind die Senioren auch raus aus dem Haus und schön an der frischen Luft.
Darüber könnt ihr nicht lachen? Zu Recht, denn die auseinanderdriftende Schere zwischen Arm und Reich beschäftigt auch unsere gesellschaftskritischen Monatsthemen immer wieder. Unter dem Titel KINDERSEGEN geht es im Dezember um Kinderarmut in Deutschland und warum sie nicht ausreichend bekämpft wird. Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband spricht im Interview Klartext über Eliten, die nicht teilen wollen.
Weitere Themenschwerpunkte behandeln wir in unseren Partnermedien trailer (Kinderarbeit, Interview mit terre des hommes) & engels (Kindesmissbrauch).
Dass Geld allein auch nicht glücklich macht, dafür ist Thomas Manns BUDDENBROOKS ein Paradebeispiel. Sandra Strunz akzentuiert die Geschichte einer Kaufmannsfamilie am Theater Bonn mit kräftigen Strichen als unheilvolle Verquickung von privatem Glück, ökonomischen Grundsätzen und historischer Tradition.
Regisseur BRUNO CATHOMAS reflektiert mit CHARLOTTE ROOS` Stück „Jemand wie ich“ moderne Identitätskonzepte und stellt Fragen wie: Wer sind wir überhaupt? Wie sehen uns andere? Was macht das Ich aus? Wir treffen Regisseur und Autorin vor der Uraufführung am Schauspiel Köln zum Interview.
Auch die fotografischen Studien von HANS EIJKELBOOM handeln von Identität und der Einrichtung in der Gesellschaft als sozialem, kommunikativem und globalem Gefüge. Die Ausstellung „Photographische Konzepte, 1970 bis heute“ in der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur widmet sich dem Konzeptkünstler der ersten Stunde. Die Schau BLING BLING BABY! im NRWForum Düsseldorf teilt das Medium, bleibt aber mit Mut zum Kitsch an der schillernden, glitzernden Oberfläche und zeigt neue ästhetische Tendenzen der Fotografie.
Als Ästhet gilt auch Regisseur Tom Ford, der vor seinem gefeierten Debüt „A Single Man“ bereits als Modeschöpfer berühmt war. In seinem neuen Werk und unserer choice of choices NOCTURNAL ANIMALS glänzt auch Jake Gyllenhaal mit einem breiten emotionalen Spektrum in einer Doppelrolle. Mit JESSICA SCHWARZ sprechen wir über ihre aktuelle Rolle in „Die Hände meiner Mutter“ und das schwierige Thema Kindesmissbrauch, der im Film von der Mutter ausgeht.
Und denkt daran, die leere Flasche gehört immer neben die Mülltonne.
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Reise zum Atlantik
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Teil 1: Interview – Pädagogin Inke Hummel über die Beziehung zwischen Jugendlichen und Erwachsenen
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Machtinteresse
In Österreich wählen bereits 16-Jährige – Europa-Vorbild: Österreich
„Kein großes Spektrum an Geschlechtsvielfalt“
Schauspielerin Caro Braun über „Rose“ – Roter Teppich 04/26
Warmes Wummern
Larry Goldings Trio in Dortmund und Düsseldorf – Improvisierte Musik in NRW 04/26
Die Unendlichkeit erleben
„Liebe“ von Thomas Hettche – Textwelten 04/26
Leichmann statt Leichnam
„Unterweger“ am Schauspiel Köln – Auftritt 04/26
Die unmögliche Schule
Teil 1: Leitartikel – Lernen und Lehren zwischen Takt und Freiheit
Olympische Ungeister
Holgers letzte Worte – 04/26
Weimerer Republik
Zur freien Filmkunst – Vorspann 04/26
Die Anarchie der Wörter
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Beziehungen
„Du findest mich, wenn du willst“ von Lavinia Branişte – Literatur 03/26
Im Netz der Lügen
„Dear Evan Hansen“ am Jungen Theater Bonn – Prolog 03/26
So klingt Fühlen
5. stARTfestival in Leverkusen – Festival 03/26
„Wir wollen Räume für ein anderes Zuhören öffnen“
Regisseur Martin Schulze und Dramaturgin Ulrike Janssen über „Wem gehört das Volk?“ am TdK – Premiere 03/26
Das Werk von Künstlerinnen
„Von Louise Bourgeios bis Yoko Ono“ im MAKK – kunst & gut 03/26
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Die Gitarre für jede Tonart
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Marianna Simnett im Max Ernst Museum in Brühl – Kunst in NRW 03/26
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Wie Portugal Maßstäbe bei der Bekämpfung von Gewalt an Frauen setzt – Europa-Vorbild: Portugal