Um Schönheit zu zeigen, braucht es mitunter nicht viel. Es reichen zum Beispiel 21 Teelichter oder zwei Gläser Milch, um den Blick auf eine Schönheit zu konzentrieren, die innere und äußere Bewegung miteinander verbindet. Das war die Intention des 2021 verstorbenen Raimund Hoghe, der seine Choreographien nur mit spärlichsten Requisiten ausrüstete. Schönheit ist vergänglich, deshalb umweht sie stets ein Hauch Melancholie. Auch wenn es nie ganz gelingt, so möchten wir das Schöne doch festhalten und beginnen es mit der Schrift oder dem Bild zu dokumentieren. Die italienische Tanzkünstlerin Ornella Balestra nimmt das ganz wörtlich. In einer Filminstallation, die das Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln jetzt in einer Ausstellung für Raimund Hoghe präsentiert, zeichnet sie mit einem Stift die eigene Gestalt nach. Ein Prozess, der voller Wiederholungen und Korrekturen steckt und genau darin trifft sie Hoghes Konzept überzeugend.
Raimund Hoghe, der 1949 in Wuppertal geborenen wurde, war Journalist und über neun goldene Jahre hinweg Dramaturg von Pina Bausch. Von 1989 an entwickelte er eigene Bühnenarbeiten, in denen er mitunter auch selbst agierte. In seiner Kindheit litt er an einer Rückgratverkrümmung, die sich später verstärkte zu einem Buckel auswuchs. Zeitlebens sah man dem kleingewachsenen Mann seine Verletzung an. Die Ausstellung dreht sich in ihren fein ausgewählten Zitaten und den Fotografien von Hoghes Ensemblefotografin Rosa Frank um den Dialog zwischen Schönheit und Verletzung. Mit der Verletzung erhält die Schönheit eine zarte Note, die in Hoghes choreographischen Werken auf besondere Weise zum Ausdruck kam.
Aus dem Schwarz des Bühnenraums lösten sich die Körper der Tanzenden und schärften den Blick für den poetischen Ausdruck der Menschen, die dort agierten. Die Ausstellung verdeutlicht noch einmal, dass Hoghes Inszenierungen wie Performances gelesen werden wollten. Und sie erinnert daran, dass hier ein Choreograph sein Innerstes auslieferte, denn selbst wenn Hoghe nicht auf der Bühne erschien, blieb er in der subtilen Emotionalität dieser Produktionen stets anwesend.
Die Ausstellung ist bis 28. 2. 2027 im Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln zu sehen.
INSCRIT – Schreiben mit dem Körper: Eine Ausstellung für Raimund Hoghe | bis 28.2.27 | Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln
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