Als ich das Intro für unsere Januarausgabe schrieb, war die Welt in Köln noch halbwegs in Ordnung. Das ist vier Wochen, einen in Frühruhestand versetzten Polizeipräsidenten, eine aufgelöste Pegida-Demo und unzählige Armlängen später vorbei.
Erst war die Polizei dran, dann die „Lügenpresse“ und die unter Pauschalverdacht gestellten Menschen mit Migrationshintergrund sowieso. Aktuell efindet sich der „Offene Brief“ gegen sexuelle Gewalt, Bandenkriminalität und Fremdenhass mitsamt seiner Unterzeichner wie u.a. Navid Kermani, Frank Schätzing, Alexander Kluge oder Bettina Böttinger im Dauerfeuer des digitalen Lynchmobs. Differenzierung Fehlanzeige.
Kommentarspalten und Social Media-Plattformen bersten vor Hass und Hetze. Ob die neue „Initiative für Zivilcourage Online“ von Facebook in Kooperation mit anderen Partnern angesichts der schieren Wucht an Beleidigungen nicht wie ein Tropfen in einen havarierten Atomreaktor wirkt, wird sich zeigen. Kommentare lassen sich zudem einfacher löschen als verquere Meinungen in Köpfen.
Aber Resignation ist auch keine Lösung. Mit unserem Monatsthema GUTE ZEIT widmen wir uns mal den guten Nachrichten. Ein Beispiel ist Tunesien, trotz vieler Herausforderungen ein Hoffnungsträger der Arabellion. Wir sprechen mit Gerd Holl von Tabarka e.V., der sich für die Stabilisierung der demokratischen Strukturen vor Ort einsetzt und stellen das Refugee Radio-Projekt von Funkhaus Europa vor.
Die Theater widmen sich in diesem Monat universellen Sozialthemen. Das Kollektiv FUTUR3 beschäftigt sich in der Trilogie „Der unbekannte Nachbar“ mit der Anonymität modernen Sterbens, Regisseur André Erlen verrät im Interview mehr über das Projekt. Am Theater Bonn erwartet das Publikum mit BILDER VON UNS ein Stück, das den bisherigen Deutungshorizont in der Pädophilie-Debatte weit überschreitet.
Die 5. BIENNALE TANZAUSBILDUNG steht unter dem Motto „Feedback und Reflexion“ und wagt mit aktuellen Choreografien von AbsolventInnen den Blick über den Körperhorizont.
Abstrakt sind die Werke von Joan Mitchell, aktuell im Museum Ludwig unter dem Titel HER LIFE IN PAINTINGS zu sehen. Konkret politisch ist die Double-Feature-Ausstellung 1 IN 3, mit dem das Bonner Frauenmuseum Gewalt an Frauen thematisiert. Dass man und frau dabei richtig wütend werden, ist durchaus gewollt.
Nicht um Wut, sondern um Hass geht es in Quentin Tarantinos THE HATEFUL EIGHT, dank dialogischem und physischem Gemetzel im Ultra Panavision 70mm-Breitbildformat unser Film des Monats. Harten Tobak bietet auch „Colonia Dignidad“, in dem es um die gleichnamige Sekte im Chile der Pinochet-Ära geht. Wir treffen „Zimmermädchen Lynn“ VICKY KRIEPS, die hier an der Seite von Daniel Brühl und Emma Watson spielt.
Hier noch ein kleiner Protesttipp, der sich auch prima nach Feierabend bei einem Glas Wein auf der heimischen Couch erledigen lässt: Meldet hetzerische Seiten auf Facebook. Macht euch Spaß und ärgert deren Betreiber.
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