Sehr viele Musiker haben die Corona-Zeit genutzt, um Dinge aufzuarbeiten, die im normalen Spielbetrieb einfach aus Zeitgründen untergingen. Der Klarinettist Daniel Ottensamer, Spross der legendären Klarinettistenfamilie Ottensamer (Vater und zwei Söhne) und aktueller Solo-Klarinettist bei den Wiener Philharmonikern, nannte sein wirklich sensationelles Projekt „The Clarinet Trio Anthology“. Auf 7 CDs gebannt, wurde es jetzt mehrfach live auf Tour präsentiert. In Düsseldorfs Schumann-Saal haben die drei wunderbaren Kammermusiker gleich mehrere Termin gebucht.
Der Terminus Klarinettentrio bezeichnet nicht das Zusammentreffen von drei Klarinetten, sondern leitet sich von dem Begriff „Klaviertrio“ ab, eine klassische Besetzung mit Violine, Violoncello und Klavier (keine drei Klaviere). Beethoven hat diese Besetzung in seinem berühmten Tripelkonzert auf das Solistenpodest über das Orchester gehoben. Im Klarinettentrio ersetzt das Holzblasinstrument die Geige und wird Namensgeber des Trios.
Daniel Ottensamer hat mit seiner Recherche und diesen Einspielungen nach eigenem Bekunden „eine ganze Musikwelt im Kleinen“ abgebildet, er selbst war überrascht, wie farbig eine solche Expedition in relativ unbekanntes Terrain ausfallen konnte. Das liegt natürlich auch daran, dass die Musiker dieses Trios Beethoven und Brahms nur als Startpunkte betrachten – die berühmte Wiener Schule gibt es klassisch und neu.
Die drei Österreicher sind wesentlicher Bestandteil des Ensembles „Philharmonix“, ein Spezial-Kammermusikensemble für halsbrecherische Raketenfahrten in ausgefeilten Arrangements, betrieben von Musikern der Wiener und Berliner Philharmoniker. Trio-Cellist Stephan Koncz ist Mitglied bei den „12 Cellisten der Berliner Sinfoniker“ und spielt mit der ersten Garde renommierter Kammermusiker. Christoph Traxler, Gastpianist der Wiener Philharmoniker und Musikprofessor in Wien, komplettiert das Trio kongenial.
Die Düsseldorfer Konzerte greifen auf ein extrem breites Repertoire zurück. Für die erste Begegnung liegt Brahms auf den Pulten, der junge Komponist bekam hier am Rhein wesentliche Impulse durch Familie Schumann. Stücke von Robert Kahn schnuppern Cardas-Feuer, Magnus Lindberg entführt in nordische Klänge, Paul Juon bewegt sich in spätromantischem Fahrwasser – unbekannte Musik, garantiert in bester Ausführung.
erstKLassik!: Trio Christoph Traxler, Stephan Koncz und Daniel Ottensamer | So 29.11., 17 Uhr | Robert-Schumann-Saal im Kunstpalast Düsseldorf | www.kunstpalast.de
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