„Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind“, so wird es Albert Schweitzer zugeschrieben. KölnerInnen gehören nicht dazu, wie der jüngst veröffentlichte „Glücksatlas 2016“ der Deutschen Post zeigt. Wir landen zwar „nur“ auf Platz 7, sind mit einem Zuwachs von 0,11 Punkten aber die Aufsteiger des Jahres in puncto Glücksempfinden. Woran das wohl liegt? An der überdurchschnittlichen Arbeitslosenquote, dem Wohnungsnotstand oder dem Seifenblasenverbot?
Oder doch an der Kamera, die der Zoo Köln in einigen Tiergehegen hinter einem Spiegel versteckte, um uns in Endlosschleife neugierige Erdmännchen, vorwitzige Waschbären und weniger glückliche Tiger zu präsenTIEREN? Man multipliziere die Endorphindosis eines durchschnittlichen YouTube-Katzenvideos mit 100. Warum wir glücklich sind, ist eigentlich auch egal. Hauptsache, glücklicher als Düsseldorf!
Aber mal ehrlich, genauso nutzlos wie die Konkurrenz zwischen Dom- und Landeshauptstadt ist der Kampf der Geschlechter. Nach drei umfangreichen Frauenthemen in den letzten eineinhalb Jahren (Frauenmenschen, Frauenleben, Frauenrecht), ist im November mit MÄNNERMACHT endlich auch mal das schwache Geschlecht dran. Zum Schwerpunkt „Männer und Gewalt“ sprechen wir mit Frank Arlandt, der am Ebertplatz die Beratungsstelle „Männer gegen Männergewalt“ betreibt. Aber auch Männer werden Opfer häuslicher Gewalt, die Beratungsstellen fehlen aber für sie. Mehr zu dieser tabuisierten Problematik in einem weiteren Thementext.
Zusätzliche Themenschwerpunkte finden sich in unseren Partnermedien engels (Schwerpunkt: Neue Väter) und trailer (Schwerpunkt: Alte Klischees und neue Rollenbilder).
Unglücklich sind die Figuren in Dirk Lauckes KARNICKEL. Pinar Karabulut setzt dem Stoff in ihrer Inszenierung am Schauspiel eine David Lynch-artige Apokalypse entgegen, bei der wir alle nur Bückstücke der Geschichte sind. Fröhlich klingt auch DANIEL KUSCHEWSKIS neue Regiearbeit „Erschlagt die Armen!“ am FWT nicht. Wir treffen ihn vor der Premiere zum Interview.
Vielleicht macht in Köln aber auch die große Museumsdichte glücklich. Eines davon ist das Museum Ludwig, das mit der Ausstellung WIR NENNEN ES LUDWIG den 40. Geburtstag feiert. 25 Künstler und Künstlerkollektive wurden eingeladen, Fragen zur Funktion eines Museums in unserer Stadt reflektiert. Im Glücksranking liegen die Bonner übrigens gleichauf mit Köln, was die These der Kausalität zwischen Glück und Kultur stützt. Im Kunstmuseum ist z.B. gerade die Schau AM HORIZONT mit Werken des Schweizer Malers Thomas Huber zu sehen.
Glück könnten wir überall finden, wenn wir nur genauer hinsehen würden, wie unsere choice of choices PATERSON zeigt. Jim Jarmuschs künstlerische Feier des Alltäglichen zelebriert den Augenblick mit bedächtiger Anmut, huldigt der Poesie und ist selbst ein Stück audiovisuelle Lyrik.
Das Nachdenkliche, Introvertierte und Träumerische reizte Schauspieler LOUIS HOFMANN an seiner Rolle in „Die Mitte der Welt“. Im Interview spricht er über die Herausforderung seiner schwulen Figur. Eine lohnende Herausforderung ist auch das Programm des KURZFILMFESTIVAL KÖLN. Vom 16.-20.11. sind über 100 Kurzfilme zu sehen. Wir sprechen mit Festivalleiter Johannes Duncker über das Jubiläumsprogramm.
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